InhaltA EinführungB Akteure & NutzungenC UmweltthemenD DatenverfügbarkeitE In KürzeLesehilfe

E In Kürze

B†††††† Akteure und Nutzungen

B1†††††† Bevölkerung

Die Bevölkerungsentwicklung verläuft in den Gemeinden des Biosphärenreservats stark unterschiedlich. Es gibt Zuzugs- und Abwanderungsgemeinden.
Die üblichen Charakteristika ländlicher Räume wie höhere Geburtenraten bei gleichzeitig stärkerer Abwanderung der jüngeren Bevölkerung sind auch im Biosphärenreservat zu beobachten.
Die Entwicklungsimpulse, die in den letzten Jahren von der Anerkennung des Biosphärenreservats ausgingen, sind offensichtlich nicht stark genug, um in den Biosphärenreservatsgemeinden positive Bevölkerungstrends auszulösen.

B2†††††† Wirtschaft und Arbeitsmarkt

Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zeigt im Biosphärenreservat eine rückläufige Tendenz.

B3†††††† Landwirtschaft

Die Landwirtschaft ist in der Rhön noch immer ein wichtiger Arbeitgeber. Auch wenn Betriebe aufgegeben werden, bleiben die Flächen weiterhin unter landwirtschaftlicher Nutzung. Die Agrarreform fördert diese Entwicklung.
In der Rhön vollzieht sich wie in ganz Deutschland ein Konzentrationsprozess in der Landwirtschaft. Die Nebenerwerbslandwirtschaft verliert an Boden und die Betriebe werden immer größer. Mit welchen Folgen diese Entwicklung für Landschaft und Bevölkerung verbunden sind, ist heute noch nicht absehbar.
Die Agrar-Umweltprogramme werden im Biosphärenreservat in überdurchschnittlichem Maße in Anspruch genommen. Auch der Ökolandbau ist deutlich stärker vertreten als im Durchschnitt der jeweiligen Länder. Dies bedeutet aber zugleich, dass die Fortsetzung der Landwirtschaft in der derzeit praktizierten Form sehr stark von der Fortführung dieser Beihilfen abhängig ist.

B4†††††† Wald und Forstwirtschaft

Die Waldfläche war in den letzten 10 Jahren stabil. Durch Aufforstungen hat sich der Wald in den letzen 10 Jahren um nur 0,1 bis 0,5 % ausgedehnt.
In nahezu der Hälfte aller Wälder dominieren noch immer gebietsfremde Nadelbäume. Der Anteil der heimischen Laubbäume nimmt jedoch enorm zu.
Die aktuelle Holznutzung bleibt hinter dem Zuwachs zurück. Bestehende Nutzungspotenziale werden nicht ausgeschöpft.

B5†††††† Tourismus und Zertifizierung

Zwar ist der Begriff Biosphärenreservat bei den Gästen positiv besetzt. Positive Impulse der Anerkennung der Rhön als Biosphärenreservat auf den Beherbergungssektor sind aber nicht unmittelbar erkennbar.
Im Gegensatz zu eher positiven Zahlen für die deutsche Tourismuswirtschaft nehmen in der Rhön die Übernachtungszahlen und z. T. auch die Betriebszahlen tendenziell ab.
Für die Rhön wurden mehrere regionale Labels entwickelt, die auch zunehmend in Anspruch genommen werden. Die Nachfrage konzentriert sich jedoch auf einige wenige Branchen.
Das spezifische Potenzial im Biosphärenreservat für die Nutzung internationaler und nationaler Gütesiegel scheint nicht ausreichend ausgeschöpft zu sein.

B6†††††† Siedlung

Insbesondere in den fränkischen Realteilungsgebieten sind die Voraussetzungen für eine flächensparende Siedlungsentwicklung ungünstig. Wohnraum wurde in den letzten Jahren überwiegend in den dörflichen Außenbereichen und weniger durch Innenentwicklung geschaffen.
Trotz eines Bevölkerungsrückgangs in weiten Teilen des Biosphärenreservats nimmt die Wohnfläche von einem hohen Niveau aus stärker zu als im jeweiligen Landesdurchschnitt. Zusätzlich wird der Bedarf an Wohnraum vor allem durch die Inanspruchnahme neuer Flächen gedeckt.
Die für Gewerbe und Industrie genutzte Fläche nimmt stark und im Landesvergleich überdurchschnittlich zu. Der Trend zur Ansiedlung von Gewerbebetrieben auf der Ągrünen Wiese“ ist auch im Biosphärenreservat ausgeprägt.

