Naturschutzgebiet „Stallberg“ – Kernzone des Biosphärenreservats Rhön

Mit Verordnung vom 22.05.1973 wurde das Naturschutzgebiet „Stallberg" in der Gemeinde Kirchhasel durch den Regierungspräsidenten in Kassel erstmalig sichergestellt.

Die Ausweisung des Stallberges als Naturschutzgebiet erfolgte zunächst aus kulturhistorischen Gründen, dabei sollten die bronzezeitlichen Hügelgräber und besonders der eisenzeitliche Ringwall vor weitere Zerstörung geschützt werden.
Dieser ursprüngliche Schutzzweck muss heute erweitert werden, denn auch in botanischer Hinsicht ist dieses Gebiet äußerst wertvoll. Daneben stellt der Sommerlinden-, Bergulmen- und Blockschuttwald des Stallberges einen Gesellschaftsstand von nationaler Bedeutung dar.

Das Naturschutzgebiet „Stallberg" gehört zur Vorder- oder Kuppenrhön, auch Hessisches Kegelspiel bezeichnet. Der Stallberg ist zudem mit 553 m die höchste Erhebung der Großgemeinde Hünfeld.
Im Stallberg brachen wie in der gesamten Rhön im Tertiär vulkanische Kräfte aus dem Erdinneren hervor, hoben den Buntsandstein und die ihm auflagernden Muschelkalkschichten mit empor und ergossen ihre Basalt-Lavamassen in die Oberfläche.
Das Zentrum des Berges wird von einer Basaltkuppe gebildet, ausgedehnte Blockhalden sind fast um die ganze Kuppe des Stallberges verteilt.

Hier befindet sich auch der eisenzeitliche Ringwall (800 v. Chr.), dessen vorgeschichtliche Bedeutung als Zufluchtsort der damaligen Bevölkerung erkennbar ist.
Aus noch früherer Zeit stammen die Hügelgräber in der Nähe des Parkplatzes sowie im Westen und Norden des Stallberges. Sie sind der Hügelgräberbronzezeit zuzuordnen
(ca. 200 v. Chr.).

Die Böden sind überwiegend reich mit Nährstoffen ausgestattet (eutroph). Entsprechend tragen sie - auch heute noch - von Natur aus anspruchsvolle Laubwaldgesellschaften aus Buche und Edellaubbäumen. Der Stallberg ist überwiegend Staatswald und besteht aus langschaftigen, qualitativ hochwertigen Laubbeständen. Beigemischt sind in dieser naturnahen, fast naturgemäßen Buchen-Bestockung Eiche, Esche, Ahorn, Ulme, Kirsche, Elsbeere und Hainbuche.
Besonders auf der Verebnung des Gipfels befindet sich ein Buchenbestand mit qualitativ hochwertiger Eschenbeimischung.
Einblütiges Perlgras, Haselwurz, Waldmeister, Seidelbast, Frühlingsplatterbse und stellenweise Bärlauch auf großer Fläche, Türkenbund, Lerchensporn, Märzenbecher, Weißes Waldvögelein und Aronstab gehören zu der herausragenden Flora, einige gehören der „Rote-Liste-Arten" an.

An seltenen Arten der Fauna wurden 5 „Rote-Liste-Arten" im NSG festgestellt: Baummarder, Dachs, Kleinspecht, Bergmolch und Grasfrosch.

Seit 1977 sind 18,3 ha forstlich nicht mehr genutzt worden und bereits seit mehr als 20 Jahren als Totalreservate auf der Kuppe anzusehen.

Mit dem letzten Pflegeplan von 1988 wurden mittelfristig noch weitere 18 ha aus der forstlichen Nutzung entnommen. Somit schieden nach diesem Pflegeplan ca. 20 % des insgesamt 198 ha großen NSG aus der forstlichen Nutzung aus. Des Weiteren sollte sämtliches Nadelholz langfristig entfernt werden, und der Alt- und Totholzanteil sollte sich erheblich weiterentwickeln.

Nach der neuen nunmehr gültigen Verordnung über das Naturschutzgebiet „Stallberg bei Hünfeld" vom 7. Dezember 1997 ist das NSG Stallberg mit 174,9 ha Bestandteil der Kernzone des Biosphärenreservats Rhön.

Ziel der Unterschutzstellung unter Beachtung der fachlichen Vorgaben der UNESCO, ist es

1. Die Basaltkuppe mit der offenen Blockhalde zu sichern und die unbeeinflußte natürliche Dynamik des Waldökosystems, vor allem der naturnahen Flattergras-Hainsimsen-Buchenwälder und Hainsimsen-Zahnwurz-Buchenwälder einschließlich ihrer Zusammenbruchs- und Pionierphasen zu schützen

2. die natürlichen Sukzessionsprozesse sowie die Habitatansprüche und Populationsentwicklungen der Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich zu erforschen und zu dokumentieren

3. die kulturhistorische bedeutsame eisenzeitliche Ringwallanlage und die bronzezeitlichen Grabhügelgruppen zu schützen

Im § 3 der Verordnung sind sechzehn Verbote, die zu einer Zerstörung, Beschädigung oder Veränderung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile oder zu einer nachhaltigen Störung führen können, ausgeführt.

Die Ausweisung als Kernzone ist gleichbedeutend einer Erklärung zum Totalreservat. Forstwirtschaft und somit Holzeinschlag findet in der Kernzone des Stallbergs nicht mehr statt, es soll also auf der gesamten Fläche eine urwaldartige Entwicklung vonstatten gehen.

Besucher dürfen die Kernzone des Stallbergs nur auf den festgesetzten Wegen zu Fuß betreten. Wegen der besonderen Zielsetzungen in der Kernzone (hoher Totholzanteil) erfolgt das Benutzen der Wege ausschließlich auf eigene Gefahr.

 

 


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