SCHÖNAU. Es war schon immer ihr Wunsch, für eine gewisse Zeit nach Afrika zu gehen und sich dort in einem sozialen Projekt zu engagieren. Jetzt ist es so weit: Anna Lena May aus Schönau an der Brend wird ein dreimonatiges Praktikum im südafrikanischen Partnerbiosphärenreservat „Kruger to Canyons" absolvieren.
„Ich wollte das schon seit meiner frühen Jugend", erzählt die
24-Jährige, die in einem tegut...-Markt in Bad Neustadt stellvertretende
Filialleiterin ist und gemeinsam mit ihrem Freund in Schönau an der Brend
wohnt. „Aber es war nicht möglich. Erst einmal kam die Ausbildung, dann die
Weiterbildung und die Arbeit." In den vergangenen Monaten hatte sie sich immer
wieder bei verschiedenen Hilfsorganisationen beworben, die in Afrika vor Ort
aktiv sind. Doch da hätte es nur die Möglichkeit eines Jahresaufenthalts
gegeben - „und das war mir zu lang. Ich bin seit sieben Jahren mit meinem
Freund zusammen, und ich habe eine Arbeit, die mir große Freude bereitet.
Beides würde ich nie aufgeben wollen", sagt Anna-Lena May.
Über ihren Vater, der Bio-Landwirt in Junkershausen ist,
sowie Jens und Ulrike Lillienbecker aus Hermannsfeld kam schließlich der
Kontakt mit der bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön
zustande, die bekanntlich mit dem südafrikanischen Biosphärenreservat „Kruger
to Canyons" eine Partnerschaft unterhält. Schon der erste Anruf der
stellvertretenden Leiterin der Verwaltungsstelle, Dr. Doris Pokorny, stieß bei
den Südafrikanern auf große Freude. „Sie haben sich sofort gekümmert, eine
sinnvolle Möglichkeit zu finden, um Anna-Lena May in ein konkretes Projekt
einzubinden", berichtet Dr. Doris Pokorny.
Inzwischen hat Anna-Lena May auch das Visum für Südafrika,
denn sie möchte ihren Aufenthalt von drei auf vier Monate verlängern. Dieses
Visum zu bekommen, war eine der größten Herausforderungen der vergangenen
Wochen für die junge Frau. Auch hier halfen die Südafrikaner, wo sie konnten.
Ihr Arbeitgeber tegut... habe das Anliegen, für eine gewisse Zeit in Afrika
soziale Hilfe und Unterstützung zu leisten, von Anfang an unterstützt. „tegut...
hatte dafür zu jeder Zeit ein offenes Ohr", sagt sie.
„Ich glaube, dass es uns trotz Krise und vieler
Schwierigkeiten immer noch recht gut geht. Aber es gibt Länder, die wirklich
dringend auf Hilfe verschiedenster Art
angewiesen sind. Das gilt auch für Südafrika", meint Anna-Lena May. Dr. Doris
Pokorny kann diese Aussage nur unterstützen: „Südafrika ist kein Sozialstaat.
Das soziale Engagement wird oftmals von der Privatwirtschaft organisiert. Die
Privatwirtschaft ist es, die damit soziale Verantwortung übernimmt." Eine
Initiative nennt sich „Hlokomela" und wird von insgesamt 49 Farmen im
Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" getragen. Hierbei geht es besonders um
die Verbesserung der sozialen Bedingungen für die in der Saison bis zu 8 500
beschäftigten Arbeiter und Arbeiterinnen. Unter anderem betreiben die Farmen
ein Gesundheitszentrum. Krankheiten wie HIV (Aids) oder Tuberkulose sind
Schwerpunkterkrankungen. „Es geht um die Pflege, um die Behandlung, aber vor
allem um die Prävention bis hin zum Bereich der gesunden Ernährung", erläutert
Dr. Doris Pokorny.
