C8.2 Pflanzen
C8.2.1 Entwicklung von Zielarten
Hintergrund
Die Rhön ist reich an unterschiedlichen Pflanzengesellschaften.
Es wurden bisher über 100 Pflanzengesellschaften beschrieben bzw. kartiert
[xxxvii], und mehr als 100 Pflanzenarten der Roten
Liste von Deutschland konnten nachgewiesen werden. Dieser große Reichtum hat seinen
Ursprung in der großen Vielfalt unterschiedlicher Ausgangsgesteine wie Basalt,
Muschelkalk und Buntsandstein, der deutlichen klimatischen Unterschiede zwischen
der eher subatlantischen Regenseite und der gemäßigt kontinentalen Regenschattenseite
der Rhön und der verschiedenen Höhenstufen. So trifft man in den Tieflagen der
östlichen und nördlichen Rhön submediterrane Florenelemente an, während in den
Hochlagen dealpine Elemente vorkommen.
Die Auswahl der Zielarten für das Biosphärenreservat versucht, dieser
Vielfalt zu entsprechen.
Vielfalt von Arten und Pflanzengesellschaften
in der Rhöner Kulturlandschaft
In Folge der Kulturtätigkeit des Menschen in der
Rhön unterscheidet sich die heute vorfindbare Vegetation meist deutlich von derjenigen,
die natürlicherweise auf den jeweiligen Standorten vorkommen würde. Nur im Bereich
von Felsen, Mooren und Blockhalden findet man heute noch Reste natürlicher, vom
Menschen nicht unmittelbar beeinflusster und veränderter Pflanzenbestände. Jedoch
können viele vom Menschen land- und forstwirtschaftlich extensiv genutzte Flächen
als naturnah bezeichnet werden. Hierzu gehören insbesondere die Wälder, z.T. auch
das extensiv genutzte Grünland.
nur im Bereich von Felsen,
Mooren und Blockhalden noch Reste natürlicher Vegetation
Im Rahmen der Erfolgskontrolle Hohe Rhön / Lange
Rhön
[xxxviii] wurden in diesem
Bereich 119 vegetationskundliche Dauerbeobachtungsflächen eingerichtet und 1996 / 1997
untersucht. Die Untersuchungen hatten zum Ziel, die naturschutzfachliche Umsetzung
des Pflege- und Entwicklungsplans in diesen Naturschutzgebieten der bayerischen
Rhön zu bewerten. Die Ergebnisse wurden mit den Ergebnissen von Aufnahmen der
Jahre 1981 / 1986 verglichen, die im Rahmen des Pflege- und Entwicklungsplans
Lange Rhön durchgeführt wurden.
[xxxix]
Die Daten ermöglichen Aussagen zum Vorkommen und zur Entwicklung ausgewählter
Zielarten in den Naturschutzgebieten Lange Rhön, Steinberg-Weinberg, Sinnquellgebiet
und Arnsbergsüdhang, Mühlwiesen im Elsbachtal und Feuchtbereiche am Steizbrunngraben.
Die Erhebungen im NSG Lange Rhön sind nur bedingt aussagekräftig, da weite Bereiche
aus der Beobachtung ausgenommen wurden, um Störungen des Birkwilds zu vermeiden.
Dargestellt werden in diesem Umweltbericht jeweils nur die Ergebnisse für die
Zielarten des Biosphärenreservats Rhön.
[xl]
Datenhalter:
Biosphärenreservats-
verwaltung
Datenquelle:
Erfolgskontrolle Hohe Rhön / Lange Rhön, Pflege- und Entwicklungsplan
Lange Rhön
räumlich: Bereich Hohe Rhön / Lange Rhön
zeitlich: 1981 / 1986, 1996 / 1997
Datenlücken:
Umgriff der Erhebungen auf das Gebiet Lange Rhön / Hohe Rhön beschränkt, nur Erhebungen
auf Teilflächen, räumliche Zuordnung der Probeflächen 1996 zu 1981 / 1986
z. T. unsicher, großer Zeitabstand zwischen den Erhebungen
Vom Landesbetrieb Landwirtschaft Hessen (LLH) bzw.
seinen Vorgänger-Institutionen werden in der Hohen Rhön langfristig angelegte
Landschaftspflegeversuche durchgeführt. Sie dienen dem Ziel, nachhaltige Effekte
differenzierter Pflegeverfahren auf die verschiedenen Vegetationstypen zu erfassen.
Neben der Wirkung der untersuchten Pflegeverfahren kann über die in allen Versuchen
als Standardvariante mitgeführte Fortsetzung der traditionellen Nutzung „Heuschnitt
im Juli“ auch die witterungsbedingte Bestandsdynamik beobachtet werden. Die Erfassung
der Bestandsentwicklung ausgewählter Zielarten ist dabei kein erklärtes Ziel des
eher experimentellen Programms. Dennoch lassen sich die langjährigen Daten – wenn
auch in Grenzen – zu diesen Auswertungszwecken nutzen.
Die nachfolgenden Darstellungen beruhen auf fünf Landschaftspflegeversuchen (A1
und A2 sowie B1 und B2, G062), zu denen bereits nach acht- bzw. elfjähriger Laufzeit
Datenhalter:
HE: LLH
Datenquelle:
Landschaftspflege-
versuche,
räumlich: ausgewählte Flächen
zeitlich: 1981 bis 2005
Datenlücken:
keine systematischen Erhebungen zur floristischen Entwicklung der Zielarten
Auswertungen vorgenommen wurden
[xli].
Nach einer mehrjährigen Monitoringpause zwischen Anfang der 1990er und Ende der
1990er Jahre, während derer aber die Bearbeitung der Flächen fortgesetzt wurde,
wurde die Datenerhebung wieder aufgenommen. Diese Daten lassen sich für Auswertungen
zur Dynamik von Zielarten
[xlii] nutzen.
Außerdem kann auf der Grundlage eines Versuchs zur Wiederherstellung einer standorttypischen
Goldhaferwiese aus einer ehemals intensiv genutzten Mähweide auf die Entwicklung
von Zielarten eingegangen werden.
keine Daten zwischen 1992 und 1996
Im Rahmen des landesweiten Grünlandmonitorings der
Thüringischen Landesanstalt für Landwirtschaft (s. Kap. C8.1.3, S. 310) werden
auf 40 Flächen im thüringischen Teil des Biosphärenreservats Untersuchungen der
Vegetation durchgeführt.
Zur Bewertung der Entwicklung der Flächen dienen die Artenvielfalt (Anzahl der
naturschutzfachlich wertgebenden Arten) und die Charakterisierung der floristischen
Ausstattung (der so genannte „Grünlandwert“). Der Grünlandwert wird für jede einzelne
Art durch die Parameter Magerkeit (m-Zahl), Gesellschaftsbindung (t-Zahl) und
Seltenheit (r-Zahl) nach der folgenden Formel bestimmt und wird in fünf Stufen
angegeben: g=(m+2t+r)/4.
[xliii] Der Gesamtwert eines Pflanzenbestands ermittelt sich dann
aus der Summe der Grünlandwerte der einzelnen Arten, gewichtet nach ihren jeweiligen
Ertragsanteilen (G=
Σg1 x Faktor (Ertragsanteil)...gn x Faktor).
Es erfolgt keine separate Betrachtung der Zielarten der Rhön.
Datenhalter:
TH: TLL
Datenquelle:
landesweites Grünlandmonitoring
räumlich: repräsentativ ausgewählte Flächen
zeitlich: 1997, 2002
Datenlücken:
Zielarten der Rhön werden nicht separat betrachtet
Kap. C8.1.3
Aufgrund der nur unsystematischen Erhebungen
zu den Zielarten liegen für einige der im Zielartenkonzept bearbeiteten Lebensraumtypen
keine Daten vor. Dies betrifft die Blockhalden und Felsbereiche, Fließgewässer
und Auwälder, Äcker extensiv genutzter Sonderstandorte, Kleinstrukturen (Baumreihen,
Hecken, Säume, Waldränder und Steinwälle) sowie naturnahe artenreiche Laubwälder.
Zielarten in Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden und Halbtrockenrasen
Die für das Biosphärenreservat ausgewählten Ziel-Pflanzenarten
für Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden sind in ihrem Bestand
auf nährstoffarme Verhältnisse und aufgrund ihres niedrigen Wuchses auf extensive
Nutzung angewiesen. Der Bestand der meisten Arten lässt sich bei fortgesetzter
traditioneller Nutzung durch Heuschnitt im Juli sichern. Bei unterbleibender Nutzung
weichen die Arten dagegen dem wachsenden Druck konkurrenzfähigerer und hochwüchsigerer
Arten. Der Einfluss luftbürtiger Stickstoffeinträge lässt sich bisher nicht zweifelsfrei
nachweisen, obwohl ein solcher gerade auf für Stickstoff sensible Arten zu erwarten
wäre.
