Kernzonen – Urwälder von morgen
Das Biosphärenreservat Rhön hat eine Schutz-, Pflege- und Entwicklungsfunktion und ist daher wie alle anderen Biosphärenreservate Deutschlands und weltweit, in Kernzonen, Pflegezonen und Entwicklungszonen eingeteilt. In einer Kulturlandschaft wie der Rhön nehmen erwartungsgemäß die unbewirtschafteten Kernzonen den kleinsten Teil der 185.000 ha großen Gesamtfläche ein.
In den Kernzonen des Biosphärenreservates Rhön soll sich die Natur unbeeinflusst entwickeln. Ein "Urwald von Morgen" darf hier entstehen. Bäume dürfen alt werden und sterben. Hier bleiben Pflanzen und Tiere ungestört. Die meisten in der Rhön vorkommenden natürlichen Waldgesellschaften sind in den Kernzonen repräsentiert. Damit wird den sehr unterschiedlichen Standortgegebenheiten im Biosphärenreservat Rechnung getragen.
Das Deutsche MAB-Nationalkomitee schreibt vor, dass mindestens 3% der Fläche eines Biosphärenreservates als Kernzone auszuweisen sind. Im länderübergreifenden Biosphärenreservat Rhön wurden 29 Kernzonen mit einer heutigen Größe von lediglich 2.700 Hektar eingerichtet. Damit der Mindestanteil von 3% erreicht wird, wird derzeit auf eine Erhöhung des Kernzonenanteils hingewirkt.
Die Kernzonen im Biosphärenreservat Rhön sind "Wildnisinseln" im Meer der umgebenden Kulturlandschaft. Sie übernehmen wichtige ökosystemare Funktionen und Dienstleistungen (ecosystem services). Diese nutzen dem Menschen direkt oder indirekt. Je ausgedehnter eine Kernzone ist desto besser kann sie folgende Funktionen erfüllen.
1) Die Kernzonen dienen vielen bedrohten Tier- und Pflanzenarten (insbesondere für Totholzbewohner), die auf urwaldähnliche Strukturen angewiesen sind, als Lebensraum und Arche Noah. Sie dienen der Erhaltung der Biodiversität. Eine Rotbuche bietet im Laufe ihres Lebens rund 800 verschiedenen Tierarten Lebensraum. Ca. 400 dieser Arten sind insbesondere auf sehr alte, dicke, absterbende Buchen angewiesen - ein Lebensraum, der bei normaler forstwirtschaftlicher Nutzung kaum zur Verfügung steht.
2) Kernzonen dienen -noch besser als der Wirtschaftswald als Wasserspeicher, schützen das Grundwasser vor Verunreinigungen und dienen dem Bodenschutz.
3) Kernzonen dienen als wichtige Naturerlebnisräume in einer vom Menschen stark geprägten Landschaft. Für Kinder und Erwachsene zugleich ist es ein unvergessliches Abenteuer, einen Urwald mit seinem Strukturreichtum und seiner vermeintlichen "Unordnung" zu erleben. Kernzonen sollen ihre eigene Ästhetik entwickeln dürfen und zum Staunen anregen. Für Politik, Land- und Forstwirtschaft sind sie wichtige Anschauungsobjekte.
Warum Kernzonenforschung ?
Weil es in Deutschland keine ursprünglichen Urwälder mehr gibt, sind derartige Gebiete auch wenig erforscht. Kernzonen werden erforscht und beobachtet, liefern so wichtige Erkenntnisse über Wuchs- und Zerfallsprozesse, die wichtig sind für eine naturschonende und naturnahe Bewirtschaftung der übrigen bewirtschafteten Wälder: um einerseits Holz zu ernten und dabei gleichzeitig der Natur möglichst viel Raum zu lassen. Wir erfahren auch, wie sich der Wald ohne den Menschen entwickelt, wie also "reine" Natur funktioniert und mit welchen Strategien sich die Natur selbst hilft. Das wird vor allem vor dem Hintergrund des Klimawandels immer wichtiger und liefert Erkenntnisse für den Wirtschaftswald.