B7†††††† Verkehr

In der Rhön wird allein die Strecke Fulda-Gersfeld noch durch den Bahnverkehr bedient, an anderen Bahnstrecken wird das Schienennetz z. T. zurückgebaut. Ein zwischen den Landkreisen und den einzelnen Verkehrsträgern abgestimmtes Angebot des Personennahverkehrs besteht, zumal außerhalb von Sonn- und Feiertagen in der Sommersaison, kaum.
Um eine ausreichende persönliche Mobilität sicherzustellen, ist die Rhöner Bevölkerung in hohem Maße auf das eigene Fahrzeug angewiesen, da nur das Straßennetz die Rhön in der Fläche erschließt. Bestand und Zunahme des Motorisierungsgrades sind bundesweit überdurchschnittlich.
Das Verkehrsaufkommen auf den Straße in der Rhön ist insgesamt unterdurchschnittlich, dennoch können auf den Zubringerstraßen zur BAB A7 oder auf Straßenverbindungen, welche die Rhön queren, lokal starke Belastungen auftreten.

B8†††††† Energiewirtschaft

In fast allen Gemeinden im Biosphärenreservat liegen die Verbrauchswerte von Strom und Erdgas unter dem Durchschnitt der jeweiligen Bundesländer. In Übereinstimmung mit bundesweiten Trends nahm der Verbrauch in den vergangenen Jahren in allen Landesteilen aber deutlich zu, vor allem wegen eines höheren Verbrauchs der privaten Haushalte.
In allen Landesteilen des Biosphärenreservats gibt es noch Potenziale, um Energie einzusparen. Verbesserungsbedarf wird vor allem im Zusammenhang mit den Heizungsanlagen oder der Wärmedämmung gesehen.
Die Nutzung regenerativer Energiequellen ist noch nicht ausgeschöpft. Ihr weiterer Ausbau muss aber zwingend unter Berücksichtigung naturschutzfachlicher Erwägungen erfolgen, um den Zielen des Biosphärenreservats gerecht werden zu können.

B9†††††† Siedlungswasserwirtschaft

Die Grundwassernutzung in der Rhön - auch die über den eigenen Bedarf hinausgehende - hat bisher zu keiner Beeinträchtigung des lokalen und regionalen Wasserhaushalts geführt.
In der bayerischen und hessischen Rhön wird etwa so viel Trinkwasser verbraucht wie im bundesdeutschen Schnitt. Ein hoher (Warm-) Wasserverbrauch in einzelnen Gemeinden bedeutet auch stets einen höheren Energiebedarf.
In der bayerischen und hessischen Rhön werden Abwässer fast vollständig in kommunalen Anlagen gereinigt. In der thüringischen Rhön sind trotz Verbesserungen weitere Anstrengungen zur Abwasserreinigung notwendig.

B10†††† Abfallwirtschaft

Aufgrund der unzureichenden Datenlage sind keine spezifischen Bewertungen für das Biosphärenreservat möglich.

B11†††† Rohstoffgewinnung

In der Hohen Rhön liegen die Rohstofflagerstätten im Bereich naturschutz-fachlich wertvoller Flächen. Hier sind Konflikte zwischen Interessen der Rohstoffwirtschaft und des Naturschutzes zu erwarten.

B12†††† Naturschutz

Den Leitlinien für Biosphärenreservate in Deutschland, nach denen mindestens 50% der Fläche von Biosphärenreservaten unter Schutz gestellt sein sollen, wird in der Rhön entsprochen. Die geforderte Mindestgröße für die Kernzonen der Biosphärenreservate von 3% der Gesamtfläche wird in der Rhön nicht erreicht. Es sind nur knappe 2% der Gesamtfläche als Kernzone ausgewiesen.
Im Rahmen von EU-LIFE-Projekten wurden in allen drei Landesteilen Flächen in z. T. beträchtlichem Umfang erworben. Hier kann eine an Naturschutzziele angepasste Landnutzung bestmöglich umgesetzt werden.