Die einzelnen Arten sind gegenüber dem Brachfallen der Flächen unterschiedlich
empfindlich. Manche Bestände werden bereits ab dem vierten bzw. fünften Brachejahr
lückig. Andere Zielarten des Biosphärenreservats kommen zwar auf Borstgrasrasen
vor, werden aber in ihrem Bestand bzw. ihrer Ausbreitung durch Brache nicht behindert,
z.T. sogar gefördert.
Die meisten der Ziel-Pflanzenarten für Kalkmagerrasen,
Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden profitieren von nährstoffarmen Verhältnissen
und sind bei Brachfallen in ihrem Bestand gefährdet.
Kritische Eintragsraten für Stickstoff:
Kap. C1.2
Auf den Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden
in den Naturschutzgebieten im Bereich der Hohen Rhön / Langen Rhön können aus
den floristischen Aufnahmen für insgesamt 15 Zielarten für diese Vegetationsformen
Aussagen zu ihrer Entwicklung getroffen werden. In den einzelnen Schutzgebieten
verläuft die Entwicklung der einzelnen Arten erwartungsgemäß unterschiedlich.
In den Naturschutzgebieten Lange Rhön und Steinberg / Weinberg haben sich die
meisten der betrachteten Zielarten wunschgemäß entwickelt, während in den Gebieten
Sinnquellgebiet und Arnsbergsüdhang sowie Mühlwiesen im Elsbachtal mehrere Arten
Mitte der 1990erJahre nicht mehr nachgewiesen werden konnten (s. Tab. 91).
Über alle betrachteten Naturschutzgebiete hinweg ist nur das Gemeine Katzenpfötchen
(
Antennaria dioica) überall rückläufig bzw. bereits nicht mehr nachgewiesen.
Es wird vermutet, dass die kleinwüchsige Pflanze zwischenzeitliches Brachfallen
von Flächen (Wechselbrache) nicht übersteht, und sich aufgrund ihrer nur mäßigen
Schnittverträglichkeit frühe Mahdtermine (z. B. der tiefergelegenen Bereiche der
Naturschutzgebiete) ungünstig auf die Art auswirken.
[xliv]
Entwicklung der Zielarten in den Naturschutzgebieten
im Bereich Lange Rhön / Hohe Rhön unterschiedlich, insgesamt aber positive Entwicklung
der meisten Arten
Die Bestände der Färber-Scharte (Serratula tinctoria)
konnten sich im Bereich des NSG Langen Rhön halten, bzw. es konnte hier tendenziell
eine Zunahme verzeichnet werden. In den tiefer gelegenen Naturschutzgebieten NSG
Steinberg-Weinberg und NSG Sinnquellgebiet und Arnsbergsüdhang kam die Art nicht
vor. Die Ursache ist möglicherweise, dass wechselfeuchte, magere Pfeifengraswiesen,
in denen die Art typischerweise vorkommt, in den tiefergelegenen Untersuchungsgebieten
kaum vertreten sind.
Besonders positiv erscheint die Bestandsentwicklung des Sumpf-Herzblatts (Parnassia
palustris), das immerhin in vier der untersuchten fünf Gebiete offensichtlich
ein stabiles Vorkommen hat.
Tab. 91: Entwicklung von
Zielarten der Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden im Bereich
Lange Rhön / Hohe Rhön zwischen 1981 / 1986 und 1996 / 1997
|
Zielart
|
NSG Lange Rhön
|
NSG Steinberg und Weinberg
|
NSG Sinnquell-
gebiet und Arnsberg-
südhang
|
NSG Mühlwiesen im Elsbachtal
|
NSG Feucht-
bereiche am Steizbrunn-
graben
|
|
Kalkmagerrasen
|
|
Großes Windröschen
|
Anemone sylvestris
|
|
|
|
|
|
|
Silberdistel
|
Carlina acaulis
|
|
|
|
|
|
|
Berg-Aster
|
Aster amellus
|
|
|
|
|
|
|
Fransen-Enzian
|
Gentianella ciliata
|
|
|
|
|
|
|
Fliegen-Ragwurz
|
Ophrys insectifera
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Herzblatt
|
Parnassia palustris
|
|
|
|
|
|
|
Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden
|
|
Berg-Wohlverleih
|
Arnica montana
|
|
|
|
|
|
|
Pracht-Nelke
|
Dianthus superbus ssp. superbus
|
|
|
|
|
|
|
Weißzüngel-Orchidee
|
Pseudorchis albida
|
|
|
|
|
|
|
Färber-Scharte
|
Serratula tinctoria
|
|
-
|
-
|
|
|
|
Wald-Läusekraut
|
Pedicularis sylvatica
|
|
|
|
|
|
|
Moor-Klee
|
Trifolium spadiceum
|
|
|
|
|
|
|
Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und
Zwergstrauchheiden
|
|
Gemeines Katzenpfötchen
|
Antennaria dioica
|
|
|
|
|
|
|
Deutscher Enzian
|
Gentianella germanica
|
|
|
|
|
|
|
Gewöhnliche Kuhschelle
|
Pulsatilla vulgaris
|
|
|
|
|
|
|
Berg-Waldhyazinthe
|
Platanthera chlorantha
|
|
|
|
|
|
| |
Bestand
stabil (Ziel des Pflege- und Entwicklungsplans erfüllt) |
| |
keine Angabe
|
| - |
nicht relevant
|
| |
negative Bestandsentwicklung
|
| |
Art im Gebiet nicht mehr nachgewiesen (Ziel
des Pflege- und Entwicklungsplans nicht erfüllt)
|
Im Rahmen des Grünlandmonitorings im thüringischen
Teil des Biosphärenreservats wurden vier Halbtrockenrasen, die im KULAP bewirtschaftet
werden, auf die Entwicklung der Artenzahl und auf ihre naturschutzfachliche Wertigkeit
hin untersucht. Zwischen 1997 und 2002 haben sich auf den Flächen keine bedeutsamen
Änderungen abgespielt. Die Zahl der wertgebenden Arten (nicht Zielarten!) ist
jedoch von 39 auf 36 leicht zurückgegangen. Diese leicht abnehmende Tendenz lässt
sich im Wesentlichen auf Unternutzung zurückführen.
Die Flächen werden im landesweiten Vergleich anderer im KULAP bewirtschafteter
Gründlandflächen als sehr gut bewertet.
KULAP Thüringen:
Kap. B3.2
Thüringische Halbtrockenrasen im KULAP zeigen stabile Bestände wertgebender Arten;
dennoch deutet sich gewisse Unternutzung an.
Am Südwesthang des hessischen
Stirnbergs in einer Höhe von 840 m ü. NN. herrschen vergleichsweise trockene und
warme Verhältnisse vor. Hier hat sich die artenreiche Form einer Kreuzblumen-Borstgraswiese
ausgebildet. 96 Gefäßpflanzenarten konnten gezählt werden, davon sind neun Zielarten
des Biosphärenreservats, wenn auch nicht alle Zielarten von Borstgrasrasen.
Die Entwicklung der einzelnen Arten zeigt eine starke Abhängigkeit vom jeweiligen
Management der Flächen. Typische Zielarten der Borstgrasrasen wie Wiesen-Leinblatt
(Thesium pyrenaicum), Arznei-Thymian (Thymus pulegioides) und Kugelige
Teufelskralle (Phyteuma orbiculare) profitieren von einer Aufrechterhaltung
des traditionellen Grasschnitts zur Heugewinnung im Juni. Das Nordisches Labkraut
(Galium boreale), das auch auf unregelmäßig gemähten, wechselfeuchten Standorten
vorkommt, kann auch mehrjährige Brachen überdauern (s. Tab. 92).
Andere Zielarten wie der Wald-Storchschnabel (Geranium
sylvaticum) oder der Große Wiesenknopf (Sanguisorba officinalis) werden durch Brachfallen begünstigt. Die
Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule) reagiert trotz ihres
niedrigen Wuchses zwar weniger empfindlich auf die Brache, konnte aber am
Stirnberg nach 16 Versuchsjahren 1997 nicht mehr gefunden werden.
Einige Zielarten der Borstgrasrasen
und Kalkmagerrasen verschwinden nach 20-jähriger Brache gänzlich aus den Beständen.
