Naturschutzgebiet „Rotes Moor“ – Kernzone im Biosphärenreservat Rhön

Das Naturschutzgebiet „Rotes Moor" liegt in der Sattellage zwischen dem Heidelstein
(927m NN). Es wurde bereits 1979 ausgewiesen und zählt somit zu den ältesten und mit seinen 315 ha zu den größten Schutzgebieten Hessens. Benannt wird es nach dem größten und bedeutendsten heimischen Moor im Südteil des Gebietes, dem Roten Moor.

Das Schutzgebiet repräsentiert einen typischen Landschaftsausschnitt der Plateaulagen der Rhön.
Neben den ca. 50 ha Moorgebiet (Großes und Kleines Moor) zählen die ausgedehntesten Karpaten-Birkenwälder Mitteleuropas und die Grünlandbereiche (Borstgrasrasen, Goldhaferwiesen, Trollblumen-, Knöterich-, Feuchtwiesen, Kleinseggensümpfe) zu den besonderen „Kostbarkeiten" des Gebietes.

Von der ursprünglichen Hochmoorfläche mit ihrer typischen Moorvegetation sind heute noch kümmerliche, entwässerte Reste erhalten, die von der Abtorfung verschont geblieben sind.

Der Torfabbau zur Brennzwecken begann bereits im Jahre 1809. Gegen Ende des 18. Jahrhunderts, in einer Zeit starker Bevölkerungszunahme, waren Brenn- und Bauholz sehr knapp geworden. Ursache dafür war eine schonungslose Übernutzung der Wälder durch Holzeinschlag und Waldweide. Die Brenntorfgewinnung wurde dann durch die Bädertorfgewinnung abgelöst. Mit dem Einsatz eines Greifbaggers ab 1960 schritt die Abtorfung mit rasanter Geschwindigkeit voran und wurde im September 1984, nachdem da Land Hessen die Moorflächen erworben hatte, endlich eingestellt. Übrig blieben nur wenige Hektar Hochmoor, das nicht mehr als „lebendes" wachsendes Moor anzusprechen war. Erst mit dem Wiederanstau der Entwässerungsgräben in der Rest-Hochmoorfläche und durch die Umgestaltung der abgebauten Flächen wurde eine verstärkte Vernässung in Gang gebracht mit dem Ziel, das Torfwachstum „wiederzubeleben". Die Renaturierungsmaßnahmen bedürfen auch heute noch ständiger eingriffe. Das Hochmoor ist umgeben von ausgedehnten Karpatenbirkenwäldern. Die Karpatenbirkenwälder mit ihren urigen und kernigen Wuchsformen bilden je nach Wasser- und Nährstoffgehalt den Beerstrauch-Karpatenbirkenwald, Schachtelhalm-Karpatenbirkenwald oder Waldsimsen-Karpatenbirkenwald.

Teile der Karpatenbirkenwälder und ehemals mit Fichten bestockte Flächen sollen sich nach der neuen Rechtsverordnung auf ca. 100 ha als „Kernzone" weitgehend ohne menschliche Einflussnahme entwickeln.

Hier sind auch auf kleinen Teilgebieten die einzigen wahren „Urwälder" der Rhön zu finden, in die der Mensch bis zum heutigen Tage wegen der starken Vernässung nicht eingreifen konnte.
In der Kernzone sollen die natürlichen Entwicklungsprozesse sowie die Lebensraumansprüche der Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich erforscht und dokumentiert werden. Umfangreiche wissenschaftliche Arbeiten (so z. B. Entwicklung der Vogelwelt) sind in den letzten Jahren unter Federführung der Bundesanstalt für Naturschutz in Bonn bereits erstellt worden. Näher erforscht werden soll nun die übrige Tier- und Pflanzenwelt der Karpatenbirkenwälder.
Die Besucher des Naturschutzgebietes „Rotes Moor" können diesen außergewöhnlichen Lebensraum über einen Bohlensteg hautnah erleben. Vom Aussichtsturm aus ist ein guter Einblick in die Restmoorfläche und die randlichen Karpatenbirkenwälder möglich.

Das Moor, die Karpatenbirkenwälder und die sich nach Westen anschließenden Bergwiesen bilden den Lebensraum für das einzige hessische Vorkommen des Birkhuhns. Auch wenn der Bestand dieser sehr scheuen Rauhfußhuhnart in der Rhön stark zurückgegangen ist, wird dieser Lebensraum „birkhuhnfähig" gehalten. Denn auch andere Buntvogelarten wie Bekassine, Wiesenpieper, Braunkehlchen und der besonders seltenen Wachtelkönig profitieren davon und leben in diesen Flächen.
Die Bergwiesen sind überaus reich an Blütenpflanzen und werden durch einmalige Mahd im Jahr zu einem möglichst späteren Zeitpunkt unter Aussparung von kleineren Brachestreifen als Rückzugsinseln für Insekten genutzt. Die mähfähigen Flächen werden durch Beweidung offen gehalten und leben in diesen Flächen.

Mit Unterschutzstellung im Jahre 1979 wurde ein erster wichtiger Schritt gegangen, um einen bundesweit bedeutsamen Lebensraum für die Zukunft zu sichern. Mit der Ausweisung einer „Kernzone" im Roten Moor wird ein einzigartiger Lebensraum für Pflanzen und Tiere ohne Einflussnahme des Menschen seine ungestörte Entwicklung vollziehen können.

 


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