D1 Datenengpässe
Für den integrierten Umweltbericht für das Biosphärenreservat
Rhön konnten erstmals in einer umfassenden Weise Daten aus den drei Landesteilen
des Biosphärenreservats Rhön zusammengetragen und länderübergreifend ausgewertet
werden. Der große Umfang des Berichts ist Ausdruck des umfangreichen Datenmaterials
und der vielfältigen Informationen, die trotz knapper zeitlicher und personeller
Ressourcen bei allen an der Berichtserstellung beteiligten Institutionen bereit
gestellt werden konnten.
Dennoch ist die Ausarbeitung des Umweltberichts auch immer wieder an Grenzen der
Datenverfügbarkeit gestoßen. Datenengpässe waren dabei unterschiedlich verursacht:
- spezifische Daten werden bislang nicht erhoben bzw. stehen nicht in ausreichender
räumlicher oder zeitlicher Auflösung zur Verfügung;
- die Zuständigkeit der Datenhaltung hat sich in den datenerhebenden Institutionen
über die Jahre geändert und Daten waren in Folge nicht mehr oder nur noch unter
großen Schwierigkeiten verfügbar zu machen;
- manche Daten liegen nur in Papierform vor und sind bislang nicht digtial
verfügbar aufbereitet, so dass erheblicher Arbeitsaufwand erforderlich wäre, diese
einer Auswertung zugänglich zu machen;
- Daten unterliegen der statistischen Geheimhaltung;
- Daten sind kostenpflichtig und konnten im Rahmen des Projekts nicht beschafft
werden.
Einzelne Aussagen waren auch deshalb für den Umweltbericht nicht zu treffen, weil
Kapazitäten zur Auswertung vorhandener Daten nicht bereitgestellt werden konnten.
Für den Umweltbericht konnte
umfangreiches Datenmaterial für das Biosphärenreservat Rhön zusammen-
getragen werden,
dennoch stieß die Ausarbeitung auch immer wieder an Grenzen der Datenverfügbarkeit.
Im Folgenden werden beispielhaft einige Datenlücken
bzw. Schwierigkeiten bei der Datenbeschaffung und Datenauswertung aufgezeigt.
Die Darstellungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Genauere Aussagen
zur Datenverfügbarkeit und zu Datenlücken wurden in den einzelnen Kapiteln im
Teilkapitel Datenlage und Informationen getroffen.
Fehlende Daten
Zu einem der zentralen Aufträge des Biosphärenreservats
gehört die Erhaltung und Sicherung der Biodiversität, d.h. der Vielfalt von Lebensräumen,
von Arten und von Genen. Für das Biosphärenreservat liegt ein Zielartenkonzept
vor. Es hebt nach fachlichen Kriterien ausgewählte Tier- und Pflanzen hervor,
die bestimmte Landschafts- und Lebensraumtypen in der Rhön repräsentieren. Zustand
und Entwicklung ihrer Populationen lassen daher Rückschlüsse sowohl auf die Lebensräume
als auch auf die Entwicklung anderer Arten zu, die ähnliche Lebensraumansprüche
haben.
Bisher wurden jedoch keine systematischen Untersuchungen im Biosphärenreservat
durchgeführt, die sich zielgerichtet auf diese Zielarten konzentrieren. So war
es für den Umweltbericht nur möglich, faunistische und floristische Erhebungen,
die ursprünglich aus anderem Grund und mit anderen Zielsetzungen erhoben wurden,
auf die darin mit erfassten Zielarten hin auszuwerten. Die Aussagen bleiben dadurch
zwangsläufig sehr lückig.
Die Umsetzung der NATURA 2000-Richtlinie wird künftig sehr stark die Fokussierung
des Monitorings im faunistischen und floristischen Bereich bestimmen. Damit wird
die systematische Erfassung einiger Zielarten, die zugleich NATURA 2000-Arten
sind, zusätzlich Bedeutung gewinnen müssen.
bisher keine systematischen Erfassungen zu den Zielarten
im Biosphärenreservat,
künftig vermutlich starke Fokussierung des Monitorings auf NATURA 2000-Arten
Aufgrund des Zuschnitts des Biosphärenreservats müssen
statistische Daten auf Gemeindeebene vorliegen, damit daraus spezifische Aussagen
für das Biosphärenreservat abgleitet werden können. Die Landkreise reichen weit
über das Biosphärenreservat hinaus und schließen damit auch Gebiete intensiver
Nutzung und die umliegenden Städte mit ein, deren Charakteristika deutlich von
denen des Biosphärenreservats abweichen.