Tab. 92:
Entwicklung von Zielarten auf einer wechseltrockenen Borstgraswiese in Abhängigkeit
von der Bewirtschaftung
|
Zielarten für
|
Heuschnitt
im Juli
Brache
|
1981
|
1982
|
1983
|
1984
|
1985
|
1986
|
1987
|
1988
|
1989
|
1990
|
1991
|
1997
|
2001
|
2003
|
2005
|
|
Borstgras- rasen
|
Thesium
pyrenaicum*
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
0
|
1
|
0
|
0
|
1
|
1
|
0
|
1
|
1
|
2
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
|
+
|
|
+
|
+
|
|
+
|
+
|
|
|
Thymus
pulegioides
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
+
|
0
|
1
|
1
|
1
|
1
|
2
|
0
|
1
|
1
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
|
|
+
|
|
|
Phyteuma
orbiculare
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
0
|
|
0
|
+
|
+
|
+
|
0
|
+
|
|
|
|
|
+
|
+
|
+
|
|
|
|
Galium
boreale
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
| |
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
|
+
|
+
|
1
|
0
|
|
1
|
|
Grünland
extensiv
genutzt
|
Geranium
sylvaticum
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
|
0
|
+
|
+
|
|
+
|
+
|
0
|
|
+
|
1
|
3
|
3
|
5
|
2
|
6
|
7
|
4
|
3
|
+
|
5
|
7
|
7
|
4
|
|
Platanthera
bifolca
|
|
|
|
|
+
|
|
+
|
|
|
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Feucht-
grünland,
Flachmoore
und Quell-
sümpfe
|
Sanguisorba
officinalis
|
|
|
+
|
|
|
|
+
|
+
|
+
|
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
0
|
0
|
1
|
1
|
1
|
1
|
1
|
2
|
2
|
1
|
1
|
1
|
1
|
2
|
2
|
|
Kalkmager- rasen
|
Crepis mollis
|
2
|
2
|
2
|
1
|
1
|
0
|
1
|
1
|
+
|
+
|
2
|
0
|
1
|
2
|
3
|
|
3
|
0
|
1
|
0
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
+
|
|
Cirsium
acaule
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
|
+
|
+
|
1
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
|
|
|
Ertragsanteile
nach Klapp / Stählin,
„+“: Spurenvorkommen, von 0 bis 7 steigende Ertragsanteile
* 1. Zeile Heuschnitt im Juli, 2. Zeile Brache
Ähnlich stellt sich die Situation auf einer weiteren
hessischen Versuchsfläche, einem schwach wechselfeuchten Kreuzblumen-Borstgrasrasen
auf 820 m ü. NN in ungeschützter, ebener Lage dar. Von den im Zeitraum 1984 bis
2005 insgesamt kartierten 107 Gefäßpflanzenarten sind sieben Zielarten, vier davon
Zielarten von Borstgrasrasen (s. Tab. 93).
Besonders deutlich wird hier die Abhängigkeit der Arnika von einer regelmäßigen
extensiven Nutzung. Nutzungsaufgabe führt zur mehr oder weniger raschen Verdrängung.
Nach 20 Jahren Brache ist die Art aus den Flächen verschwunden, während sie auf
den weiterhin gemähten Flächen einen stabilen Ertragsanteil von etwa 1 %
halten kann. Auch die in den Borstgrasrasen wachsenden Zielarten von Kalkmagerrasen
wie Stengellose Kratzdistel (Cirsium acaule) und Weicher Pippau (Crepis
mollis) reagieren empfindlich auf das Ausbleiben der Nutzung.
Arnika
Foto: Bayerische Biosphärenreservatsverwaltung
Tab. 93:
Entwicklung von ausgewählten Zielarten auf einer schwach wechselfeuchten Borstgraswiese
in Abhängigkeit von der Bewirtschaftung
|
Zielarten
für
|
Heuschnitt
im Juli
Brache
|
1984
|
1985
|
1986
|
1987
|
1988
|
1989
|
1990
|
1991
|
2001
|
2003
|
2005
|
|
Borstgras-
rasen
|
Arnica
montana*
|
2
|
1
|
1
|
1
|
1
|
0
|
1
|
1
|
0
|
0
|
2
|
|
1
|
1
|
+
|
0
|
0
|
+
|
+
|
+
|
|
|
|
|
Pedicularis
sylvatica
|
+
|
|
|
|
|
|
+
|
|
+
|
|
|
|
0
|
+
|
+
|
+
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Hieracium
lactucella
|
|
|
|
|
+
|
|
|
+
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Antennaria
dioica
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ertragsanteile nach Klapp / Stählin,
„+“: Spurenvorkommen, von 0 bis 2 steigende Ertragsanteile
* 1. Zeile Heuschnitt im Juli, 2. Zeile Brache
Gold- und Glatthaferwiesen sind weit verbreitete
Formen bewirtschafteten Grünlands in den Mittelgebirgen. In den tieferen Lagen
bis ca. 350 bis 400 m ü. NN dominieren Bestände der Glatthaferwiesen, in den höheren
Lagen werden sie von Goldhaferwiesen abgelöst. Die Übergänge von den Goldhaferwiesen
zu den Borstgrasrasen sind fließend. Je extensiver die Bewirtschaftung und je
geringer die Düngung, desto eher treten die genügsameren Arten der Borstgrasrasen
in den Vordergrund und können sich gegenüber den anspruchsvolleren und hochwüchsigeren
Arten der Goldhaferwiesen durchsetzen. Intermediäre Artenkombinationen werden
häufig vom Rotschwingel beherrscht.
Im Zielartenkonzept des Biosphärenreservats sind die Gold- und Glatthaferwiesen
im Gegensatz zu den Borstgrasrasen nicht explizit als Lebensraumtypen genannt.
Sie gehen in der Gruppe des „extensiven Grünlands“ auf, dem aber auch zahlreiche
Arten deutlich feuchterer Standorte zugeordnet werden.
Die Ausstattung der im thüringischen Teil des Biosphärenreservats
untersuchten Glatthafer- und Goldhaferweisen sowie der Rotschwingel-Magerweiden
mit wertgebenden Arten (nicht Zielarten!) hat sich in allen Beständen mehr oder
weniger deutlich erhöht.
Besonders erfreulich ist die Entwicklung in den Rotschwingel-Magerweiden. Die
sehr hohe Artenvielfalt der Goldhaferwiesen ist zwischen 1997 und 2002 erhalten
geblieben. Die Flächen werden im landesweiten Vergleich mit anderen Grünlandflächen
als sehr gut bis gut bewertet (s. Tab. 94).
In der thüringischen
Rhön Entwicklung der vom KULAP geförderten Goldhafer- und Glatthaferwiesen
spiegelt sich die zielführende extensive Bewirtschaftung bzw. gezielte Biotoppflege
wieder.
Tab. 94: Anzahl wertgebender
Arten und naturschutzfachlicher Grünlandwert ausgewählter Pflanzengesellschaften
|
Pflanzen-
gesellschaft
|
Flä-
chen
|
Artenzahl
|
naturschutzfachlicher
Grünlandwert*
|
Bewertung
|
|
1997
|
2002
|
Tendenz
|
1997
|
2002
|
Tendenz
|
|
Möhren-
Glatthaferwiesen
|
8
|
22
|
26
|
→
|
61
|
74
|
↑
|
sehr gut
|
|
Rotschwingel-
Magerweiden
|
6
|
15
|
23
|
↑
|
61
|
70
|
→
|
gut
|
|
Rispengras-
Goldhaferwiesen
|
6
|
25
|
26
|
~
|
71
|
76
|
~
|
sehr gut
|
|
Goldhaferwiesen
|
9
|
27
|
30
|
→
|
85
|
90
|
~
|
sehr gut
|
* ermittelt aus den Parametern Magerkeit, Gesellschaftsbindung
und Seltenheit
↑ - Zunahme deutlich, Aufstieg in nächsthöhere Bewertung im Untersuchungszeitraum,
→ - Zunahme tendenziell,
~ - tendenziell gleichbleibend
In der hessischen Rhön wurden Goldhaferwiesen
verschiedener Standorte auf Artenverschiebungen infolge von Bewirtschaftungsänderungen
hin untersucht. Die Goldhaferwiesen sind sehr artenreiche Gesellschaften (s. Tab.
95).
Tab. 95: Artenreichtum von
drei im hessischen Teil untersuchten Goldhaferwiesen
|
Untersuchte Goldhaferwiesen
|
gefundene Arten
insgesamt
|
gefundene
Zielarten
|
|
schwach wechselfeuchte Waldstorchschnabel-Goldhaferwiese
in relativ warmer Lage (Fuß des Südwesthangs des Stirnberges)
|
125
|
11
|
|
stark wechselfeuchte Waldstorchschnabel-Goldhaferwiese
(Grumbachtal)
|
124
|
11
|
|
wechselfeuchte Goldhaferwiese
(Weiherhof)
|
103
|
7
|
hessische Goldhaferwiesen
sehr artenreich
Die typischerweise in den Goldhaferwiesen vorkommenden
Zielarten sind der Arznei-Thymian (Thymus pulegioides), die Kugelige Teufelskralle
(Phyteuma orbiculare), der Weiche Pippau (Crepis mollis), der Wald-Storchschnabel
(Geranium sylvaticum), die Berg-Waldhyazinthe (Platanthera bifolia)
und der Moor-Klee (Trifolium spadiceum).
