Am 01. Oktober 1990 wurden in den neuen Bundesländern, darunter auch in
der Rhön, fünf Biosphärenreservate aus der Taufe gehoben und durch eine
Verordnung, die in den Einigungsvertrag aufgenommen wurde, rechtlich
abgesichert. Hiermit wurde eine neue Art von Schutzgebieten in der Bundesrepublik
Deutschland etabliert. In der DDR wurde diese Schutzgebietskategorie bereits 1979
eingeführt.
Im Zuge der Wiedervereinigung
begann man auch im Altbundesgebiet Biosphärenreservate einzurichten, da man
erkannt hatte, dass die bis daher gängigen Naturschutzkategorien das Schutzgut
„Mensch" und seine Beteiligung am naturverträglichen Umgang mit der Natur nicht ausreichend berücksichtigten. Diesem
Zustand wollte man abhelfen und man schuf nach entsprechender
wissenschaftlicher Vorbereitung den Begriff „Biosphärenreservat".
Die Idee der Biosphärenreservate
wurzelt in der Erkenntnis, dass die Eingriffsintensität des Menschen in
Landschaft und Naturprozesse durch den technischen Fortschritt immer mehr
zunimmt und der Lebensraumverlust seit den fünfziger Jahren des 20.
Jahrhunderts zum Teil dramatische Ausmaße angenommen hatte.
Entgegen der bis dahin im
Naturschutz geübten Praxis, den menschlichen Einfluss auf Naturprozesse zu
minimieren, sollte eine neue Form des Landschafts- und Naturschutzes gefunden
werden, die den Menschen und dessen Tätigkeit in das Schutzkonzept mit
einbezieht. Seit 1974 gibt es deshalb das
Programm der UNSCO „Der Mensch und die Biosphäre" (MAB). MAB ist Englisch und
heißt „Man And Biosphere".
Heute umfasst das Weltnetz der
Biosphärenreservate mehr als 500 Mitglieder.Fachlich wird die Idee der
Biosphärenreservate über das nationale MAB - Komitee beim Bundesamt für
Naturschutz (BfN) umgesetzt, welches die Einhaltung der Kriterien überwacht.
Für die konkrete Umsetzung der Biosphärenreservatsidee in Verwaltungshandeln
sind die jeweiligen Bundesländer verantwortlich, die auch den entsprechenden
Antrag auf Anerkennung einer Landschaft als Biosphärenreservat zu stellen
haben. Das MAB
-Komitee überprüft in regelmäßigem
Turnus die Einhaltung der Kriterien und bestätigt oder verwirft den Titel. Für
die Umsetzung der Ziele des Biosphärenreservats Rhön ist in den drei
beteiligten Bundesländern jeweils eine Verwaltung eingesetzt:
Eines der Hauptanliegen eines
Biosphärenreservats ist darum der Schutz der Natur gemeinsam mit den darin wohnenden
Menschen.
Das Schutzgut eines
Biosphärenreservates ist die Kulturlandschaft.
Hiermit beschreibt man eine
Landschaft, in der die gestaltende Hand des Menschen Spuren hinterlassen hat,
in welcher aber auch Lebensräume zu finden sind, die die für Mitteleuropa
typische Waldlandschaft nicht zu bieten hat.
Kulturlandschaft braucht zu
ihrer Erhaltung ständige Einflussnahme durch entsprechende Pflege.
Dunkle Wälder - Weite Blicke: Natur und Kultur im Biosphärenreservat Rhön
Die an Offenland gebundenen
Arten finden im Wald, zu dem die Natur hinstrebt, keine optimalen
Existenzbedingungen. Die Rhön mit ihrem Waldanteil von ca. 40 % ist deshalb die
Verkörperung eine Kulturlandschaft schlechthin. Diese Landschaft mit ihren weiten
Wiesenflächen und Kalkmagerrasen, die von
Buchenwäldern unterbrochen werden, übt auf den Betrachter eine einzigartige
Faszination aus. Hohe naturschutzfachliche
Wertigkeit ist hier optimal mit landschaftsästhetischen Aspekten gekoppelt, so
dass hier sowohl der Naturfreund, der sich an der Tier- und Pflanzenwelt erfreut
als auch der Wanderer, der die Weite des Blicks auf benachbarte Gebirge
genießt, voll auf ihre Kosten kommen.
Das dies so ist, ist das
Ergebnis einer schonenden Landschaftsgestaltung von der fernen Vergangenheit
bis heute.
Heute gilt es der Kulturleistung
der Rhönbewohner Tribut zu zollen, indem man den Landschaftstyp Rhön auch unter
den heutigen gesellschaftlichen Verhältnissen erhält und zukunftsfähig
gestaltet.
Die 1991 erfolgte Ausweisung der
Rhön als Biosphärenreservat ist ein Ausdruck des Strebens nach Erhalt der
vielgestaltigen Landschaft und der damit verbundenen Naturausstattung.
Es ist die logische Konsequenz
der Bemühungen, den Schutz der
Landschaft mit der ihrer Pflege zu kombinieren. Die notwendigen restriktiven
Maßnahmen zum Schutz bedrohten Pflanzen, Tieren und Lebensräumen sollen durch
entsprechende territoriale Abstufung mit der schonenden Nutzung als
Infrastruktur-, Wohn-, Gewerbe- und touristisch zu nutzenden Flächen ergänzt
werden.
Ein Instrument der Umsetzung des
Erhaltungszieles ist deshalb die von der UNESCO vorgegebene Einteilung von
Biosphärenreservaten in Kern-, Pflege- und Entwicklungszonen.
Das Biosphärenreservat liegt
zentral in der Mitte Deutschlands. Hier kreuzen sich die Ausbreitungslinien vieler Lebewesen. Der
Vernetzungsgrad der bewaldeten und offenen Lebensräume ist als Ideal zu
bezeichnen. Der Naturfreund findet hier naturnahe Buchenwälder mit
eingestreuten Basaltblockmeeren, steile Muschelkalkfelsen, Borstgraswiesen in
den Hochlagen und orchideenreiche Magerrasen an den Hängen des Unteren
Muschelkalks, die ein Ergebnis Jahrhunderte langer Schafbeweidung sind. In
diesen Lebensräumen findet eine artenreiche Flora und Fauna beste Existenzbedingungen.
Offenen Bereiche mit Wiesen und
Weiden prägen das Bild der Rhön.
Mehrere Projekte und
wissenschaftliche Untersuchungen hatten und haben deshalb die Pflege und
Erforschung des Grünlandes zum Gegenstand. Eine weitere Methode der
Gestaltung von Lebensräumen ist die Verwirklichung des Ziel- oder
Leitartenkonzeptes. Man geht dabei
davon aus, dass bestimmte Tierarten eine Leitfunktion für den von ihnen
bevorzugten Lebensraum haben. Biotopverbessernde Maßnahmen für diese Leitarten
schaffen auch günstige Voraussetzungen für ein vernetztes System von
Lebensräumen anderer Arten, sowohl pflanzlicher als auch tierischer Natur.
14.06.2013 bis 23.06.2013 ganztägig
15.06.2013 bis 22.06.2013 ganztägig
20.06.2013 - 20:30 Uhr bis 21:50 Uhr
20.06.2013 - 20:30 Uhr
20.06.2013 - 19:30 Uhr bis 21:30 Uhr