C†††††† Umweltthemen

C1†††††† Einträge von Nährstoffen und Säurebildnern

Der Verkehr ist einer der wichtigsten Emittenten im Biosphärenreservat. Weitere Steigerungen des Verkehrsaufkommens werden die mit technischen Maßnahmen bisher erreichte Emissionsminderung kompensieren.
Der absinkende Trend der Stickstoff- und Säureeinträge ist in den letzten ca. 10 Jahren deutlich schwächer geworden. Das Eintragsniveau ist heute allgemein eher niedrig. Dennoch werden im Wald z.T. noch die kritischen Eintragsraten für Stickstoff überschritten.
Das Wirtschaftsgrünland, z. T. auch Ackerland, zeigt in Folge konsequent betriebener Extensivierung deutliche Aushagerungserscheinungen. Die Grünlandflächen geraten z.T. an die Grenzen ihrer nachhaltigen Nutzbarkeit.
Die Waldböden auf Buntsandsteinstandorten sind überwiegend tiefgründig versauert. Hier können in Zukunft nur noch geringe Immissionsbelastungen abgepuffert werden. Auch auf pufferfähigeren Kalk- und Basaltstandorten können bereits in einigen Bereichen oberflächennahe Versauerungen in den Decksedimenten vorgefunden werden.
Derzeit gibt es keine unmittelbaren Hinweise auf Vegetationsveränderungen auf landwirtschaftlichen nicht genutzten Offenlandflächen, die primär auf die Eutrophierung der Wuchsstandorte zurückzuführen wären.
Das Grundwasser im Biosphärenreservat ist weitgehend unbeeinflusst bzw. nur gering belastet. Der Nitratgrenzwert für Trinkwasser wird nur an wenigen Messstellen überschritten.

C2†††††† Eintrag von Problemstoffen

Auch wenn im Biosphärenreservat keine größere industrielle Nutzung stattfindet und die Landwirtschaft auf großer Fläche extensiv betrieben wird, ist das Gebiet nicht frei von Einträgen anorganischer und persistenter organischer Schadstoffe. Zum einen werden insbesondere persistente Substanzen auch über größere Entfernungen über den Luftweg verfrachtet. Zum anderen gibt es z. B. mit der Holzverbrennung auch im ländlichen Raum relevante Emissionsquellen.
Geogen bedingt treten im Biosphärenreservat örtlich hohe Schwermetallgehalte in den Böden auf. Diese sind in der Regel immobil, das heißt fest an die Bodenpartikel gebunden. Auf versauernden Waldböden und nicht aus-reichend mit Kalk versorgten landwirtschaftlichen Böden ist eine geringfügige Mobilisierung und ein damit verbundener Austrag der Schwermetalle aus den Böden nicht ausgeschlossen.
Das Grundwasser ist im Biosphärenreservat nahezu unbelastet von Schadstoffen.

C3†††††† Strukturelle Veränderung von Böden sowie landschaftsangepasste Siedlungs- und Infrastruktur

In der Rhön gibt es Hinweise auf Risikobereiche für Bodenerosion und auf Schwierigkeiten bei der Vermeidung von Bodenverdichtung. Die aktuelle Gefährdung der Böden durch Erosion und Schadverdichtung lässt sich jedoch nur auf der Grundlage betriebsbezogener Analysen einschätzen.

In der Rhön nimmt der Anteil der Siedlungs- und Verkehrsfläche trotz Bevölkerungsrückgang weiterhin deutlich zu und liegt über dem jeweiligen Landesdurchschnitt. Bemühungen zum sparsamen und schonenden Umgang mit dem Boden müssen intensiviert werden.

C4†††††† Waldzustand

Aufgrund der mangelnden Auswertungsmöglichkeit sind keine spezifischen Bewertungen für das Biosphärenreservat möglich.