Unter anderem gibt es einen großen Öko-Kräutergarten, der an
eine Zitrusfarm angeschlossen ist. Arbeiter mit gesundheitlichen Problemen
werden zum einen regelmäßig kostenfrei mit diesen (Heil-)Kräutern und mit
frischem Gemüse versorgt, zum anderen wird ein Teil der Ernte vermarktet, um
wieder Geld in das Projekt investieren zu können. Hinzu kommen
Bildungsprogramme für eine gesunde Ernährungs- und Lebensweise für die Arbeiter
und Arbeiterinnen, die während der Saison oftmals viele Monate von ihren
Familien entfernt auf den Farmen leben. Auch geht es um Anregungen zur
sinnvollen Freizeitgestaltung, in erster Linie um gemeinsamen Sport und gesunde
Bewegung. „In diesem komplexen Projekt werde ich mitarbeiten, und ich freue
mich darauf", sagt Anna-Lena May. Die Absprachen mit den Kollegen in Südafrika
beinhalten auch, dass sie konzeptionelle Arbeit leistet, um das Projekt
inhaltlich weiter zu entwickeln und möglicherweise sogar eine Kooperation mit
dem im thüringischen Hermannsfeld ansässigen Catering „Wild & Grün" zu
erreichen, das von Jens und Ulrike Lilienbecker betrieben wird.
Eine Lodge im Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" hat von
Anfang an angeboten, dass Anna-Lena May dort kostenlos wohnen kann. Denn den
Aufenthalt in Südafrika und die Flüge muss sie aus eigener Tasche bestreiten.
Eine Förderung, etwa durch die Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (gtz),
gibt es bei diesem Praktikum nicht.
„Ich freue mich nicht nur auf die Arbeit in Südafrika und auf
den Kontakt mit den Menschen, sondern auch darauf, die Unberührtheit der Natur
erleben zu können, die Weite des Landes", meint Anna-Lena May. Das, so ergänzt
sie, werde ein Stück Selbstfindung für sie sein. Auch sportlich will sie sich
betätigen, denn sie spielt gerne Fußball.
Freunde von Anna-Lena May wollen sich auch aktiv an ihrem
Vorhaben beteiligen. So planen die Partyorganisatoren Freibeweglich. e.V. aus
Wargolshausen und die Effect-Crew aus Schönau, eine südafrikanische
Frauenfußballmannschaft im Biosphärenreservat „Kruger to Canyons" mit einem
kompletten Trikotsatz zu unterstützen. In Kooperation wollen sie dem Frauen-Team
helfen und scheuen dafür auch keine Kosten und Mühen. Anna-Lena May wird den
Frauen diese Trikots überreichen. „Vor allem weil die Fußball-WM in Südafrika
stattfindet, ist es eine tolle Sache meiner Freunde", freut sich die
Schönauerin. Dass sich junge Leute für Kinder in Afrika einsetzen, ist ihrer
Meinung nach keine Selbstverständlichkeit.
Die Entscheidung, das Praktikum um einen Monat zu verlängern,
war letztlich auch der Tatsache geschuldet, dass im Juni die
Fußballweltmeisterschaft in Südafrika beginnt. „Diese Stimmung und Begeisterung
direkt vor Ort zu erleben, stelle ich mir unbeschreiblich vor", schwärmt
Anna-Lena May schon jetzt.
Am 4.
März wird in Frankfurt ihr Flieger gen
Südafrika abheben. Dass sie bereits sehnsüchtig und neugierig erwartet wird,
hat sie aus dem Newsletter des Biosphärenreservats „Kruger to Canyons"
erfahren. Dort wurde nämlich schon vor einiger Zeit angekündigt, dass der
Austausch zwischen den beiden Biosphärenreservaten weitergeht. „Der Aufenthalt
von Anna-Lena May ist ein weiterer kleiner Baustein", meint Dr. Doris Pokorny.
„Unsere Beziehung wird von der Basis her getragen. Das ist das Besondere und
das Wichtigste. Voneinander lernen geht nur über den persönlichen Kontakt und
nur dadurch, dass dieser Kontakt gewollt ist. Dass die Südafrikaner sich so
über den bevorstehenden Austausch freuen und diesen ermöglichen, zeigt uns,
dass diese Partnerschaft aktiv und lebendig ist", hebt die stellvertretende
Leiterin der bayerischen Verwaltungsstelle hervor.
01.02.2012 bis 27.02.2012 - 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
11.02.2012 bis 12.02.2012 - 09:30 Uhr bis 12:30 Uhr
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