Tourismus: Sanft – naturverträglich – nachhaltig

So lassen sich die Ziele des Biosphärenreservates Rhön für die touristische Entwicklung beschreiben. Als übergeordnetes Leitbild gilt es, die Rhön als das „Land der offenen Fernen\" zu bewahren und weiterzuentwickeln. Gerade die geringe Bewaldung der Rhön in den zentralen Mittelgebirgslagen von weniger als 40 % machen den besonderen touristischen Reiz der Landschaft aus. Immer wieder ermöglicht die Landschaft weite Blicke, die durch ihre kleinteiligen Strukturen mit einem bunten Mosaik aus Wiesen, Weiden, Wäldern, Feldgehölzen und Streuobstwiesen aber auch Ortschaften und Weilern ein anmutiges und beschauliches Bild vermittelt. Gerade diese Vielfältigkeit unterschiedlicher Lebensräume, geprägt von naturnahen Wäldern, artenreichen Bergwiesen, Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Mooren, Quellen und Bachläufen machen aber die besondere Artenvielfalt und die naturschutzfachliche Bedeutung dieses Lebensraumes aus. Der Schutz der Artenvielfalt ist eine der zentralen Aufgaben von UNESCO-Biosphärenreservaten. Zwar wird der Mensch in seiner Nutzung nicht ausgegrenzt sondern ist integraler Bestandteil der Konzeption, gleichwohl muss aber auch dem Schutz von Natur und Umwelt in hohem Maße Rechnung getragen werden.
Für diese „Quadratur des Kreises" wurde für das Biosphärenreservat Rhön ein Tourismuskonzept erarbeitet. Es sieht vor, dass sich die Rhön auch künftig auf die touristischen Bereiche konzentriert, die naturgemäß und historisch am Nächsten liegen. Dies sind das Wandern, das Radfahren und der Segelflug.
Die Rhön gilt als „Wanderwelt Nr. 1". Bereits vor mehr als 130 Jahren wurde der Rhönklub gegründet, einer der ältesten Deutschen Gebirgs- und Wandervereine. Seit Anbeginn versteht sich der Rhönklub als Förderer einer naturvertäglichen touristischen Erschließung der Rhön, wobei der Wanderer im Fokus stand und bis heute steht. Ähnliche Zielsetzungen verfolgen seit Gründung auch die Naturparke in der Hessischen und Bayerischen Rhön. Es liegt also nahe, dass das Biosphärenreservat Rhön hier ansetzt und die wohl sanfteste touristische Nutzung der Landschaft, das Wandern, weiter fördert und zu einem naturverträglichen Ausbau der Wanderinfrastruktur seinen Beitrag leistet. Dem entsprechend haben sich die Arbeitsgemeinschaft der Rhöner Landkreise und das Biosphärenreservat Rhön in Kooperation mit dem Rhönklub zum Ziel gesetzt, die Rhön zu einer echten „Wanderwelt Nr. 1" auszubauen. Diese Bemühungen tragen Früchte. Inzwischen wurde ein Premium-Fernwanderweg, „der Hochrhöner", ausgewiesen und vom Deutschen Wanderinstitut zertifiziert. Von Bad Salzungen bis Bad Kissingen kann man nun auf diesem geprüften und prämierten Weg die vielfältigen Schönheiten der bayerischen, hessischen und thüringischen Rhön genießen. Zusätzlich entstanden auf Betreiben der Landkreise und der Naturparke entstanden 20. Auch bei diesen Rundwanderwegen, welche die „kleinen Geschwister" des Hochrhöners sind, handelt es sich um Premiumwege mit modernster Infrastruktur.

Radtourismus in der Rhön:
Ebenfalls im Fokus der Touristiker und des Biosphärenreservates stand und steht der Ausbau eines qualifizierten Radwegenetzes. So entstanden im Schulterschluss von Naturpark Hessische Rhön, Rhön Tourismus & Service GmbH Biosphärenreservat Rhön z.B. der Milseburgradweg und der Kegelspielradweg, beides Radwege auf ehemaligen Bahntrassen. Insgesamt ist es gelungen, in der Rhön ein Netz an Radwegen anzulegen, das sowohl für Tagesausflüge wie für Mehrtagesfahrten vielfältige Möglichkeiten bildet. Abgerundet wird dieses Angebot durch den neu geschaffenen „Rhönradweg", der ähnlich wie der Hochrhöner die Rhön in Nord-Südrichtung überquert. Unter anderem entstanden attraktive Querverbindungen z. B. vom Fuldaradweg zum Saale-Radweg oder auch zum Werra-Radweg.
Für Wanderer und Radwanderer liegen inzwischen aktualisierte Karten für ihre Touren in der Rhön vor.

