Wirtschaftsschule - Eine nachdenkliche Jeans aus Gips

Wirtschaftsschüler verfolgen den Weg des Lieblingskleidungsstückes quer über den Globus

Wollte man den Weg zurückverfolgen, den die Jeans im Kleiderschrank schon vor ihrem Verkauf zurückgelegt hat, dann müsste man um den halben Erdball fliegen. Die Neuntklässler der Wirtschaftsschule haben sich in einer Projektarbeit dieses Globalisierungsproblems angenommen. Und dabei erstaunliches wie nachdenkenswertes festgestellt.

Jede Jeans, egal ob aus Bio- oder aus konventioneller Baumwollproduktion, hat die sprichwörtliche Weltreise schon hinter sich gebracht, bevor sie im Laden verkauft wird. Das Thema, mit dem sich Schüler der neunten Klasse der Wirtschaftsschule in den letzten Wochen beschäftigt haben, ging aus dem Projekt Bewußter und Nachhaltiger Konsum des Biosphärenreservats Rhön hervor und wurde von den Schülern selbst ausgewählt. Gemeinsam mit Projektbegleiterin Eva Kalla und Lehrerin Michaela Schumann forschten die Schüler rund um eines der beliebtesten Kleidungsstücke vornehmlich der jüngeren Generation. Was dabei zum Vorschein kam, das regt nicht nur die Schüler zum Nachdenken an, die an dem Projekt mitgearbeitet haben, sondern alle, die im Foyer der Schule an dem Jeansgipsmodell und den zahlreichen Stellwänden vorbeigehen und vielleicht doch mal genauer hinschauen.

Die Baumwolle für eine typische Jeans, wie es sie überall zu kaufen gibt, kommt aus Kasachstan. In der Türkei wird das Garn gesponnen, in Bulgarien und Tunesien wird der Stoff gefärbt, in China die Hose genäht, in Frankreich wird sie vorgewaschen und irgendein anderes Land liefert Reißverschluss und Nieten. Mit „Made in Germany“ hat das nicht mehr viel zu tun, erkannten die Schüler. Aber nicht nur die irrsinnigen Transportwege sind ein enormes Umweltproblem, auch der hohe Wasserverbrauch bei der Baumwollproduktion und dem Färben, die Monokulturen auf den Ackerflächen, Entlaubungsmittel und Pestizide sowie die hohe Rate an Kinderarbeit bei der Ernte sollten uns beim Jeanskauf doch die ein oder andere Sorgenfalte auf die Stirn legen.

Doch wer denkt schon an all das? Die Schüler der Wirtschaftsschule haben, um ihrer Diskussion mehr Nachdruck zu verleihen, eine Jeans aus Gips gebastelt, die jetzt vor der Präsentation ausgestellt wird. Es geht nämlich auch anders, das haben die Schüler herausgefunden. Ökologisch produzierte Baumwolle, vegetabil gefärbte Lederknöpfe und das ganze in einem Land produziert. Doch wo findet man solche Modelle und wie sehen sie aus? Die Modelle aus Biobaumwolle sind mitunter nicht so hip, wie die angesagten Labels, sind eher was für Ökofreaks. Und wer will das schon sein? Dennoch liegt es mal wieder am Verbraucher, was er mit seinem Kauf unterstützt und was nicht.

 

Text: Stefan Kritzer

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Foto: Anand Anders

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