Die genannten Arten reagieren auf Nutzungsänderungen unterschiedlich. Thymian,
Teufelskralle und Pippau sind auf die Fortsetzung der Nutzung angewiesen, auch
wenn das erst nach mehrjähriger Beobachtung deutlich wird. Die Bestände des Weichen
Pippau reagieren allerdings etwas später als die der beiden anderen Arten. Der
Moor-Klee verschwindet bei Brache völlig aus den Beständen. Demgegenüber wird
der Storchschnabel durch aussetzende Nutzung eher begünstigt.
Andere ebenfalls in den Goldhaferwiesen vorkommende Arten, die Zielarten weiterer
Lebensraumtypen sind, werden durch die Brache gestärkt, oder es treten – insbesondere
in der stark wechselfeuchten Variante – neue Zielarten hinzu, die z. B. eher an
feuchtere Bedingungen gebunden sind. Hierzu gehören auch attraktive Arten wie
das Breitblättrige Knabenkraut (Dactylorhiza majalis), eine Zielart des
Feuchtgrünlands bzw. von Flachmooren und Quellsümpfen.
Tab. 96 zeigt beispielhaft für die untersuchten Goldhaferwiesen anhand einer Fläche die
Reaktion der Zielarten auf Nutzungsänderung in Form von Verbrachung.
Tab. 96: Entwicklung von
Zielarten auf einer schwach wechselfeuchten Goldhaferwiese in Abhängigkeit von
der Bewirtschaftung
|
Zielarten
für
|
Heuschnitt
im Juli
Brache
|
1981
|
1982
|
1983
|
1984
|
1985
|
1986
|
1987
|
1988
|
1989
|
1990
|
1991
|
2001
|
2003
|
2005
|
|
Grünland
Grünland
extensiv
genutzt
|
Thymus
pulegioides*
|
+
|
+
|
+
|
+
|
0
|
+
|
1
|
1
|
+
|
0
|
0
|
+
|
0
|
0
|
|
+
|
+
|
|
|
+
|
+
|
+
|
|
|
+
|
|
|
|
|
|
Phyteuma
orbiculare
|
+
|
0
|
0
|
0
|
1
|
1
|
0
|
+
|
+
|
+
|
1
|
+
|
1
|
1
|
|
+
|
+
|
1
|
+
|
+
|
+
|
+
|
+
|
|
+
|
+
|
|
|
|
|
Crepis mollis
|
3
|
3
|
1
|
1
|
2
|
3
|
4
|
1
|
0
|
1
|
2
|
1
|
1
|
1
|
|
3
|
+
|
1
|
1
|
1
|
+
|
0
|
1
|
1
|
+
|
+
|
+
|
|
+
|
|
Geranium
sylvaticum
|
1
|
1
|
1
|
3
|
2
|
1
|
1
|
1
|
1
|
1
|
1
|
2
|
1
|
2
|
|
2
|
5
|
5
|
4
|
5
|
4
|
13
|
11
|
12
|
12
|
10
|
8
|
8
|
10
|
|
Platanthera
bifolia
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
+
|
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Trifolium
spadiceum
|
|
|
|
|
+
|
|
|
+
|
|
+
|
+
|
1
|
+
|
2
|
| |
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
|
Ertragsanteile nach Klapp / Stählin, „+“: Spurenvorkommen, von 0 bis 13 steigende
Ertragsanteile
* 1. Zeile Heuschnitt im Juli, 2. Zeile Brache
Auf möglichen Standorten von Goldhaferwiesen liegen
im Biosphärenreservat vielerorts intensiv genutzte Mähwiesen bzw. Mähweiden. Durch
Extensivierung der Bewirtschaftung, z. B. durch späten Heuschnitt und Verzicht
auf jegliche Düngung, lassen sich diese Bestände in Goldhaferwiesen überführen.
Versuche am hessischen Weiherhof im Biosphärenreservat haben aber gezeigt, dass
sich auch nach 10 Jahren konsequenter Extensivierung die typischen Zielarten der
Goldhaferwiesen nur in geringem Umfang und sehr zögerlich in den Beständen etablieren.
Der Erhaltung der bestehenden Goldhaferwiesen mit den darin vorkommenden Zielarten
kommt daher besondere Bedeutung zu. Die Bemühungen um die Erhaltung müssen aber
auch bedeuten, dass die Wiesen vor einer zu starken Aushagerung geschützt werden.
Extensivierung intensiv genutzter Mähweiden: Zielarten
der Goldhaferwiesen etablieren sich nur sehr zögerlich.
Aushagerung von Grünland:
Kap. C1.3
Die wenigen in den Naturschutzgebieten der Hohen Rhön / Lange Rhön erfassten Zielarten
der montanen Goldhaferwiesen zeigen ebenfalls, mit Ausnahme des Kleinen Knabenkrauts
(Orchis morio) im Naturschutzgebiet Mühlwiesen, eine stabile Bestandsentwicklung.
Zahlreiche Zielarten der Goldhaferwiesen standen jedoch bei den Erhebungen zur
Erfolgskontrolle in den Naturschutzgebieten der Hohen Rhön / Lange Rhön nicht
im Fokus der Kartierungen. Die in Tab. 97 dargestellten Ergebnisse können
daher kein repräsentatives Bild zur Bestandssituation der Zielarten auf den Goldhaferwiesen
geben.
Tab. 97: Entwicklung von
Zielarten montaner Goldhaferweisen im Bereich Lange Rhön / Hohe Rhön zwischen
1981 / 1986 und 1996 / 1997
|
Zielart
|
NSG Lange Rhön
|
NSG Steinberg und Weinberg
|
NSG Sinnquellgebiet und Arnsberg- südhang
|
NSG Mühlwiesen im Elsbachtal
|
NSG Feuchtbereiche am Steizbrunn- graben
|
|
Grünland extensiv genutzt
|
|
Stattliches Knabenkraut
|
Orchis mascula
|
|
|
|
|
|
|
Kleines Knabenkraut
|
Orchis morio
|
|
|
|
|
|
|
Berg-Waldhyazinthe
|
Platanthera bifolia
|
|
|
|
|
|
| |
Bestand stabil (Ziel des Pflege- und Entwicklungsplans
erfüllt)
|
| |
keine Angabe
|
| |
Art im Gebiet nicht mehr nachgewiesen (Ziel
des Pflege- und Entwicklungsplans nicht erfüllt)
|
Zielarten in Feuchtgrünland, Quellsümpfen und Mooren
Auf den feuchten und nassen Standorten innerhalb
der Naturschutzgebiete im Bereich der Hohen Rhön / Langen Rhön konnten auf der
Basis floristischer Aufnahmen für insgesamt 17 Zielarten Aussagen getroffen werden.
Mit nur wenigen Ausnahmen zeigen diese eine positive Bestandsentwicklung. Fünf
der 17 Arten kommen mit stabilen Beständen in immerhin vier von fünf Gebieten
vor.
Auf den ersten Blick erscheint insbesondere die Sumpf-Fetthenne (Sedum villosum) in einer insgesamt problematischen Bestandssituation,
denn sie kommt nur in der Langen Rhön vor und entwickelt sich dort negativ. Dieser
Eindruck muss bis zu einem gewissen Grade relativiert werden, denn aufgrund der
eingeschränkten Begehbarkeit des Naturschutzgebiets Lange Rhön sind die Kartierergebnisse
möglicherweise lückenhaft. In der hessischen Rhön ist diese Art auf einzelnen
Viehweiden (auf Basaltblockschutt) dagegen nicht selten.
Der Sumpf-Dreizack (Triglochin palustre) ist ein Lückenpionier. Er
wurde im Naturschutzgebiet Sinnquellgebiet in gestörtem Feuchtgrünland
auf offenem Boden wie z. B. Fahrspuren und nicht – wie erwartet –
in den Flachmoor- bzw. Kalkflachmoorbereichen angetroffen. Ursache für die
Nicht-Besiedelung dieser Standorte ist vermutlich die Verbrachung der Moorbereiche.
Auf den feuchten und nassen
Standorten entwickeln sich die Zielarten insgesamt positiver als auf den mageren
und trockenen.
Foto: Jürgen Holzhausen, ©bayerische Biosphärenreservatsverwaltung
Im
Vergleich zu den Zielarten
auf den eher trockenen und armen Standorten entwickeln sich die Zielarten des
Feuchtgrünlands, der Quellsümpfen und Moore noch erfreulicher (s. Tab. 98).
Es macht sich vorteilhaft bemerkbar, dass erhebliche Beeinträchtigungen (z. B.
Entwässerung) von außen seit langem wirkungsvoll ferngehalten werden können, dass
die Nutzung im Wege des Vertragsnaturschutzes seit Jahren auf großer Fläche kontinuierlich
fortgeführt wird und dass ein luftbürtiger Stickstoffeintrag in Feuchtlebensräumen
bis jetzt nicht zu erkennbaren negativen Auswirkungen geführt hat.
