Biosphärenreservat Rhön
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Infothek BR Allgemein

Natürliche Waldgesellschaften und aktuelle Baumartenverteilung

Die Rhön mit ihren submontanen, montanen und hochmontanen Höhenstufen ist von Natur aus Buchenwaldgebiet mit nennenswerter Beteiligung von Edellaubbäumen (Esche, Bergahorn, Spitzahorn, Sommerlinde). Auf Buntsandstein finden sich Hainsimsen- Buchenwälder, auf Muschelkalk und Basalt Waldmeister- und Waldgersten- Buchenwälder. Auf den verbreiteten Blockstandorten reicht die Spanne von wärmebedürftigen sommerlindenreichen Mischbeständen bis hin zu borealen Karpatenbirken- Gebüschen. Die gebietsfremde Fichte wird natürlicherweise durch die konkurrenzfähigere Buche verdrängt. Als natürlicherweise vorkommende Nadelholzarten bleiben nur die Waldkiefer und die Eibe. Während die Eibe auch innerhalb von Buchenwäldern Lebensraum findet, ist das Vorkommen der lichtbedürftigen Kiefer auf Extremstandorte wie Hochmoore und Felsabbrüche sowie als Pionierbaumart nach Flächenkalamitäten begrenzt. Nadelgehölze wären mit Ausnahme der Kiefer auf Kalamitätsflächen natürlicherweise, d.h. den standörtlichen Voraussetzungen entsprechend, nirgends bestandsbildend.

Die Rhön ist ein Buchenwaldgebiet

Die aktuelle Verbreitung der Baumarten zeigt die Buche mit 29 % Flächenanteil an der Spitze , dicht gefolgt von der Fichte mit 26 %. Mit deutlichem Abstand folgen die Laubbaumarten mit hoher Lebensdauer sowie Eiche und Kiefer. Damit ergibt sich eine markante, seit Jahrhunderten vom Menschen betriebene Veränderung der natürlichen Waldgesellschaft aus buchenreichen Mischbeständen hin zu den nicht heimischen Nadelbaumarten Fichte, Kiefer und Douglasie. Im Vergleich zum Durchschnitt der jeweiligen Länder ist der Laubbaumanteil mit 57 % erfreulich hoch. In Bayern beträgt dieser nur 32 %, in Thüringen 38 %. Im buchenreichen Hessen dagegen wird der Landesdurchschnitt erreicht. Die sich abzeichnenden Klimaveränderungen werden Verschiebungen in der Konkurrenzkraft der Baumarten bedingen. Die Buche wird in der montanen und hochmontanen Stufe noch mehr an Wuchs- und Konkurrenzkraft gewinnen. Die Fichte wird in den submontanen Lagen in trockeneren Jahren zunehmend ausfallen bzw. durch den Borkenkäfer dezimiert werden. Ein differenzierteres Bild erlaubt der Blick auf die Verbreitung der Mischwaldtypen. Demnach sind 42 % der Wälder von Kiefer (10 %) und gebietsfremden Nadelbäumen beherrscht. Nur 33 % setzen sich ausschließlich aus Laubbäumen zusammen, obwohl es natürlicherweise fast 100 % sein müssten

Baumalter und Totholz

Mit zunehmenden Alter bieten Bäume ökologisch wichtige Habitatstrukturen wie Höhlen, Kronentotholz, Risse, Pilzbefall und Mulmhöhlen. Viele Tier- und Pilzarten finden in diesen Strukturen bzw. so genannnten Biotopbäumen unentbehrlichen Lebensraum. Die Artenvielfalt erhöht sich. Im Biosphärenreservat liegt der Anteil der älteren Bäume über 140 Jahre bei 11 % und damit weit über dem Durchschnitt Bayerns und Thüringens sowie leicht über dem von Hessen und auch über dem ganz Deutschlands von nur 5,7 % (Stand 2006). Neben dem Vorkommen von Alt- und Biotopbäumen ist auch totes Holz ökologisch von großer Bedeutung. Es bietet Lebensraum für eine Fülle an Pilz-, Tier- und Pflanzenarten, die im absterbenden, toten und sich allmählich zersetzenden Holz unterschiedliche Nischen und Lebensräume finden. Totholz im Wald ist eine Schlüsselstruktur für seltene oder bedrohte Arten. Der gesamte Totholzvorrat mit einem Durchmesser von 20 cm und mehr im Biosphärenreservat beträgt im Schnitt 12,5 m³ je Hektar. Der Vorrat setzt sich hauptsächlich aus liegendem Totholz und Wurzelstöcken zusammen . Der Anteil des ökologisch wertvollen stehenden Totholzes erreicht nur 1,5 m³. Der Totholzvorrat liegt im Durchschnitt der Länder Hessen und Bayern. Lediglich der thüringische Teil verfügt mit fast 18 m³ über bedeutend mehr Totholz.

 

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