Naturschutzgebiet „Rhönwald“ – Kernzone im Biosphärenreservat Rhön

Der Rhönwald erstreckt sich über die hessisch-thüringischen Landesgrenze. Der westliche Rhönwald umfasst eine Fläche von ca. 44 ha. Im Osten schließt sich unmittelbar das bereits im Jahr 1967 durch eine Anordnung des Vorsitzenden des Landwirtschaftsrates der Deutschen Demokratischen Republik ausgewiesenes Naturschutzgebiet Rhönwald mit 122 ha an. Primäres Schutzziel für den Rhönwald ist die Erhaltung und Sicherung eines buchen- und edellaubholzreichen Bergwaldes im Übergangsbereich der mittleren zu den oberen Berglagen.
Beide Kernzonen werden von Basalt geprägt, der in einem Muschelkalksockel auflagert.
Mit rd. 950 mm mittlerer Jahresniederschlagssumme und einer Jahresmitteltemperatur zwischen 5 - 6° C hat das Gebiet eine ausgeprägte subathantische Klimatönung.
Die Vegetation des Schutzgebietes wird von Wald beherrscht, ausgenommen eine Waldlichtung im hessischen und dem ehemaligen Grenzstreifen. In diesem läuft seit 1990 der Prozess der Sekundärsukzession. Pionierbaumarten wie Birken, Salweiden und Zitterpappeln haben beachtliche Größen entwickelt. Eine Vielzahl mehrjähriger Stauden sorgen im Sommer für ein Blütenmeer. Kennzeichnend für den Grenzstreifen ist das Vorhandensein von typischen Waldpflanzen, wie Türkenbundlilie, Buschwindröschen, Waldsegge, Große Sternmiere, Wald-Ziest, Waldbingelkraut.
Die Rotbuche ist in der gesamten montanen Stufe, der das Gebiet mit Weißer Pestwurz, Große Hainsimse, Quirlblättriger Weißwurz und überall hohem Bergahorn-Anteil angehört, überaus vital. Experten vermuten, dass dies der Grund für das völlige Fehlen der Weißtanne in diesem Gebiet sein könnte.
Der Buche sind insbesondere neben dem Bergahorn, Bergulme und Esche reichlich beigemischt.
Als Waldbodenpflanzen sind noch Waldtrespe, Frühlingsplatterbse, Waldbingelkraut, Gefleckter Aronstab, Echter Baldrian, Wolliger Hahnenfuß und die Waldschlüsselblume zu nennen.

Beeindruckend sind einzelne alte urige Bergahorne und Bergulmen im Bereich der Blockschutthalden, die bereits jetzt einen Vorgeschmack auf den zukünftigen „Urwald aus zweiter Hand" vermitteln.
Als Waldtyp dominiert der Zwiebelzahnwurz-Buchenwald. Kleinflächig sind der blockreiche Ahorn-Linden-Schutthaldenwald und ein Erlensumpfwald vorhanden.
Gerade Laubwälder mit einem hohen Anteil an Totholz wie im Rhönwald sind ein Eldorado für Vögel wie Schwarz-, Bunt-, Grün-, Grauspecht, Kleiber und Waldlaubsänger. Aber auch nachtaktive Arten wie die Fledermäuse sind in diesen naturnahen Wäldern anzutreffen. Eine zoologische Besonderheit wurde im Jahre 2006 durch Forschungen in den Quellbereichen des Rhönwaldes entdeckt. Erstmals konnte hier ein „Urzeitkrebs" nachgewiesen werden. Dieser nur 2 mm große Krebs ist bisher ausschließlich im Tiefengrundwasser gefunden worden.
In der Kernzone stocken auch noch nennenswerte naturferne Fichtenbestände, die durch Windwurf und Schneebruch stark gefährdet sind. Es ist zu erwarten, dass sich auch dort - über kurz oder lang - natürliche Laubholzbestände über Sukzession entwickeln können.
Die bereits angelaufenen Forschungsaktivitäten werden eine noch viel größere Zahl seltener Tier- und Pflanzenarten erfassen können. Der sich durch Nutzungsverzicht entwickelnde „Urwald von morgen" wird uns und unseren Kindern eine „unglaubliche" Artenvielfalt hervorbringen.

 

 


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