Für einige Themenbereiche können Daten aus methodischen Gründen nicht differenziert
für die Gemeindeebene erstellt werden. Dies betrifft z. B. Daten zur Wertschöpfung
bzw. zum Bruttoinlandsprodukt sowie zur Erwerbstätigkeit (s.
Kap. B2), für die eine Differenzierung nur bis zur Landkreisebene möglich
ist. Für die Abfallwirtschaft sind in Deutschland Landkreise und Zweckverbände
zuständig. Für kleinere Raumeinheiten sind Daten in Deutschland nicht verfügbar
(s.
Kap. B10).
Daten auf der Ebene von Landkreisen
sind nicht für spezifische Auswertungen zum Biosphärenreservat verwendbar.
Für einige Datensätze ist die Situation in den drei
Bundesländern unterschiedlich. Für die Gemeindeebene standen z. B. für den thüringischen
Teil keine Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten zur Verfügung,
während diese für den bayerischen vollständig und den hessischen Teil zumindest
z. T. vorlagen.
Daten sind in den drei Teilen
der Rhön unterschiedlich
verfügbar
Einige Beobachtungsprogramme bestehen in rasterbasierten
oder stichprobenhaften Erhebungen. Die Wahl der Raster und die Auswahl der Stichproben
sind dabei auf die Repräsentativität auf Landes- oder gar Bundesebene ausgelegt.
Auswertungen allein für das Biosphärenreservat geraten hier in der Regel an die
Grenzen der statistischen Sicherheit. In Fällen wie der Bundeswaldinventur (BWI²)
ermöglichte alleine die länderübergreifende Zusammenschau der Erfassungspunkte,
Aussagen für das Biosphärenreservat zu treffen. Bei der Waldzustandserhebung sind
biosphärenreservatsrelevante Aussagen nur auf der Basis des 4 x 4 km-Rasters möglich.
In diesem Raster wird jedoch nicht jährlich erhoben. Darüber hinaus sind in den
drei Ländern die Erhebungsjahre im 4 x 4 km-Raster unterschiedlich. Für den Umweltbericht
konnten daher nur die Datenerhebungen aus dem Jahr 1997 genutzt werden. Aussagen
zur Entwicklung des Waldzustands im Biosphärenreservat sind auf der Grundlage
der vorhandenen Daten bisher bedauerlicherweise nicht möglich.
Datenerhebungen zur Luftqualität werden innerhalb des Biosphärenreservats regelmäßig
nur an der hessischen Luftmessstation Wasserkuppe durchgeführt. Innerhalb des
Landesmessnetzes von Hessen steht der Messstandort für die ländlichen und emittentenfernen
Gebiete, in denen die Messergebnisse geeignet sind, die Hintergrundbelastung zu
beschreiben. Innerhalb des Biosphärenreservats kann die Luftqualität örtlich aber
durchaus unterschiedlich sein. Die auf den Messergebnissen der Wasserkuppe basierenden
Auswertungen repräsentieren damit auch innerhalb des Biosphärenreservats nur die
ländlichen und emittentenfernen Teilgebiete, auch wenn davon auszugehen ist, dass
die Luftqualität in der Rhön als überwiegend sehr gut beschrieben werden kann.
Biosphärenreservats-
spezifische Auswertungen von rasterbasierten oder stichprobenhaften Daten- erhebungen
bewegen sich häufig an den Grenzen der statistischen Sicherheit.
Aus detaillierten Landnutzungsdaten und deren Auswertung
lassen sich nicht nur umfangreiche Rückschlüsse zur Ausdehnung, zum Zustand und
zur Entwicklung der einzelnen Lebensräume ziehen. Es sind auch Aussagen zu mehreren
spezifischen Problemfeldern wie zur Offenhaltung der Landschaft oder der Zunahme
von Siedlungs- und Verkehrsflächen möglich.
Die erste Color-Infrarot-Luftbildkartierung für das Biosphärenreservat wurde 1993
durchgeführt. Die zweite Befliegung hat 2006 stattgefunden. Bis zum Redaktionsschluss
des Umweltberichts standen nur die Auswertungen der Erstbefliegung zur Verfügung.