Segelflug:
Ein besonderes Alleinstellungsmerkmal hat die Rhön durch den Segelflug. Auf der Wasserkuppe, auf dem höchsten Berg der Rhön, wurde 1924 die erste Segelflugschule gegründet. Hier, auf der Wasserkuppe, gelang es weltweit erstmalig, die Thermik zu nutzen. Die Wasserkuppe gilt daher als Geburtsort des thermischen Segelfluges. Unzählige Weltrekorde wurden seit 1912, als der erste Segelflug auf der Wasserkuppe stattfand, geflogen. Zu den Segelfliegern gesellen sich heute auf der Wasserkuppe die Modellflieger, die Paraglider, die Drachenflieger und im Winter die Snowkiter. Bei all dem gibt es eine enge Zusammenarbeit zwischen Biosphärenreservat Rhön und der Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges, welche die Interessen der Flieger auf der Wasserkuppe vertritt. Beispiele für ein gedeihliches Miteinander sind z. B. die Anschaffung einer Seilwinde, um die Motorschleppstarts zu reduzieren. Für das Überfliegen der Naturschutzgebiete wurden Mindestflughöhen vereinbart. Regelmäßig werden zur Schulung der Piloten auch Veranstaltungen mit der Biosphärenreservatsverwaltung angeboten. Jüngstes Kind der Kooperation ist die Überarbeitung eines naturschutzfachlichen „Knigges für Flugzeugpiloten" welcher für die Pilotenausbildung herangezogen wird und Hintergründe von naturschutzfachlichen Standarts vermittelt. Nicht zuletzt ist aber auch die Gesellschaft zur Förderung des Segelfluges als Flugplatzbetreiber auf der Wasserkuppe Garant für europaweit bedeutenden Lebensraumtyp, den Borstgrasrasen. Auf dem Flugplatzgelände befinden sich große zusammenhängende Borstgrasrasenflächen, die durch die fachkundige Pflege der Flieger seit Jahrzehnten in einem Optimalzustand sind.

Kulturlandschaft als Basis des Fremdenverkehrs:
Das Land der offenen Fernen ist das eigentliche Kapital der Rhön und dies gerade im Hinblick auf den Fremdenverkehr. Die Rhön ist keine museale Landschaft, die dem Besucher eine heile Welt vorgaukeln will. Nein, die Rhön ist ein Landstrich, der nach wie vor fest in „Bauernhand" ist, sieht man einmal von den großen Naturschutzgebietsflächen der Langen Rhön ab. Auch in der Rhön sind die Landwirte auf Agrar-Subventionen und Transferzahlungen angewiesen. Gleichwohl wirtschaften sie auf ihren Flächen für die landwirtschaftliche Produktion. Sie sind damit auch Garanten für Authenzität und Echtheit.

Tourismus stärkt heimische Landwirtschaft:
Es ist daher Ziel des Biosphärenreservates, die landwirtschaftlichen Betriebe zu stützen und zu stärken. Auch sollen diese Betriebe, wo immer es möglich ist, vom Fremdenverkehr unmittelbar partizipieren. Daher wurden, insbesondere in den 1990er Jahren der Aufbau von Ferien auf dem Bauernhof, Heubetten, Kinderbauernhöfe etc. gefördert. Seminare und Lehrgänge, die gemeinsam mit dem Fremdenverkehrsverband und dem Bauernverband durchgeführt wurden, sorgten für das Know-how im Beherbergungsbereich und im Marketing. Teilweise nahmen Landwirte auch an Fortbildungen zu „Natur- und Landschaftsführern" teil und / oder entwickelten Angebote für Bauernhofführungen. Gerade die Natur- und Landschaftsführungen dürfen als Erfolgsmodell bezeichnet werden. 1993 wurde im Biosphärenreservat begonnen, ein Netzwerk von privaten Führern aufzubauen, die zunächst überwiegend für Schulklassen Hofführungen sowie naturkundliche Führungen anboten. Es war zunächst ein Projekt, das auch aus der Not heraus geboren wurde. Da in allen drei Landesteilen nicht ausreichend Naturschutzwarte zur Verfügung standen, war man, um dem Auftrag der Umweltbildung gerecht zu werden, auf ehrenamtliche Zuarbeit angewiesen. Wenngleich es seit 1993 in diesem Projekt eine hohe Fluktuation gab und gibt, so haben doch eine Reihe von Anbietern sich wirtschaftliche Standbeine erschlossen. Längst sind es nicht nur die Schulklassen, die geführt werden, sondern Besuchergruppen aus ganz Europa. Einige Betriebe haben über 200 Besuchergruppen im Jahr. Das Veranstaltungsprogramm des Biosphärenreservates Rhön, hessischer Teil, präsentiert 2008 rund 25 solcher Anbieter. Sie alle stehen für einen nachhaltigen, zukunftsfähigen Fremdenverkehr und sind wichtige Multiplikatoren für die Ziele des Biosphärenreservates Rhön.
Dank geeigneter Förderprogramme gelang es in den 1990er Jahren auch, eine Gründungswelle von Bauernläden und Bauernhof-Cafes auszulösen. Die Rhön gilt als eine der Regionen mit dem dichtesten Netz an Bauernläden in Deutschland. Auch hiervon profitiert der Fremdenverkehr. Einige dieser Bauern- und Regionalläden berichten, dass 30 % und mehr ihres Umsatzes durch Gäste getätigt wird. Dies ist aus Sicht des Biosphärenreservates idealtypisch. Gäste tragen mit dazu bei, dass ihre Urlaubsregion erhalten wird und die heimischen Landwirte ein Auskommen haben.

