Die UNESCO setzt zur Aufnahme des Biosphärenreservats Rhön in das MaB-Programm voraus, dass ausreichend große Kern- oder Pflegezonen ausgewiesen werden. Mit Verordnung vom 7. Dezember 1997 wurde deshalb der Breite Berg bei Haselstein in der Gemeinde Nüsttal zum Naturschutzgebiet erklärt.
Er umfasst zwei Teilbereiche:
1. eine „Kernzone" im Südosten mit 74 ha, in der als Totalreservat keine forstliche Nutzung und kein Holzeinschlag mehr stattfindet.
Ziel ist es hier nach Vorschrift,
- die von Menschen unbeinflußte natürliche Dynamik der Waldökosysteme zu schützen, vor allem die naturnahen Buchen-, Blockschutt- und feuchten Edellaubholzwälder einschließlich ihrer Zusammenbruch- und Pionierphasen
- und die natürlichen Sukzessionsprozesse sowie die Habitatsansprüche und Populationsentwicklungen der Tier- und Pflanzenarten wissenschaftlich zu erforschen und zu dokumentieren
2. eine „Pflegezone" im Nordwesten mit 105,5 ha. Hier soll der oben beschriebene Laubwald mit seinen naturtypischen Tier- und Pflanzenarten als Ökosystem auf naturgemäße forstliche Weise weitergepflegt und erhalten werden. Die Pflegezone schirmt darüber hinaus die Kernzone vor äußeren menschlichen Einflüssen ab und dient ihr zugleich als ökologische Pufferzone
Der Breite Berg gehört mit seiner höchsten Erhebung von 550 m zum „Fuldaer-Rhön-Vorland". Er ist geologisch durch den Basalt mit seinen Blockhalden gekennzeichnet, der im Tertiär durch vulkanische Kräfte aus dem Erdinneren hervorgebrochen ist. Als Besonderheit tritt am Südrand auf einer Teilfläche von 14,5 ha Keuper zutage, auf der ein zur Saatgewinnung anerkannter Winterlindenbestand stockt. Auf der Kielkuppe, einer markanten Erhebung in der Nähe der westlichen Landesgrenze von Thüringen, wurde durch das Forstamt bereits vor 20 Jahren eine Altholzinsel ausgewiesen. Hier wurde seitdem keine forstliche Nutzung mehr betrieben, um den Schwarzspecht anzusiedeln und einen natürlichen Totholzanteil zu ermöglichen.
Die Böden sind überwiegend reich mit Nährstoffen ausgestattet (eutroph). Die natürliche Bestockung ist ein dem Bergmischwald zuzurechnender Waldaufbau mit Rotbuche, Esche, Bergahorn, Ulme, Winterlinde, Wildkirsche, Elsbeere und Hainbuche. Dieses Gebiet hat einen größeren, qualitativ herausragenden Edellaubholzbestand, der seinesgleichen im Forstamt sucht.
Im Breiten Berg finden wir die für diese Standorte typische Flora der Waldgesellschaften des Perlgras- und Zahnwurz-Buchenwaldes mit Arten wie Einblütiges Perlgras, Haselwurz, Waldmeister, Seidelbast, Frühlingsplatterbse, Bärlauch, Türkenbund, Lerchensporn, Märzenbecher, Aronstab und verschiedene Orchideen wie Weißes Waldvögelein. Ein Teil dieser Pflanzen gehört zu den „Rote-Listen-Arten".
In der Verordnung vom 7. Dezember 1997 sind sechzehn Verbote ausgeführt, die eine Zerstörung, Beschädigung, Veränderung oder eine nachhaltige Störung des Naturschutzgebietes oder seiner Bestandteile verhindern sollen. So dürfen Besucher den Breiten Berg nur auf den festgesetzten Wegen zu Fuß betreten.
Wegen der besonderen Zielsetzungen in der Kernzone (hoher Totholzanteil) erfolgt das Benutzen der Wege ausschließlich auf eigene Gefahr.
Für uns Forstleute sind nach der Unterschutzstellung des Breiten Berges folgende Beobachtungen von großer Bedeutung:
1. Wie entwickeln sich die von uns im vergangenen Jahrzehnt gepflanzten Laubholzbestände aus Buche, Ahorn, Wildkirsche ohne forstliche Pflegeeingriffe weiter?
2. Wie entwickeln sich die jüngeren, nicht standortgerechten Fichtenbestände? Werden sie sich - wie an anderer Stelle - verstärkt natürlich verjüngen und ggf. weiter ausbreiten oder „wandert" auf diesen Flächen das Laubholz ein? Ist die Fichte ohne Sanitärhiebe verstärkt Insekten- und Sturmschäden ausgesetzt?
3. Wie läuft die Alterungs- sprich Zersetzungsphase und die Verjüngung in den älteren beständen ab? Folgt im natürlichen Ablauf z. B. auf Buche oder ist eine länger anhaltende Pionierphase mit Sträuchern und Pionierholzarten zwischengeschaltet?
4. Wie und mit welchem Ergebnis wird die Bejagung des Gebietes gelöst? Welchen Einfluss hat das Wild auf die künftige natürliche Entwicklung der Waldbestände?
5. Wie bedeutungsvoll sind die Faktoren, die die Kernzone von außen beeinflussen, wie z. B. Klima, Schadstoffeintrag, Besucherverkehr, Jagd, bisherige Bewirtschaftung, u. a. m.
Nachdem nunmehr die Kernzonen ausgewiesen sind und man bewusst auf die Nutzung der Holzvorräte verzichtet hat, gilt es, über eine möglichst breit gefächerte wissenschaftliche Begleitung mit vorausschauender Grundlagenerhebung diese Fragen zu erforschen.
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