Tab. 98: Entwicklung von
Zielarten von Feuchtgrünland, Quellsümpfe und Mooren im Bereich Lange Rhön / Hohe
Rhön zwischen 1981 / 1986 und 1996 / 1997
|
Zielart
|
NSG Lange Rhön
|
NSG Steinberg und Weinberg
|
NSG Sinn- quellgebiet und Arnsberg- südhang
|
NSG Mühl- wiesen im Elsbachtal
|
NSG Feucht- bereiche am Steizbrunn- graben
|
|
Feuchtgrünland, Flachmoore und Quellsümpfe
|
|
Schwarzschopf-Segge
|
Carex appropinquata
|
|
|
|
|
|
|
Davalls Segge
|
Carex davalliana
|
|
|
|
|
|
|
Breitblättrig. Knabenkraut
|
Dactylorhiza majalis
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Stendelwurz
|
Epipactis palustris
|
|
|
|
|
|
|
Breitblättriges Wollgras
|
Eriophorum latifolium
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Kreuzblume
|
Polygala amarella
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Dreizack
|
Triglochin palustre
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Fetthenne
|
Sedum villosum
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Herzblatt
|
Parnassia palustris
|
|
|
|
|
|
|
Wald-Läusekraut
|
Pedicularis sylvatica
|
|
|
|
|
|
|
Moor-Klee
|
Trifolium spadiceum
|
|
|
|
|
|
|
Sumpf-Herzblatt
|
Parnassia palustris
|
|
|
|
|
|
|
Hochmoore und Zwischenmoore
|
|
Draht-Segge
|
Carex diandra
|
|
|
|
|
|
|
Schlamm-Segge
|
Carex limosa
|
|
|
|
|
|
| |
Bestand stabil (Ziel des Pflege- und Entwicklungsplans erfüllt)
|
| |
keine Angabe
|
| |
Art im Gebiet nicht mehr nachgewiesen (Ziel
des Pflege- und Entwicklungsplans nicht erfüllt)
|
Ähnlich günstig ist die Situation auf den sieben
im Rahmen des Grünlandmonitorings in Thüringen untersuchten Feucht- und Nasswiesen.
Zwischen 1997 und 2002 hat die Zahl der wertgebenden Arten (nicht Zielarten!)
von 21 auf 27 zugenommen. Gleichzeitig ist auch der so genannte Grünlandwert deutlich
angestiegen. Das bedeutet, es stehen nicht nur mehr wertgebende Arten auf den
Flächen, sondern diese Arten kennzeichnen auch magerere Verhältnisse, sind seltener
und sind oft auch Kenn- bzw. Charakterarten. Im landesweiten Vergleich werden
die Bestände in der Rhön als sehr gut bewertet.
Thüringische KULAP-Feucht-
und Nassflächen reagieren auf das Management mit steigenden Artenzahlen und zunehmender
naturschutz-
fachlicher Wertigkeit
Bewertung
Bisher wurden im Biosphärenreservat keine systematischen
Untersuchungen bzw. Beobachtungen zu den Zielpflanzenarten durchgeführt. Die aus
den durchgeführten Erhebungen resultierenden Aussagen zu Bestand und Entwicklung
dieser Arten sind daher nur beispielhaft. Lediglich die Grünlanduntersuchungen
im thüringischen Teil können den Anspruch erheben, repräsentative Aussagen zu
treffen. Aber auch diese beziehen sich nicht explizit auf die Zielarten.
Darüber hinaus stellt sich das Problem, dass floristische Zielarten „kommen und
gehen“, je nach Form der Bewirtschaftung bzw. Bewirtschaftungsänderung. Die Verbrachung
von Borstgrasrasen führt keineswegs zwangsläufig zu einer Reduzierung der auf
den Flächen auffindbaren Zielarten. Lediglich das Spektrum der Arten verändert
sich. Nur Nutzungsänderungen hin zu einer intensiveren Bewirtschaftung sind i.d.R.
mit einem Rückgang von Zielarten verbunden.
Aussagen zur nachhaltigen Sicherung der Rhöner Zielarten wären daher nur bei einer
Gesamtbetrachtung aller relevanten Lebensraumtypen und einer gleichzeitigen systematischen
Untersuchung repräsentativer Flächen möglich. Nur wenn klar ist, wie sich welche
Lebensraumtypen verändern, kann abgeschätzt werden, ob sich einzelne Zielarten
im Biosphärenreservat werden halten können oder nicht.
Gesamtbewertung zu den floristischen
Zielarten aufgrund fehlender systematischer Beobachtungen nicht möglich
Die fünf Naturschutzgebiete im Bereich der Hohen
Rhön / Langen Rhön sind von großer landschaftlicher Schönheit und gelten als insgesamt
gut gepflegt
[xlv]. In allen Gebieten gibt es äußerst wertvolle
Biotoptypen und seltene und bedrohte Pflanzenarten. Schwere Beeinträchtigungen
der Vegetation der Gebiete gibt es derzeit nicht, ebenso wenig gravierende Nutzungskonflikte
mit der Landwirtschaft. Der großflächige Einsatz des Bayerischen Vertragsnaturschutzprogramms
wirkt sich hier doppelt vorteilhaft aus. Er zeigt die erwünschten naturschutzfachlichen
Resultate und stützt den wirtschaftlichen Fortbestand der Nutzer.
Die überwiegende Zahl der in den Gebieten kartierten Zielarten entwickelt sich
positiv bzw. kann sich mit den aktuellen Beständen halten. Insgesamt erscheint
die Erhaltung der Zielarten des Feuchtgrünlands, der Quellsümpfe und Moore im
Bereich Lange Rhön / Hohe Rhön weniger problematisch als die der Lebensräume des
trockeneren „Flügels“ wie der Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen und Zwergstrauchheiden.
Naturschutzgebiete der Langen
Rhön / Hohen Rhön aus floristischer und vegetations-
kundlicher Sicht überregional
bzw. national bedeutsam, Zielarten können sich überwiegend halten
Vertragsnaturschutz-
programm:
Kap. B3.2
Die Grünlandflächen, die im thüringischen Teil des
Biosphärenreservats im Rahmen des KULAP gefördert werden, haben sich in den letzten
fast 10 Jahren aus naturschutzfachlicher Sicht vorteilhaft entwickelt. Die Artenzahlen
sind gestiegen. Naturschutzfachlich bedeutsame Arten konnten sich auf den Flächen
etablieren. Auch wenn die Untersuchungen auf den thüringischen Flächen kein besonderes
Augenmerk auf die Zielarten des Biosphärenreservats gerichtet haben, da es sich
um Untersuchungen und Bewertungen im Rahmen eines landesweiten Programms handelt,
ist davon auszugehen, dass diese positiven Entwicklungen auch den jeweiligen Zielarten
zugute gekommen sind.
KULAP Thüringen unterstützt
erfolgreich Erhaltung des extensiven Grünlands.
Aktivitäten und Handlungsbedarf
Die Ergebnisse der Erfolgskontrolle in den Naturschutzgebieten
der Langen Rhön / Hohen Rhön kamen für die Erhaltung günstiger Standortverhältnisse
für die untersuchten Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden und Halbtrockenrasen
sowie die Feuchtgrünländer, Quellsümpfe und Moore zu den folgenden Managementempfehlungen:
- Verzicht auf Düngung von magerem Grünland,
- keine Wechselbrachen, sondern besser in einigen Bereichen völlige Nutzungsaufgabe,
allerdings unter Freihaltung der Dauerbrachen von Gehölzbewuchs, und regelmäßige
Mahd in anderen Bereichen
Aus Untersuchungen im Naturschutzgebiet Rotes Moor
resultierten z. T. abweichende Empfehlungen insbesondere für die Pflege von Borstgrasrasen
und Goldhaferwiesen (s. Tab. 99).
Tab. 99: Eignung von Pflegeverfahren
für die Erhaltung und Wiederherstellung von Magerwiesen
|
Vegetationstyp
|
sehr gut
|
gut
|
weniger gut
|
kaum
|
nicht
|
|
Borstgrasrasen
|
wechsel- trocken
|
S, SB
|
|
MS, MMS, M
|
MB
|
MBB, B
|
|
wechsel- feucht
|
S, SB
|
MS, MMS
|
M, MB, MBB
|
|
B
|
|
Goldhaferwiese
|
frisch
|
S, MS
|
MMS, M
|
SB
|
MB
|
MBB, B
|
|
feucht
|
S, MS, MMS
|
M
|
SB
|
MB, MBB
|
B
|
|
B =
Brache
S = jährlicher Heuschnitt
M = jährlich Mulchen
MS = Mulchen und Heuschnitt im jährlichen Wechsel
SB = Heuschnittt jedes zweite Jahr
|
MMS = zwei Jahre Mulchen, im
dritten Jahr Heuschnitt
MB = Mulchen und Brache im
jährlichen Wechsel
MBB = Mulchen jedes dritte Jahr
|
differenzierte Management-
empfehlungen
Für den bayerischen Teil des Biosphärenreservats
wird die Fortführung der Agrar-Umweltprogramme im bestehenden Umfang und ihrer
derzeitigen inhaltlichen Ausgestaltung als Voraussetzung dafür gesehen, dass es
nutzungsseitig nicht zu negativen Entwicklungen kommt und somit die Nutzung bzw.