C5†††††† Gewässerqualität

Die Rhöngewässer weisen überwiegend eine gute biologische und chemische Gewässergüte auf. Die Versauerungstendenzen einzelner Gewässer sind auf natürliche Ursachen zurückzuführen.
Die Gewässerstruktur ist insgesamt günstiger als im bundesdeutschen Durchschnitt. 50 % der Rhöngewässer erreichen die mindestens angestrebte Strukturklasse 3 aber nicht. Hier besteht erheblicher Verbesserungsbedarf.
Für viele Gewässer war nach der Bestandsaufnahme in 2004 noch unklar, ob die Ziele der WRRL erreicht werden können.

C6†††††† Abflussgeschehen und Grundwasserstand

Regionale Klimamodelle sagen eine Erhöhung insbesondere der Winterniederschläge voraus. In Folge wird das Hochwasserrisiko in der Rhön steigen.
Derzeit gibt es keine Hinweise darauf, dass die Nutzung von Trinkwasser aus Grundwasser im Biosphärenreservat Auswirkungen auf den Grundwasserstand hat.

C7†††††† Landschaft und Landschaftsentwicklung

Die Entwicklung der Hauptnutzungsformen in den letzten Jahren entspricht weitestgehend den Zielen des Biosphärenreservats, die Grünlandflächen zur erhalten und die Ausdehnung von Wald zu verhindern.
Die Landnutzung wird einheitlicher, dadurch dass größere landwirtschaftliche Betriebseinheiten entstehen. In der Folge verliert die Landschaft an Nutzungsvielfalt. Der Verlust von Kleinstrukturen bei der Zusammenlegung landwirtschaftlicher Flächen muss verhindert werden.
Über die Hälfte des Biosphärenreservats ist als unzerschnittener verkehrsarmer Raum klassifiziert. Das übersteigt den Bundesdurchschnitt von ca. 21 % sehr deutlich.

C8†††††† Entwicklung von Zielarten

Bei den Ziel-Pflanzenarten, zu denen Daten zur Verfügung stehen, gibt es keine großräumigen Verluste. Örtliche Verluste können nicht immer begründet werden. Die Entwicklung in den einzelnen Gebieten verläuft allerdings sehr unterschiedlich.
Je nach Tierart verlaufen die Entwicklungen sehr unterschiedlich. Einzelne Tierarten entwickeln sich durchaus positiv, in anderen Fällen wie dem Birkhuhn zeichnen sich klare Bestandsgefährdungen ab.

C9†††††† Gefährdete Kulturrassen und Sorten

Der Streuobstbestand im Biosphärenreservat Rhön war in den zurückliegenden 10 Jahren trotz der Erfolge der Aktivitäten zur Vermarktung von Streuobstprodukten leicht rückläufig. Eine Mehrung der Bestände ist nicht in Sicht, aber der aktuelle Umfang dürfte auch in Zukunft gesichert sein.
Der Bestand von Rhönschafen sowie die Anzahl der Betriebe, die Rhönschafe halten, haben in den zurückliegenden 10 Jahren deutlich zugenommen. Die im Biosphärenreservat ergriffenen Aktivitäten zur Vermarktung des Rhönschafs waren sehr erfolgreich und haben das Rhönschaf zum Sympathie- und Werbeträger des Biosphärenreservats werden lassen.

C10†††† Klimafolgen

Regionale Klimamodelle sagen für die Rhön eine weitere Erhöhung der Jahresmitteltemperaturen, insbesondere im Winter, und eine Verschiebung der Niederschläge von den Sommermonaten auf die Wintermonate voraus. Mächtigkeit, Dauer und Zuverlässigkeit der Schneebedeckung werden abnehmen.
Dies wird weitreichende Auswirkungen, seien es negative oder positive, auf nahezu alle Lebens- und Wirtschaftsbereiche im Biosphärenreservat haben.

C11†††† Luftqualität

Die Rhön gehört als ländlicher Raum zu den stark durch Ozon belasteten Gebieten. Die Station Wasserkuppe gehört deutschlandweit zu den Spitzenreitern beim Überschreiten der Informationsschwelle. Ob die für 2010 von der EU gesetzten Zielwerte zum Schutz der menschlichen Gesundheit und der Vegetation erreicht werden können, ist fraglich.
Für die Luftschadstoffe NO2, SO2 und Feinstaub werden die zum Schutz der menschlichen Gesundheit erlassenen Grenzwerte an der Messstation Wasserkuppe eingehalten.
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