C5.3 Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
Hintergrund
Mit der Wasserrahmenrichtlinie (WRRL) wurde erstmalig
eine EU-weit harmonisierte Rechtsgrundlage zum Schutz der Gewässer geschaffen.
Ziel der Richtlinie ist es, bis 2015 einen guten Zustand für alle Seen, Flüsse
und Küstengewässer zu erreichen. Neben der chemischen fließen auch die biologische
und strukturelle Gewässergüte in die Beurteilung der Gewässerqualität ein.
Ein erster Schritt in der Umsetzung ist neben der Charakterisierung der Flussgebiete
eine Bestandsaufnahme der Belastungen und der Auswirkungen von menschlichen Aktivitäten.
Die Bestandsaufnahme wurde im Jahr 2004 mit einer zusammenfassenden Risikoabschätzung
abgeschlossen. Darin wird die Wahrscheinlichkeit, ob die Ziele der WRRL („guter
chemischer“ und „guter ökologischer“ Zustand) bis 2015 erreicht werden können,
in die drei Kategorien „wahrscheinlich“, „unsicher“ und „unwahrscheinlich“ eingestuft.
Die Ergebnisse der Bestandsaufnahme bilden die Grundlage für die weiteren Schritte,
namentlich der Einrichtung und Anpassung des Gewässermonitorings sowie für die
Aufstellung von Bewirtschaftungs- und Maßnahmenplänen
[xv].
Wasserrahmenrichtlinie als
EU-weit harmonisierte Rechtsgrundlage zum Schutz der Gewässer
Datenlage und Informationen
Bewertungsgegenstand nach der WRRL in Bezug auf Oberflächengewässer
sind so genannte Oberflächenwasserkörper. Darunter werden einheitliche und bedeutende
Abschnitte von Oberflächengewässern, z. B. ein See, ein Speicherbecken, ein
Strom, Fluss oder Kanal oder deren Teile, verstanden
[xvi]. Die Abgrenzung der Wasserkörper orientiert sich z. B.
an Wechseln der Gewässerkategorie (Fließgewässer, See), an einem Wechsel des prägenden
Gewässertyps, an wesentlichen Änderungen physikalischer Eigenschaften (z. B.
bei Zuflüssen) oder von Belastungen
[xvii].
Für die Gesamtbewertung der Oberflächenwasserkörper werden Ergebnisse zu Einzelparametern
aus den Feldern Ökologie (Gewässergüte und Struktur sowie allgemeine chemisch-physikalische
Parameter und Belastung durch spezifische Schadstoffe) und Chemie (Belastung u. a.
durch prioritäre Schadstoffe) zusammengeführt. Diese Gesamtbewertung gibt an,
mit welcher Wahrscheinlichkeit für einen Oberflächenwasserkörper das Ziel der
WRRL, d. h. der gute ökologische und chemische Gewässerzustand, erreicht
wird. Die Bedeutung der drei Kategorien zeigt Tab. 72 .
Tab. 72: Kategorien der
Gewässereinstufung
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Abschätzung der
Zielerreichung 2004
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Erläuterung
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Wahrscheinlich (+)
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Guter ökologischer und guter chemischer Zustand ist wahrscheinlich
bereits erreicht; in der Zukunft ist hier nur eine Überblicksüberwachung erforderlich.
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Unklar (?)
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Der ökologische und / oder chemische Zustand kann
nicht abschließend eingestuft werden, da Daten- bzw. Bewertungslücken bestehen;
in der Zukunft ist hier ein operatives Monitoring erforderlich.
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Unwahrscheinlich (-)
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Der ökologische und / oder chemische Zustand ist
wahrscheinlich noch nicht erreicht; in der Zukunft ist hier ein operatives Monitoring
erforderlich.
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Datenhalter:
BY: LfU
HE: HLUG
TH: TLUG
Datenquelle:
Flussgebietsberichte
räumlich: Oberflächen-
wasserkörper
zeitlich: 2004
Datenlücken:
keine
Situation und Entwicklung
Das Ziel der WRRL für Oberflächengewässer ist es,
den guten ökologischen und chemischen Gewässerzustand zu erhalten oder wiederherzustellen.
Der sehr gute Zustand, d. h. die natürliche Vielfalt an Pflanzen und Tieren
in den Gewässern, ihre unverfälschte Gestalt und Wasserführung und die natürliche
Qualität des Oberflächenwassers, dient hierzu als Referenz. Für künstliche oder
erheblich veränderte Gewässer gilt das reduzierte Ziel des guten ökologischen
Potenzials. Solche Gewässer sind im Biosphärenreservat aber nicht vorhanden (s. Abb. 82).