Pflege aufrecht erhalten wird. Bei gravierenden Einschnitten, seien diese finanzieller
oder inhaltlicher Art, kann es im bayerischen Teil des Biosphärenreservats sehr
schnell zu Wertverlusten in den genannten Vegetationstypen und damit auch zum
Verlust von Zielarten kommen.
Positiver ist die diesbezügliche Einschätzung für den thüringischen Teil. Hier
entspricht die Umstrukturierung des KULAP für die bevorstehende Förderperiode
bis 2013 dem standort- und situationsangepassten Handlungsbedarf in Thüringen.
Vorbehaltlich der Zustimmung durch die EU steht den Thüringer Landwirten damit
auch künftig ein anspruchsvolles KULAP zur Verfügung.
Fortsetzung der pfleglichen
Nutzung von der künftigen Ausgestaltung der Kulturlandschafts-
programme abhängig
Zukunft des bayerischen KULAP:
Kap. B3.2
Zukunft des thüringischen
KULAP:
Kap. B3.2
Auswirkungen von Einflussfaktoren außerhalb der Nutzung,
wie z. B. von Einträgen eutrophierenden Stickstoffs oder von klimatischen Veränderungen,
wurden bisher nicht gezielt und systematisch untersucht.
Die Ergebnisse der Depositionsmessungen in der Rhön weisen jedoch darauf hin,
dass besonders stickstoffempfindliche Vegetationstypen wie z. B. Borstgrasrasen
bei den derzeitigen Einträgen von Stickstoff in Freilandökosysteme durchaus der
Gefahr einer sukzessiven Eutrophierung ausgesetzt sind.
luftbürtige Stickstoffeinträge und
Überschreitungen kritischer Eintragsraten:
Kap. C1.2
Klimaveränderungen:
Kap. C10.2
Im Überblick
Im Biosphärenreservat wurden bis heute keine gezielten
Untersuchungen zur Entwicklung von Ziel-Pflanzenarten durchgeführt. Auswertungen
bestehender Kartierungen und Monitoringaktivitäten auf die Zielarten führen zu
zwangläufig selektiven Ergebnissen.
Die auf der Hohen Rhön / Langen Rhön untersuchten
Vegetationsbestände von Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden und
Halbtrockenrasen und die an diese gebundenen Zielarten haben sich in den letzten
Jahren überwiegend positiv entwickelt. Mit Ausnahme einer Art konnten alle erfassten
Arten erhalten werden, allerdings in den einzelnen Naturschutzgebieten mit unterschiedlichem
Erfolg. Auch die thüringischen Halbtrockenrasen, die im KULAP bewirtschaftet werden,
zeigen stabile Bestände der wertgebenden Arten. Allerdings deutet sich hier eine
gewisse Unternutzung an.
weitgehend stabile Situation
bei den Kalkmagerrasen, Borstgrasrasen, Zwergstrauchheiden und Halbtrockenrasen
In der Entwicklung der durch KULAP geförderten Goldhafer-
und Glatthaferwiesen spiegelt sich die zielführende extensive Bewirtschaftung
bzw. gezielte Biotoppflege wieder. Auf den untersuchten Flächen konnten sich die
Zielarten in den zurückliegenden Jahren im Allgemeinen positiv entwickeln.
positive Entwicklung des
von den Kulturlandschafts-
programmen geförderten extensiven Wirtschaftsgrünlands
Der Erhaltungszustand der Vegetationsbestände und
der an diese gebundenen Zielarten auf den feuchten und nassen Standorten im Biosphärenreservat
ist grundsätzlich günstig. Nutzung und Pflege konnten in den vergangenen Jahren
hier so gestaltet werden, dass sich die Bestände der untersuchten Zielarten positiv
entwickeln konnten. Ferner ist es gelungen, erhebliche Beeinträchtigungen wie
z. B. Entwässerungen zu
verhindern.
stabile Situation der Vegetationsbestände
auf feuchten und nassen Standorten
Die Fortsetzung der pfleglichen Nutzung ist von der
künftigen Ausgestaltung der Agrarumweltprogramme und Vertragsnaturschutzprogramme
abhängig. Sollten sich hier finanzielle Einschränkungen oder gravierende inhaltliche
Umstrukturierungen ergeben, werden Veränderungen in den schützenswerten Vegetationsbeständen
unvermeidlich sein.
Erhaltung der schützenswerten
Vegetationsbestände von der Fortführung der Agrarumwelt- und Vertragsnaturschutz-
programme
abhängig
C8.2.2 Invasive Arten
Hintergrund
Als invasive Neophyten werden im Naturschutz gebietsfremde
Pflanzenarten bezeichnet, die unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften
oder Biotope haben. Sie können z. B. in Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen
zu anderen Pflanzen treten und diese verdrängen. Invasive Neophyten können auch
ökonomische Probleme u.a. durch „Verunkrautung“ verursachen oder für den Menschen
gesundheitsschädlich sein. So kann z. B. der Saft des Riesen-Bärenklaus in Verbindung
mit Sonnenlicht Verbrennungen auf der Haut verursachen. Dennoch gehen von den
meisten Neophyten, die sich bei uns ansiedeln konnten, keine Gefahren weder für
die Natur noch für den Menschen aus.
Neophyten: gebietsfremde
Arten, die mit heimischen Arten um Lebensräume konkurrieren
Im Bereich des Naturschutzes gelten invasive Neophyten
weltweit als die zweitgrößte Gefährdung der biologischen Vielfalt. Wenn sie mit
der heimischen Pflanzenwelt um Lebensraum und Ressourcen konkurrieren, können
sie einzelne Arten oder ganze Artengemeinschaften verdrängen. Beispiele sind der
Staudenknöterich und das japanische Springkraut u.a. an Bachufern oder die Goldrute,
die sich seit einigen Jahren massiv auf gering bewirtschafteten Offenlandflächen
ausbreitet.
Außerdem können Neophyten Standortbedingungen nachhaltig verändern. So wandert
z. B. die aus dem pazifischen Nordamerika stammende Staudenlupine (
Lupinus
polyphyllus) in brachfallende Halbtrockenrasen ein und begünstigt durch ihre
Stickstoffanreicherung im Boden andere Arten, welche die typischen Arten der nährstoffarmen
Halbtrockenrasen verdrängen.
[xlvi]
In den letzten Jahren wird der Einfluss invasiver wie auch gebietsfremder Arten
allgemein zunehmend diskutiert. Im Zuge der Biodiversitätskonvention wurden –
besonders seit 1996 – weltweit zahlreiche Initiativen zur Untersuchung und Eindämmung
invasiver gebietsfremder Arten eingeleitet
[xlvii].
Foto: H. Volz
Auch in der Rhön haben einige invasive Arten Fuß
gefasst, von welchen jedoch die wenigsten ein naturschutzfachliches Problem darstellen.
Die Staudenlupine birgt im Biosphärenreservat Rhön mit Abstand das größte naturschutzfachliche
Problempotenzial. Dies gilt vor allem für die beiden größten Naturschutzgebiete
der bayerischen Rhön, wo Vegetationseinheiten geschützt werden sollen, die durch
die Lupine verdrängt werden.
Staudenlupine ist die problematischste
invasive Art im Biosphärenreservat.
Datenlage und Informationen
Zum Auftreten und zur Ausbreitung invasiver Arten
gibt es im Biosphärenreservat keine systematischen Erhebungen oder Aufzeichnungen.
Die einzig temporär untersuchte Art ist die Staudenlupine (Lupinus polyphyllos
Lindl.). In den Jahren 1997 bis 2000 wurde im Auftrag des damaligen Bayerischen
Staatsministeriums für Landesentwicklung und Umweltfragen ein Forschungsvorhaben
zur den Ausbreitungsmechanismen und Regulierungsmöglichkeiten der Lupine durchgeführt.
Die Arbeiten konzentrierten sich räumlich auf das Naturschutzgebiet „Lange Rhön“,
wo das Problem der Lupinenausbreitung als besonders gravierend beurteilt wurde.
Nach Abschluss des Vorhabens wurden einzelne Beobachtungsflächen (Leitgraben,
Herrenwasser, Bauersberg) bis 2002 weiterhin beobachtet, um ihre Entwicklung bei
Umsetzung unterschiedlicher Pflegemaßnahmen (Mulch, Schlegel, Mahd) zu erfassen.
Für diese Flächen liegen Daten über insgesamt vier aufeinanderfolgende Vegetationsperioden
vor.