Landwirtschaft, Gastronomie und Regionalmarke:
Das wichtigste Bindeglied zwischen Landwirt und Gast aber ist der Gastronom. Das Biosphärenreservat Rhön hat daher bereits in den frühen 1990er Jahren damit begonnen, bei der heimischen Gastronomie Überzeugungsarbeit zu leisten. Die Logik ist einfach: Kauft der Gastronom seine Produkte, wo immer es möglich ist, beim heimischen Landwirt, so trägt er damit aktiv dazu bei, dass das attraktive Landschaftsbild, das der Grund für den Besuch vieler Gäste ist, erhalten bleibt. Der Gastronom sichert sich damit seine eigene wirtschaftliche Grundlage!
Auch diese Bemühungen tragen Früchte. Entstanden zunächst Wirtevereinigungen wie z. B. „Aus der Rhön für die Rhön\" und „Rhöner Charme\", die in ihrer Kommunikation aber auch im Wareneinkauf den Einsatz regionaler Produkte herausstellen, so ist es heute insbesondere die Dachmarke Rhön. Deren Qualitäts- und Herkunftszeichen, welches für eine gute konventionelle Produktqualität aus der Region bürgt. Dieses Qualitätssiegel erfreut sich einer steigenden Beliebtheit insbesondere bei den heimischen Gastronomen. Bereits über 80 Betriebe nutzen das Siegel und dokumentieren damit auch ihre Verbundenheit zum Biosphärenreservat Rhön.

Biosphärenreservat Rhön - bei Einheimischen und Gästen angekommen:
Lange Zeit gab es die Sorge der Touristiker, dass das Prädikat „Biosphärenreservat Rhön\" von Gästen und Besuchern der Rhön in erster Linie als Einschränkung wahrgenommen werden würde. Gerade zu Beginn gab es durchaus auch bei der einheimischen Bevölkerung eine große Skepsis. Diese Skepsis ist bei Gästen als auch bei der einheimischen Bevölkerung einer deutlichen Zustimmung gewichen. Umfragen, z.B. vom Allensbach-Institut, belegen, dass die Rhöner Bevölkerung mit deutlicher Mehrheit stolz auf ihr Biosphärenreservat Rhön ist. Zahlreiche Projekte, eine gute Öffentlichkeitsarbeit, Rundfunk- und Fernsehberichterstattungen und ungezählte Vorträge haben diesen Wandel erreicht. Gäste der Rhön konstatieren immer wieder, dass die Rhön in den letzten Jahren enorme Fortschritte, sowohl beim Ausbau der Infrastruktur als auch bei der Vermarktung ihrer regionalen Produkte erzielt habe. Dies sind Verdienste, die eng mit dem Biosphärenreservat verknüpft sind und auch so in der Öffentlichkeit wahr genommen werden.

Fazit: Akzeptanz ist machbar!

Ein neues Beispiel für diese gestiegene Akzeptanz ist das Marketing des Mineralbrunnens „RhönSprudel\". Diese Firma führte in 2006 Marketinguntersuchungen durch. Analysiert wurde, dass die Firma RhönSprudel einer von wenigen Mineralbrunnen in einem Biosphärenreservat in Deutschland ist. Analysiert wurde auch, dass bislang kein anderer Mineralbrunnen in Deutschland mit dem Prädikat Biosphärenreservat aktiv wirbt. Dies nahm RhönSprudel zum Anlass, eine Kundenbefragung durchzuführen. Das Ergebnis war, dass nahezu 100 % der Befragten mit dem Biosphärenreservat Rhön positive Assoziationen verbinden. Grund genug, eine Apfelschorle mit der Markenbezeichnung „Biosphäre\" am Mark zu etablieren und aktiv mit dem Herkunftsort „Aus dem Biosphärenreservat Rhön\" zu werben. Damit trägt das mittelständische Unternehmen aktiv zur Werbung für die Rhön bei.

Der Bekanntheitsgrad der Rhön:
Auf überregionalen Messen gewinnt man als heimsicher Akteur oft den Eindruck, dass die Rhön bislang noch relativ unbekannt als Urlaubsregion ist. Durch die Teilnahme an zahlreichen Fachmessen wie der „Grünen Woche\" in Berlin, der „Bio-Fach\" in Nürnberg oder der „ITB\" sucht das Biosphärenreservat Rhön seinen Beitrag zur Überwindung dieser Defizite zu leisten. Dabei soll nicht verschwiegen werden, dass das Biosphärenreservat Rhön bislang eher das Bildungsbürgertum anspricht und erreicht. Ein Beispiel hierfür ist die Homepage des Biosphärenreservates Rhön (www.biospaerenreservat-rhoen.de), welche derzeit pro Monat von etwa 30.000 Besuchern angeklickt wird, wobei ein hoher Anteil auf eine studentische Klientel zurückzuführen ist. Aber auch Aktive in der Regionalentwicklung wissen um die Projekte im Biosphärenreservat Rhön, so dass von den drei Verwaltungsstellen des Biosphärenreservates jährlich über 50 Fachbesuchergruppen betreut werden.


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