Naturschutz und Landschaftspflege
Räumlicher Schwerpunkt: Thüringen
1. Träger des Projektes:
Landschaftspflegeverband
"BR Thüringische Rhön" e. V.
Pförtchen 15
98634 Kaltensundheim
2. Vorgeschichte:
Im Herbst 1996 erfolgte, ausgelöst durch die Rhöner Apfelinitiative, durch Pomologen im Gebiet des Biosphärenreservates Rhön (Bayern, Hessen und Thüringen) die Sortenbestimmung an 4470 Obstbäumen. Es konnten 220 Sorten ermittelt werden, welche auf die Obstarten Apfel (170), Birne (38) und Pflaume (12) entfielen.
Allein in der Thüringer Rhön handelte es sich bei 1355 geprüften Bäumen um 124 Apfel- und Birnensorten.
Die Sortenbestimmungen fanden an öffentlichen Bestimmungstagen in Kaltensundheim und Geisa sowie bei der Begehung von Streuobstwiesen statt. Die Begehungen erfolgten in zahlreichen Orten: Dermbach Ketten, Oberkatz, Rippershausen, Seeba, Stepfershausen, Völkershausen, Walkes und Zella. Als Schlussfolgerung aus diesen Untersuchungen entstand daraufhin 1997 die Idee, in der Thüringer Rhön für die Hauptobstart Apfel eine Pflanzung anzulegen, wo zahlreiche Sorten auf ihre Anbaueignung als Streuobst unter ähnlichen Bedingungen miteinander verglichen werden können. Gleichzeitig wird dadurch ein Beitrag zur Sortenerhaltung in situ geleistet.
3. Realisierung:
Nach eingehenden Überlegungen ergab sich für den Landschaftspflegeverband "BR Thüringische Rhön" e. V. die Möglichkeit, ein solches Sortengartenprojekt in den Orten Dörrensolz und Kaltensundheim gemeinsam zu verwirklichen. In Dörrensolz handelt es sich um eine ältere, lückige Obstanlage, die z. T. umveredelt, durch Nachpflanzungen ergänzt und durch Neupflanzungen geringfügig erweitert wurde. In Kaltensundheim wurden die Neupflanzungen im Hof- und Nahbereich der Agrarhöfe vorgenommen. Diese Arbeiten fanden im Jahre 1999 ihren vorläufigen Abschluss.
5. Inhaltlicher Schwerpunkt:
Den inhaltlichen Schwerpunkt des Sortengartens bilden gemäß dem Hauptziel zu 80 % Sorten, die sich als Hochstamm für den Biotoptyp Streuobstwiese im weitesten Sinne eignen. Diese zeichnen sich allgemein durch Vitalität, Robustheit, starkes Wachstum, späten Ertragsbeginn und Neigung zu jährlich wechselndem Ertrag aus. Außerdem entsprechen ihre Früchte mehr dem Typ des in Haushalt und Industrie vielseitig verwertbaren Wirtschaftsapfels als dem Tafelapfel für den Frischverzehr. Zahlreiche lokale, seltene, andernorts verbreitete oder neu gezüchtete Sorten komplettieren diese Auswahl. Insgesamt sind etwa 85 verschiedene Sorten im Sortengarten vertreten. Sie stammen ihrer Herkunft nach aus 11 verschiedenen Ursprungsländern sowie aus 14 Regionen Deutschlands.
6. Ökologie:
Durch den Obstsorten-Garten Thüringer Rhön wird ein wirksamer Beitrag geleistet, den Anbau von Obst auf Streuobstwiesen durch eine zweckmäßige Sortenwahl auch zukünftig zu sichern. Die wertvollen landschaftsgestalterischen und ökologischen Funktionen dieser ehemals traditionellen, extensiven Anbauform können jedoch nur durch möglichst vielfältige obstbauliche Nutzungen geschützt und auf Dauer erhalten werden.
7. Ansprechpartner:
Landschaftspflegeverband "BR Thüringische Rhön" e. V.
Frau Ludwig
Pförtchen 15
98634 Kaltensundheim
Tel.: (03 69 46) 2 06 56
Fax: (03 69 46) 2 01 23
E-Mail: Lpv.rhoen@t-online.de
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