Datenhalter:
Bayerische Biosphärenreservats-
verwaltung
Datenquelle:
Forschungsvorhaben zur Staudenlupine
räumlich: NSG Lange Rhön, Transektuntersuchungen
zeitlich: 1997 bis 2002
Datenlücken:
keine systematischen Beobachtungen zum Auftreten und zur Ausbreitung von
invasiven Arten
Situation und Entwicklung
Im bayerischen,
hessischen und thüringischen Teil der Rhön breitet sich das Indische
Springkraut (Impatiens glandulifera) entlang der Bachauen sukzessive aus.
Aufgrund fehlender wirksamer Gegenmaßnahmen wird derzeit aber nicht versucht,
die Art zu regulieren. Ferner ist die Orientalische Zackenschote (Bunias orientalis)
in der Rhön und hier vor allem im Muschelkalkbereich in stetiger Ausbreitung begriffen.
Auch hier gibt es keine wirksamen Gegenmaßnahmen. Bislang sind überwiegend Straßenränder
und Brachflächen betroffen. Im thüringischen Teil kommt es nur marginal, im hessischen
Teil nicht vor.
Indisches Springkraut und
Orientalisches Zackenschötchen: sukzessive Ausbreitung, aber keine Regulierung
möglich
Der Riesenbärenklau (Heracleum mantegazzianum)
bildet in der bayerischen und hessischen Rhön nur kleine Bestände an etwa je fünf
bis zehn Standorten, wo er aufgrund seiner gesundheitlichen Gefährdung für den
Menschen durch die Unteren Naturschutzbehörden punktuell mechanisch und chemisch
bekämpft wird. Da sich die Art aber nicht invasiv ausbreitet, wird sie auch nicht
als problematisch eingestuft. Etwas anders stellt sich die Situation im thüringischen
Teil der Rhön dar. Hier wächst der Riesenbärenklau an ca. 15 Standorten und breitet
sich in einigen Bereichen, vor allem an Bach- und Flussläufen, zum Teil invasiv
aus. Die Unteren Naturschutzbehörden und auch die Biosphärenreservatsverwaltung
bemühen sich seit geraumer Zeit um das Zurückdrängen der Art.
Riesenbärenklau wird
punktuell bekämpft.
Die Robinie (Robinia pseaudacacia), eine sich
bundesweit ausbreitende invasive Art, kommt im hessischen und thüringischen Teil
der Rhön bislang nicht vor. In der bayerischen Rhön ist sie an einzelnen Standorten
zu finden, ist jedoch nicht in Ausbreitung begriffen. Als extreme Lichtbaumart
warmer Standorte besitzt sie im Wald und in den höheren Lagen keine Ausbreitungschance.
Die Staudenlupine ist die
derzeit problematischste Art. Sie wurde 1942 als Untersaat bei Aufforstungsmaßnahmen
in der Rhön zur Bodenverbesserung eingesetzt. In den Folgejahren wurde sie in
den Fichtenforsten der Hohen Rhön durch die aufwachsenden Fichten verdrängt. Nur
in Randbereichen waren die Lichtverhältnisse ausreichend, so dass sich die Lupine
längerfristig etablieren konnte. Von dort aus hat sie sich allmählich flächig
entlang von Gräben und ungemähten Hochstaudengesellschaften ausgebreitet (z.B.
am Leitgraben, Elsgellen und Stirnberg Westhang). Die Ausbreitung der Staudenlupine
in den mageren Grünlandbereichen in der Hochrhön des Biosphärenreservats ist im
Wesentlichen auf die abnehmende Bewirtschaftungsintensität auf diesen Flächen
zurückzuführen.
Lupine wurde 1942 in der
Rhön zur Bodenverbesserung ausgesät.
In der Thüringer Rhön kann die Lupine aufgrund ihres
nur punktuellen Vorkommens mit geeigneten Mahdmaßnahmen erfolgreich an ihrer Ausbreitung
gehindert werden. Im bayerischen und hessischen Teil des Biosphärenreservats ist
sie dagegen in sukzessiver Ausbreitung begriffen.
Während sich die Lupine im Naturschutzgebiet Schwarze Berge eher verhalten vermehrt,
ist ihr Vorkommen besonders im Naturschutzgebiet Lange Rhön problematisch, wo
die Lupinenflächen in den letzten Jahren enorm zugenommen haben. Heute überwächst
die Lupine hier z. T. großflächig die artenreichen Goldhaferwiesen und Borstgrasrasen
sowie Feuchtwiesen und Kleinseggenrasen und ersetzt diese durch ruderalartenreiche
Lupinus-Dominanzbestände mit Brennnessel, Klebrigem Labkraut und Stechendem Hohlzahn.
Besonders massiv breitet sich die Staudenlupine in Brachflächen und jahreszeitlich
spät beweideten bzw. gemähten Flächen aus.
artenreiche nährstoffarme
Grünlandbereiche gefährdet
Die 1997, 1998 und 1999 am Heidelstein (Nordhang)
intensiv beobachteten Untersuchungsflächen dokumentierten die rasche Ausbreitung
der Lupine. 1997 waren 24 % der Fläche, 1998 bereits 33 % und 1999 41 %
von der Lupine bewachsen. Vorwiegend ein- bis zweijährige Pflanzen hatten bereits
1998 einen geschlossenen Bestand gebildet.
1998 waren insgesamt 5,9 % der Fläche im Naturschutzgebiet „Lange Rhön“ nennenswert
von der Staudenlupine bestanden, 113 ha (entsprechend 4,2 %) mit einem Deckungsgrad
von 1 bis 5 %, 31 ha (entsprechend 1,2 %) von 6 bis 40 %. 13 ha
(ent-sprechend 0,5 %) waren zu über 40 % mit Lupine bewachsen.
1998 fast 6 % des
gesamten Naturschutzgebiets Lange Rhön in nennenswertem Umfang
von der Lupine bewachsen
Ähnlich problematisch ist die Lupinenausbreitung
in der hessischen Rhön vom Dreiländereck bis zum Heidelstein. Insbesondere in
den großen Huteflächen Ober- und Unterländerhute, Melpertser Hute, auf dem Stirnbergplateau,
am Quardernberg, auf der Steinkopfhute und auf der Skiwiese am Heidelstein ist
die Lupine in die wertvollen Grünlandgesellschaften eingedrungen. Vereinzelte
Exemplare im Roten Moor konnten bislang durch rechtzeitiges händisches Abschneiden
der Fruchtstände unter Kontrolle gebracht werden.
Standorte, auf denen die Lupine
Bestände aufbauen konnte, sind auch nach ihrer Entfernung dauerhaft Stickstoff
angereichert, so dass die vormalige Vegetation nicht mehr die gleichen Standortbedingungen
vorfindet.
Die Ziele, die dem Management des Naturschutzgebiets
Lange Rhön zugrunde liegen, bestehen zum einen darin, die Vegetation mit ihren
charakteristischen und seltenen Pflanzenarten zu erhalten, zum anderen ist der
Schutz wiesenbrütender Vogelarten wie z. B. des Birkhuhns bestmöglich zu gewährleisten.
Dies birgt einen Zielkonflikt, denn die Schutzgebietsverordnungen und die Auflagen
des kompensierenden Vertragsnaturschutzprogramms geben zum Schutz wiesenbrütender
Vogelarten eine späte Bewirtschaftung vor. Demnach kann die jährliche Mahd nicht
vor dem 10. Juli bzw. dem 1. August erfolgen. Letzter Stichtag ist der 31. Oktober.
Diese der Vogelwelt förderlichen Bewirtschaftungsauflagen führen jedoch indirekt
zur weiteren Ausbreitung der Lupine, was wiederum Zielen des Naturschutzes zur
Erhaltung der im Gebiet vorkommenden, seltenen und schützenswerten Vegetationsbestände
entgegensteht. So kommt es zur Ausreifung der Lupinensamen, die von den Schlepperreifen
in den Oberboden eingedrückt oder auch über große Distanzen verbreitet werden
können. Ferner bedingt die stark extensive Bewirtschaftung, dass Randbereiche
des Grünlands und Steinriegel bei der Mahd großflächig ausgespart und die Grabenbereiche
nicht mehr ausgemäht werden. Hier kann sich die Lupine ungehindert etablieren
und reproduzieren.
Aktuelle Bewirtschaftung gemäß den Bewirtschaftungs-
auflagen
der Förderprogramme schafft günstige Voraussetzungen für die Ausbreitung der Lupine.
Auf den Huteflächen im hessischen Teil des Biosphärenreservats
kann offensichtlich durch frühe Beweidung mit Rhönschafen eine Eindämmung der
Lupinenausbreitung erreicht werden. Dabei können jedoch im Mai auch hier Konflikte
mit bodenbrütenden Vogelarten auftauchen. Eine abermalige Beweidung im gleichen
Jahr ist notwendig, da die Lupine nochmals Fruchtstände schiebt. Das Beweidungspotenzial
einer Schafherde ist jedoch grundsätzlich begrenzt und für die Regulation der
Staudenlupine alleine nicht ausreichend. Auch für diese Flächen erscheint gezieltes
Mähen erforderlich, um die Bestände nachhaltig kontrollieren zu können.
