In der Rhön sind im Unterschied zu anderen deutschen Mittelgebirgen die hochgelegenen Gipfel- und Plateauregionen häufig waldfrei. Die Rhön ist das so genannte „Land der offenen Fernen". Der ursprüngliche Waldbestand wurde bereits im Mittelalter gerodet, es bildete sich in groben Zügen die heutige Feld-Waldverteilung heraus. Die heutigen Waldstandorte befinden sich im Wesentlichen auf ungünstigen Produktionsflächen, die historisch von einer Rodung verschont geblieben sind, z. B. im Bereich steiler Hanglagen, Blockschutthalden oder auf Feucht-, Gley- und Moorböden. Die heute auf den waldfreien Flächen vorhandenen Hochheiden, Magerrasen und Bergwiesen sind Ergebnis einer langjährigen Landbewirtschaftung. Verschiedene Planungen zur Verbesserung der Lebensbedingungen und der Wirtschaftsstruktur im 19. und 20. Jahrhundert schlossen auch Aufforstungsplanungen mit ein, die von der ansässigen Bevölkerung aber wegen des Agrarflächenverlusts abgelehnt wurden. Besonders landschaftsprägend waren die Aufforstungen mit gebietsfremden Fichtenbeständen zwischen 1938 und 1943 (die so genannten Hellmuth- Aufforstungen in Bayern). Zu einer weiteren Ausdehnung von Waldflächen kam es durch staatliche Aufforstungsmaßnahmen nach dem 2. Weltkrieg. Später führt der landwirtschaftliche Strukturwandel in Verbindung mit finanziellen Unterstützungen zu einer Zunahme privater Aufforstungen. Eine größere Ausdehnung der Waldflächen ist im Biosphärenreservat Rhön nicht anzustreben, denn der einmalige Charakter des „Lands der offenen Fernen" und die vielfältigen kulturhistorisch und naturschutzfachlich wertvollen waldfreien Gebiete sollen erhalten werden. Die gebietsfremden, nadelbaumreichen Wälder sollen zu Mischbeständen mit den natürlicherweise vorherrschenden Buchen und Edellaubbäumen umgebaut werden.
Waldfläche im Biosphärenreservat
Der Wald ist nach der Landwirtschaft die wichtigste Landnutzungsform im Biosphärenreservat. Er bedeckt ca. 40 % der Gesamtfläche. Innerhalb des Biosphärenreservats ist die Waldverteilung jedoch unterschiedlich. Großflächig zusammenhängende Wälder wie um Fladungen wechseln mit relativ waldarmen Gegenden z. B. auf den Hochflächen der Langen Rhön oder im Bereich der ehemaligen landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften in Thüringen. Die Waldfläche ist in den zurückliegenden 10 Jahren annähernd stabil geblieben. Waldzunahme lässt sich auf folgende Prozesse bzw. Maßnahmen zurückführen:
Nach Auskunft der Revierförster spielt der sukzessive Waldaufwuchs auf aufgelassenen oder sehr extensiv bewirtschafteten Flächen eine nur untergeordnete Rolle. Er lässt sich derzeit nicht eindeutig quantifizieren. Ausgleichsmaßnahmen sind schon allein aufgrund der für das Biosphärenreservat formulierten Ziele einer Offenhaltung der Landschaft ebenfalls unbedeutend. Eine Zunahme der Waldfläche ist daher im Wesentlichen auf Erstaufforstungen zurückzuführen. Diese müssen bei den zuständigen Forstämtern bzw. Ämtern für Landwirtschaft und Forsten oder den Landkreisen beantragt und von den Naturschutzbehörden genehmigt werden. Gemäß Rahmenkonzept sollen in der Rhön Aufforstungen nicht zu Lasten naturschutzfachlich wertvoller Landschaften gehen, sondern nur zur Begründung von Waldinseln in ausgeräumten Lagen erfolgen, in denen naturnahe Waldbestände weitgehend fehlen. Allerdings erwächst aus den Fördermöglichkeiten für die Begründung von Waldbeständen auf landwirtschaftlichen Nutzflächen in einem standörtlich benachteiligten Gebiet wie der Rhön durchaus auch ein gewisser Anreiz zu Aufforstungen.
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