OBERELSBACH / SANDBERG. In einem Projekt lässt die Bayerische Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön die historische Kulturlandschaft erforschen, um die Geschichte von Regionen und ihre Entwicklung und Veränderung zu dokumentieren. Das betraf auch die Walddörfer Sandberg, Waldberg, Langenleiten, Schmalwasser und Kilianshof. Die Ergebnisse sind jetzt im 2. Band der „Historischen Kulturlandschaft Rhön" veröffentlicht, der ab sofort im Buchhandel sowie in den Informationsstellen des Biosphärenreservates Rhön „Haus der Langen Rhön" in Oberelsbach und „Haus der Schwarzen Berge" in Wildflecken-Oberbach erhältlich ist.
Die so genannten Walddörfer unterscheiden sich in ihrer
Erscheinungsform als langgezogene Straßenangerdörfer auf Bergrücken von allen
anderen Dörfern in der Rhön. Dorf und Flur sind planmäßige Anlagen des
Würzburger Fürstbischofs Ende des 17. Jahrhunderts. Die 96-seitige Broschüre
mit 126 Farbabbildungen im Format DIN A4 will die charakteristische Eigenart
der Walddörfer, die enge Verzahnung von Naturvorgabe und Siedlungstätigkeit
zeigen. Es dokumentiert die Entwicklung von Dorf und Flur bis heute und enthält
neue Lösungsansätze, die sich durch die Lage im Biosphärenreservat Rhön bieten.
Verleger Thomas Imhof vom Michael Imhof Verlag in Petersberg und die Autoren
stellten es jetzt im Beisein von Thomas Habermann, Landrat des
Rhön-Grabfeld-Kreises, sowie von Vertretern der bayerischen Verwaltungsstelle
des Biosphärenreservats Rhön und des Bayerischen Landesamts für Denkmalpflege
vor.
„Wenn man in die Landschaft sieht, könnte man in ihr lesen
wie in einem Buch" - so beschreibt die stellvertretende Leiterin der
bayerischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservats Rhön, Dr. Doris Pokorny,
den Begriff der „historischen Kulturlandschaftselemente". „Die Landschaft ist
voll mit Spuren menschlichen Wirkens", sagt sie - und so wird schnell deutlich,
was alles zu diesen Elementen gehört: die Siedlungen, die Wege, die Feld- und
Waldflur, Bildstöcke, Wegekreuze und vieles mehr. Die Kulturlandschaft befinde
sich immer im Wandel und sei stets Spiegel der sozioökonomischen Verhältnisse
in einer Region.
Wenn es um die Erforschung der historischen Kulturlandschaft
geht, so sei - wie im 2. Band über die Walddörfer - viel Alltägliches damit
verbunden. „Aber das ist wichtig, weil es Heimat definiert und stiftet und weil
es die Region prägt", erklärt Pokorny. Neben dem wissenschaftlichen Interesse,
das hinter der Erforschung der Kulturlandschaft steckt, gebe es auch eine Frage
„nach vorne", nämlich die, wie dieses Wissen touristisch genutzt werden kann,
um die Besucher zu informieren. „Wir sind dankbar, dass sich der Länder übergreifende
Beirat des Biosphärenreservats Rhön Ende 2006 dafür ausgesprochen hat, die
historische Kulturlandschaft zu dokumentieren. Der Anstoß dazu war vom
Fränkischen Freilandmuseum in Fladungen gekommen", erinnerte Pokorny. Der
historischen Kulturlandschaft rund um Fladungen sei daher der erste Band dieser
Buchserie gewidmet gewesen. Das Forschungsprojekt habe mit Mitteln des
bayerischen Umweltministeriums in Auftrag gegeben werden können. 2009 sei die
historische Kulturlandschaft in Riedenberg erforscht worden; 2010 soll der
Markt Wildflecken folgen, kündigte die stellvertretende Leiterin der
bayerischen Verwaltungsstelle an.
Das Buch haben die Autoren Armin Röhrer aus Bamberg, Dr.
Thomas Büttner aus Morschen und Jessica Röhlinger aus Erfurt erstellt. Sie
befragten vor allem viele Einwohner - auch „Rat der Weisen genannt", die sich
gut in der Geschichte der Walddörfer auskennen, sich noch an Begebenheiten aus
der Kindheit zurückerinnern können und Überlieferungen ihrer Vorfahren
besitzen. „Über die Einbindung der Bewohner haben wir wunderbare Informationen
zusammengetragen. Es war auch bewegend, mit ihnen gemeinsam die Landschaft zu
erleben", erinnerte sich Dr. Thomas Büttner. Armin Röhrer sagte, dass die
Walddörfer einige der letzten Dörfer überhaupt sind, die in Nordbayern
gegründet wurden. Bislang sei dort noch keine Flurbereinigung durchgeführt
worden; vieles sei daher noch genau erhalten. Röhrer sprach sich dafür aus, die
Landschaft um die Dörfer weiter offen zu halten. Die Nutzung habe sich im
Vergleich zum Urkataster aus dem 19. Jahrhundert bereits stark verändert: Die
Ackerfläche gehe immer mehr zurück; der Waldanteil habe sich hingegen
verdreifacht.
„Diese Bestandsaufnahme ist für uns Geld wert", meinte der
Bürgermeister der Gemeinde Sandberg, Detlef Beinhauer. Sandberg komme jetzt
nämlich in das Dorferneuerungsprogramm - und da wolle man unbedingt auf
prägenden Gesichtspunkten der Walddörfer aufbauen. Insofern sei die
Dokumentation der historischen Kulturlandschaft das richtige Fundament für die
anstehende Sanierung.
Zur Denkmalpflege gehören nicht nur Gebäude oder
Bodendenkmäler, sondern auch die Landschaft, hob Dr. Thomas Gunzelmann vom
Bayerischen Landesamt für Denkmalpflege hervor. „Wir können aber die
Aufarbeitung nicht alleine leisten, sondern sind auf Zuarbeit angewiesen.
Deshalb ist es gut, wenn sich eine Institution wie das Biosphärenreservat Rhön
dieser Aufgabe stellt." Gleichzeitig regte er an, die historische
Kulturlandschaft der Rhön geschlossen zu erforschen; eventuell sogar über den
bayerischen Teil nach Hessen und Thüringen hinaus. Die Rhön wäre dann die erste
Kulturlandschaft überhaupt, die auf eine solch umfassende Gesamtdokumentation
schauen könnte.
Der Landrat des Rhön-Grabfeld-Kreises, Thomas Habermann,
richtete seinen ausdrücklichen Dank an die Verwaltungsstelle des
Biosphärenreservats Rhön, die mit ihrem Projekt die Vorlage dieses Buches
ermöglicht habe. „Eine solche Dokumentation gehört zwingend zum
Biosphärenreservats-Gedanken, denn Biosphäre heißt ins Deutsche übersetzt nichts
anderes als Lebensraum", sagte er. Das Buch besitze eine sehr gute Qualität,
sei wissenschaftlich, „aber trotzdem gut zu lesen." Habermann sprach sich dafür
aus, dass jeder Einwohner der Walddörfer dieses Buch lesen sollte, damit ein
Erkenntnisprozess einsetze, vor allem was die zukünftige Flächennutzung und die
Entwicklung der Dörfer in der Zukunft betrifft.
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25.02.2010 (bis 11.04.2010)
01.03.2010 (bis 12.03.2010)
13.03.2010 - 10:00 (bis 14.03.2010)
13.03.2010 - 10:00
13.03.2010 - 10:00