Die Verantwortlichen des Natur- und Artenschutzes erhoffen sich durch die Kernzonenforschung wichtige neue Erkenntnisse über das tatsächliche Arteninventar der Rhön. Auch könnten Forschungsergebnisse wichtige medizinische und pharmazeutische Erkenntnisse erbringen.
Die Kernzonen werden in den drei Bundesländern in unterschiedlicher Zuständigkeit erforscht.
Kernzonenforschung im hessischen Teil des BR Rhön
Im hessischen Teil des Biosphärenreservates wurde 1998 mit der systematischen Erforschung der Kernzonen begonnen. Die Methodik der Aufnahmen und die Auswertung lehnen sich an das Deutsche Naturwaldreservate-Programm an. Die hier gewonnenen Daten sind bundesweit vergleichbar.
5 Arbeitsschritte der Kernzonenforschung
In den 11 hessischen Kernzonen wurden die Tätigkeiten von 4 Forstingenieuren, einem Vermessungsingenieur und einer Biologin in 1996- 1997 durchgeführt.
Diese "Status-Quo-Erfassung" ist die Basis für Folgeuntersuchungen, ( z.B. Entomologische- oder Bodenuntersuchungen), die in einem 25 bis 50 -jährigen Turnus durchgeführt werden sollen. Sie ist Grundlage für viele weitere Fachuntersuchungen und wird in künftigen Jahren wichtige Rückschlüsse auf die Entwicklung in den Kernzonen bieten.
Redaktion, Text: Karola Marbach
Foto: Karola Marbach
Im Thüringer Teil des
Biosphärenreservates Rhön wird seit Mitte 2006 intensiv an der forstlichen
Ersterfassung der Kernzonen gearbeitet. Die Methodik der Aufnahmen und die
Auswertung lehnen sich an das Deutsche Naturwaldreservate-Programm an. Die
Ergebnisse lassen sich somit bundesweit miteinander vergleichen.
Diese "Status-Quo-Erfassung" ist die Basis für Folgeuntersuchungen.
Die Kenntnisse zum jeweiligen Ökosystem werden durch weitere Kartierungen in
anderen Fachbereichen verdichtet. Sie stellt die Grundlage für viele weitere
Fachuntersuchungen und wird in künftigen Jahren wichtige Rückschlüsse auf die
Entwicklung in den Kernzonen bieten.
Derzeit sind von den ca. 760 ha Kernzonenfläche in der thüringischen Rhön
bereits 60 % ersterfasst (Stand 30.09.2007).
Kernzonenforschung im Bayerischen Teil des BR Rhön
Im bayerischen Teil des BR Rhön gibt es insgesamt 10 Kernzonen mit einer Größe zwischen 3ha und 90ha. Sie umfasssen insgesamt nur eine Fläche von 383ha. Das bedeutet, daß insbesondere im bayerischen teil der Rhön noch weitere Kernzonen ausgewiesen werden müssen, um mindestens 3% Flächenanteil zu erreichen. Die Kernzonen sind als Naturschutzgebiet (gemäß Naturschutzgesetz) oder Naturwaldreservat (gemäß Waldgesetz) streng geschützt.
Erforschung und Monitoring der Kernzonen liegen in der Zuständigkeit der Bayerischen Landesanstalt für Wald und Forstwirtschaft (LWF).
01.05.2012 bis 31.05.2012 - 10:00 Uhr bis 16:00 Uhr
22.05.2012 - 09:00 Uhr bis 11:00 Uhr
23.05.2012 - 15:30 Uhr bis 17:30 Uhr
24.05.2012 - 08:00 Uhr bis 18:00 Uhr
26.05.2012 - 20:00 Uhr bis 23:00 Uhr