Die in der Rhön durchgeführten Forschungen zur Staudenlupine
[xlviii] haben die Notwendigkeit von Maßnahmen vor Augen geführt
und Hilfestellung für die gezielte Maßnahmenauswahl gegeben.
Grundsätzlich muss demnach jede Maßnahme zur Regulierung der Lupine vor Ausreifung
ihrer Samen, also ca. Ende Juli, erfolgen. Danach führt jede Pflegemaßnahme, die
auf Lupinen-Flächen durchgeführt wird, zur Verschleppung der Samen und zur Saatbettbereitung.
Aus fachlicher Sicht wäre eine entsprechende Anpassung des jährlichen Mahdbeginns
auf den Hochflächen der Rhön geboten. Ferner sollte in den Pflegeverträgen die
Mahd der Flächen vor Ausreifung der Lupinensamen verankert werden.
[xlix]
Maßnahmen zur Bestandsregulierung
der Lupine vor der Samenreifung ca. Ende Juli notwendig
Die Maßnahmen zur Bestandsregulierung sollten über
drei bis fünf Jahre hinweg mindestens zweimal jährlich erfolgen.
[l]
Entscheidend für einen effektiven Stickstoff-entzug und eine dauerhafte Schwächung
der Lupine ist der Mahdtermin. Es muss dann gemäht werden, wenn sich der in der
Pflanze gespeicherte Stickstoff noch in den oberirdischen Pflanzenteilen und eben
nicht in der Wurzel befindet.
[li]
Dies würde allerdings einen Mahdtermin erfordern, an dem die wiesenbrütenden Vogelarten
ihrem Brutgeschäft nachgehen, auf Deckung angewiesen und störungsempfindlich sind.
Großflächige Maßnahmen zur Eindämmung der Lupinenausbreitung
wurden bislang im Biosphärenreservat noch nicht ergriffen. Allerdings hat die
für das Naturschutzgebiet Lange Rhön zuständige Untere Naturschutzbehörde des
Landkreises Rhön-Grabfeld an den heikelsten Stellen Regulierungsmaßnahmen durchgeführt.
Ferner wurden von der Unteren Naturschutzbehörde für ca. 100 ha Fläche des Naturschutzgebiets
Lange Rhön die Verträge mit den Landnutzern auf einen früheren Mahdtermin, den
10. Juli, umgestellt. Einzelflächen mit außerordentlich starkem, Lupinenbewuchs,
in denen keine Gefährdungen der Wiesenbrüter bestehen, können bereits ab dem 15.
Juni gemäht werden. Initialstadien des Lupinenbewuchses in maschinell nicht bearbeitbaren
Bereichen wurden mit der Handsense abgemäht, um eine Etablierung der Pflanze zu
vermeiden. Zudem wird auf ca. 25 ha eine frühzeitige Beweidung zur Reduktion der
Lupinenbestände durchgeführt.
Ab dem Vertragsjahr 2007 werden große Bereiche auf den Mahdtermin 1.7. vorgezogen.
Einzelne Regulierungsmaßnahmen wurden durchgeführt.
Nutzungsverträge mit den Landwirten im Naturschutzgebiet Lange Rhön wurden z.T.
zur Eindämmung der Lupine umgestellt.
Die Forschungsergebnisse sollen bei der Fortschreibung
des Pflege- und Entwicklungsplans Lange Rhön und bei der Erstellung eines FFH- / SPA-Managementplans
berücksichtigt werden. Letzterer ist für 2007 vorgesehen. Darin sollen die bestehenden
Zielkonflikte erstmalig systematisch bearbeitet werden, z. B. durch räumliche
Schwerpunktsetzungen.
In den hessischen Hauptproblembereichen der Lupinenausbreitung
stellt sich das spezielle Problem, dass Teile dieser Flächen nicht maschinell
gemäht werden können, da der Standort mit (Basalt-)Steinblöcken überlagert ist.
Maschinenmähbare Flächen wie zum Beispiel die Mähwiesen am Stirnberg werden vorübergehend
auf frühere Mahd umgestellt, um die wertvollen Borstgrasrasen zu retten.
Mahdtermine an den Mähwiesen
am Stirnberg werden zeitlich vorverlegt.
Im Überblick
Die Lupine ist insbesondere im bayerischen und hessischen
Teil des Biosphärenreservats in starker Ausbreitung begriffen. Betroffen sind
vor allem im Bereich von Naturschutzgebieten naturschutzfachlich hochwertige Flächen
wie artenreiche Goldhaferwiesen, Borstgrasrasen sowie Feuchtwiesen und Kleinseggenrasen.
In der Thüringer Rhön kann die Lupine aufgrund ihres nur punktuellen Vorkommens
mit geeigneten Mahdmaßnahmen erfolgreich an ihrer Ausbreitung gehindert werden.
Bei der Eingrenzung der Lupinenausbreitung entstehen Konflikte mit dem Wiesenbrüterschutz,
da Mahdtermine in die Brutzeit vorverlegt werden müssen.
Ausbreitung der Lupine insbesondere
im bayerischen und hessischen Teil des Biosphärenreservats
In Zukunft muss der Ausbreitung der Lupine weiterhin
bzw. örtlich auch erhöhte Aufmerksamkeit geschenkt werden. Die systematische Prüfung
und Lösung von Zielkonflikten mit dem Wiesenbrüterschutz und eine enge Zusammenarbeit
mit den Landnutzern sind erforderlich, um die wertvollen Vegetationsbestände in
der Rhön dauerhaft schützen zu können.
Zielkonflikte mit dem Wiesenbrüterschutz
müssen systematisch gelöst werden.
[xxxvii] IVL 1992
in Grebe et al. 1988: Pflege- und Entwicklungsplan Lange Rhön. Schlußbericht.
Im Auftrag des Landkreises Rhön-Grabfeld. Text und Pläne. Unveröff: 53.
[xxxviii] Bornholdt
G., Braun H., Kress J.Chr. 2000: Erfolgskontrollen im abgeschlossenen Naturschutzgroßprojekt
"Hohe Rhön/ Lange Rhön". Angewandte Landschaftsökologie, H. 30, Bad
Godesberg.
[xxxix] Grebe R.
et al. 1988: a.a.O.
[xl] Barth U. 2004:
Botanisches Artenschutzkonzept der Botanischen Vereinigung für Naturschutz in
Hessen für das Biosphärenreservat Rhön –Bericht und Dokumentation der Ergebnisse.
Konzept im Auftrag der Hessischen Verwaltungsstelle des Biosphärenreservates Rhön.
[xli] Arens R.
& Neff R. 1997: Versuche zur Erhaltung von Extensivgrünland. Angewandte Landschaftsökologie
Heft 13, Bundesamt f. Naturschutz, Bonn.
[xliii] Die Ermittlung des naturschutzfachlichen
Grünlandwertes (G-Wert) und der Anzahl wertgebender Arten basiert auf den methodischen
Grundlagen von Brackel & Liepelt (1998, unveröffentlicht). Dieser wurde von
Jäger (2003) modifiziert.
Jäger in Hochberg H., Finke C., Schwabe M., Zopf D., Matthes I. 2003: Halbzeitbewertung
– Entwicklungsplan für den ländlichen Raum 2000-2006 – EAGFL – Abteilung Garantie.
Thüringer Landesanstalt für Landwirtschaft, Jena.
[xliv] Bornholdt
et al. 2000: a.a.O. Der Schnitt sollte nicht vor dem 01.07. stattfinden.
[xlv] Bornholdt
et al. 2000: a.a.O.
[xlvi] http://www.floraweb.de/neoflora/handbuch/lupinuspolyphyllus.html
(Abruf: 20.11.2006)
[xlvii] http://www.floraweb.de/neoflora/auswirkung.html
(Abruf: 20.11.2006)
[xlviii] Otte A.
& Volz H. 2000: Biotopspezifische Untersuchungen zu Ausbreitungsmechanismen
und Regulierungsmöglichkeiten von Hochstauden in der Rhön - bearbeitet am Beispiel
der Stauden-Lupine (Lupinus polyphyllus Lindl.). Forschungsbericht im Auftrag
der Regierung von Unterfranken. Unveröff.
[xlix] Volz H.
2002: Vegetationskundlichens Monitorung maschinell gepflegter Flächen im NSG Lange
Rhön. Abschlussbericht. Unveröff.
[l] Untersuchungen
der Lehr- und Forschungsanstalt Eichenhof haben ergeben, dass rechtzeitiges Mähen
oder Mulchen in vier aufeinander folgenden Jahren zum Verschwinden der Lupine
führen kann.
[li] Otte &
Volz 2000: a.a.O.