Naturschutzgebiet „Nordhang Wasserkuppe“ – Kernzone im Biosphärenreservat Rhön

Am Nordhang der Wasserkuppe unterhalb der Straße Abtsroda - Wasserkuppe wurde Ende 1997 eine 15,6 ha große Hutefläche mit zum Teil üppigem Strauchwuchs als Naturschutzgebiet ausgewiesen und als kleinste Kernzone im Biosphärenreservat Rhön rechtlich gesichert.

Die Fläche steht im Eigentum der Gemeinde Poppenhausen. In einer Verwaltungsvereinbarung zwischen dem Land Hessen und der Gemeinde Poppenhausen wurde die Abgrenzung der Kernzone geregelt.

Dieses Gebiet unterscheidet sich grundlegend von allen anderen Kernzonen des Biosphärenreservates. Während sonst nur naturnahe Waldgebiete unterschiedlichster Ausprägung als „Kernzonen" ausgewählt wurden, handelt es sich hier um eine Offenlandfläche.

Ziel der Unterschutzstellung ist es, die unbeeinflusste natürliche Dynamik vor allem der natürlichen Sukzession (= Entwicklung) der brachgefallenen und teilweise verbuschten Hutefläche auf Standorten mit unterschiedlichem Relief, Wasserhaushalt und Nährstoffversorgung zu sichern und die natürlichen Sukzessionsprozesse sowie die Habitatansprüche und Populationsentwicklungen der Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich zu erforschen und zu dokumentieren.

Die Frage: Wie entwickelt sich eine von Menschen aufgegebene ehemalige Hutefläche in der Rhön - kann nicht im Detail beantwortet werden. Die Fragestellung ist aber sowohl für den Praktiker als auch für die Wissenschaft von großem Interesse. Auch wenn derzeit die Flächenverbrachung im hessischen Teil des Biosphärenreservates Rhön kein Problem darstellt, da alle Flächen noch in Nutzung sind, könnten bei abnehmenden Interesse der Landwirtschaft an der Bewirtschaftung von Berggrünland innerhalb kürzester Zeit Fragen aufgeworfen werden: Was mache ich mit meiner ungenutzten Wiese? Forste ich die Fläche auf oder gebe ich sie der Natur (Sukzession) zurück? Wie entwickelt sich dann meine Fläche? Welchen Nutzen kann ich daraus ziehen? All diese Fragen können von niemandem eindeutig beantworte werden. Die Kernzone soll zukünftig diese Frage beantworten und als Vorzeigeprojekt fungieren.

Der „Nordhang Wasserkuppe" ist seit ca. 20 Jahren nicht mehr in voller Hutenutzung, seit 10 Jahren wird das Gebiet nur noch sporadisch durch entlaufene Schafe des Schafzuchtbetriebes Höhl, Farnlieden, beweidet.
Heute, nach nur wenigen Jahren Brache, sind die Pioniere des Waldes: Eberesche, (Capinus betulus), Öhrchenweide (Salix auita) und Karpatenbirke (Betula carpatica) zurückgekehrt und locker über die Fläche verteilt. Nicht nur der Bewuchs (Flora) hat sich innerhalb kürzester Zeit geändert, sondern auch die Tierwelt (Fauna).

Niemand kann jedoch die tatsächliche Entwicklung vorhersagen, da hierüber in der Rhön nur unzureichende Untersuchungen vorliegen.
Im Jahr 2000 wurde mit einem breit angelegten Untersuchungsprogramm begonnen. Dabei wird der floristische Teil von der Hessischen Landesanstalt für Forsteinrichtungen, Waldforschung und Waldökologie bearbeitet und die Fauna von der renommierten Naturforschergesellschaft Senckenberg in Frankfurt a. Main untersucht.

Die Ergebnisse dieser wissenschaftlichen Arbeiten sollen zur Beantwortung der genannten Fragen herangezogen werden können.

Das Biosphärenreservat Rhön leistet somit seinen aktiven Beitrag zur zukünftigen Gestaltung unserer Heimat.

 


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