Zur Entwicklung der Landnutzung konnten daher – zumindest auf der Grundlage dieser
Daten – keine Aussagen getroffen werden. Die Daten der Flächenstatistik sind keineswegs
immer ein geeigneter Ersatz. Insbesondere für den Wald ergaben die Auswertungen
der Flächenstatistik keine plausiblen Ergebnisse. Da die Daten der amtlichen Statistik
auf die Gemeinden bezogen sind, erlauben sie darüber hinaus auch keine räumlich
differenzierten Analysen innerhalb der einzelnen Gemeinden.
Ergebnisse der zweiten luftbildgestützten
Landnutzungskartierung standen für den Umweltbericht noch nicht zur Verfügung.
Fehlende Zugänglichkeit von Daten
Von einigen Datensätzen ist bekannt, dass sie zwar
existieren. Sie ließen sich aber trotzdem für den Umweltbericht nicht verfügbar
machen.
In Thüringen liegen die Daten zu Trinkwasserversorgung und -verbrauch beispielsweise
im Gegensatz zu Bayern und Hessen bei privatwirtschaftlich organisierten Wasserversorgern.
Die Daten stehen den Behörden in Thüringen nicht zur Verfügung und konnten daher
für den Umweltbericht auch nicht berücksichtigt werden.
Bayerische und hessische Daten, die von den Forstämtern gehalten werden, waren
nicht oder nur unter Schwierigkeiten verfügbar zu machen, da mit den Forstreformen
in Bayern und Hessen Veränderungen der forstlichen Revierabgrenzungen und damit
von Zuständigkeiten verbunden waren.
Statistische Geheimhaltung von Daten
In Deutschland unterliegen umfangreiche Datensätze
u.a. für die Bereiche Landwirtschaft und Tourismus der statistischen Geheimhaltung.
Dies gilt insbesondere für Daten, die auf Gemeindeebene erhoben worden sind. Wird
in den Gemeinden eine kritische Anzahl von Betrieben unterschritten, werden die
Daten nicht mehr freigegeben, da dann Rückschlüsse auf die Situation der einzelnen
Betriebe möglich werden. Daten auf Landkreisebene sind aber aufgrund der räumlichen
Ausdehnung der Landkreise – wie bereits erwähnt – mit Blick auf die spezifische
Situation im Biosphärenreservat nicht aussagekräftig.
Einschränkungen ergaben sich in der Konsequenz insbesondere für die folgenden
im Umweltbericht aufgenommenen Fragestellungen:
- Angebot und Nachfrage im Tourismussektor,
- sozialversicherungspflichtig Beschäftigte in den Wirtschaftssektoren,
- sozioökonomische Daten für die Landwirtschaft.
Statistische Geheimhaltung
kann Datenverfügbarkeit auf Gemeindeebene stark einschränken.
Eine Möglichkeit, die durch die statistische Geheimhaltung
entstehenden Einschränkungen zu mildern, hätten darin bestanden, bei den Landesämtern
für Statistik eine Zusammenfassung der gemeindlichen Daten für die Gemeinden des
Biosphärenreservats in Auftrag zu geben. Diese wäre jedoch kostenpflichtig gewesen
und war im Rahmen des zur Verfügung stehenden Budgets nicht finanzierbar.
Engpässe bei der Datenauswertung
Da die Kapazitäten in den Landesämtern und Landesanstalten
für die Beteiligung am Umweltbericht beschränkt waren, konnten zur Verfügung stehende
Datensätze z. T. nicht ausgewertet werden.
Dies gilt u.a. für die Bodendaten (u.a. Daten von Boden-Dauerbeobachtungsflächen
und Daten der Bodenzustandserhebung im Wald, s.
Kap.
C1.3). Bestehende Auswertungspotenziale blieben dadurch unausgeschöpft. Im
Rahmen des Umweltberichts war es lediglich möglich, die vorhandenen Messstellen
in einer Übersichtskarte darzustellen.
Eine vergleichbare Situation ergab sich für die Daten zur Grundwasserbeschaffenheit.
Auch hier waren die länderübergreifenden Auswertungen, die vom Bayerischen Landesamt
für Umwelt koordinierend durchgeführt werden sollten, bis zum Redaktionsschluss
nicht in der vorgesehenen Detailtiefe möglich (s.
Kap. C1.5).
Auswertungspotenziale sind
aufgrund begrenzter Kapazitäten z.T. unausgeschöpft geblieben.