Abb. 82:
Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung nach Wasserrahmenrichtlinie – 2004
Für viele Gewässer war nach den Ergebnissen der Bestandsaufnahme
in 2004 noch unklar, ob die Ziele der WRRL erreicht werden können oder nicht.
Grund sind vor allem Datenlücken hinsichtlich einzelner Parameter, z. B.
der Gewässergüte und der Gewässerstruktur. Der tatsächliche Zustand des Gewässers
wird erst im Rahmen des Monitorings zwischen 2006 und 2008 bestimmt.
In Bayern erfolgte die Einschätzung getrennt nach
den vier Bewertungskategorien „Organische Stoffe / Saprobie“, „Pflanzennährstoffe
/ Trophie“. „Spezifische chemische Stoffe (Chemie)“ und „Hydromorphologische Veränderungen
(Struktur)“.
Die Zielerreichung ist für einen Großteil der Gewässer hinsichtlich der Saprobie,
der Trophie und der Chemie zu erwarten, für die Struktur nur bei einem Drittel
der Gewässer. Für rund ein Drittel der bayerischen Gewässerstrecken gilt die Erreichung
des guten Zustands für die Bewertungskategorien „Struktur“ und „Trophie“ als unwahrscheinlich.
Wegen fehlender aktueller Daten wurden 21 bzw. 33 % der Gewässer bezüglich
der Saprobie und der Struktur als „unklar“ eingestuft.
Bei allen bayerischen Rhöngewässern mit ihren Einzugsgebieten ist die Zielerreichung
bezüglich Saprobie, Trophie und Chemie wahrscheinlich. Defizite bestehen bei der
Aschach und dem Mittellauf der Sinn bezüglich der Struktur. Hier kann nicht von
einer Zielerreichung bis zum Jahr 2015 ausgegangen werden. Unklar war zum Zeitpunkt
der Bestandsaufnahme die Strukturbewertung für die Streu, die Premich, die Lauter,
die Thulba und den Sinn-Oberlauf.
Zielerreichung für alle bayerischen
Rhöngewässer bezüglich Saprobie, Trophie und Chemie wahrscheinlich
Für das hessische Fulda-Diemel-Gebiet konnte zum
Zeitpunkt der Bestandsaufnahme in 2004 fast flächendeckend keine abschließende
Einschätzung der Zielerreichung vorgenommen werden. Im Jahr 2005 wurden gemäß
den neuen Anforderungen an ca. 15 Untersuchungsbereichen die Wirbellosen untersucht.
Zwei der Bereiche wiesen noch Gewässergüteprobleme auf (s. Abb. 82). Im Hinblick auf die Gesamtbewertung
jedoch weist die Fischnährtierlebensgemeinschaft von zwölf der fünfzehn Bereiche
nur einen mäßigen bis schlechten ökologischen Zustand zu.
Positiv hervorzuheben ist die Fulda bei Hettenhausen. Hier bescheinigt die sehr
artenreiche Biozönose dem Gewässerabschnitt uneingeschränkt eine sehr gute ökologische
Qualität.
Neben der Erfassung der Wirbellosen fand 2005 zudem an ca. zehn Untersuchungsbereichen
eine Erfassung der Wasserpflanzen und Kieselalgen statt. Die Ergebnisse an allen
Untersuchungsbereichen deuten auf eine erhöhte Trophie hin.
in 2004 Situation für die
hessische Rhön weitgehend ungeklärt
Im Thüringer Teil des Biosphärenreservats ist lediglich
für einen Oberflächenwasserkörper die Zielerreichung wahrscheinlich. Für drei
weitere Oberflächenwasserkörper gilt die Zielerreichung als gefährdet. Bisher
noch unklar ist die Wahrscheinlichkeit der Zielerreichung für zwei Oberflächenwasserkörper.
im thüringischen Teil Anstrengungen
zur Erreichung des guten Gewässerzustands notwendig
Bewertung
Die Bestandsaufnahme 2004 hat gezeigt, dass viele
Gewässer in Bayern den guten ökologischen Zustand gemäß der WRRL wahrscheinlich
nicht erreichen werden. Die Situation im Biosphärenreservat stellt sich demgegenüber
deutlich besser dar. Defizite bestehen an der Aschach und dem Mittellauf der Sinn
bezüglich der Struktur. Hier kann nicht von einer Zielerreichung bis zum Jahr
2015 ausgegangen werden und es besteht noch umfangreicher Handlungsbedarf.
Einstufung der bayerischen
Rhöngewässer über dem Landesdurchschnitt
Im hessischen Teil des Biosphärenreservats konnte
nach den Ergebnissen der Bestandsaufnahme in 2004 nur für wenige Gewässer abgeschätzt
werden, ob das Ziel der WRRL wahrscheinlich erreicht bzw. verfehlt wird. Für viele
Oberflächenwasserkörper war die Einstufung noch unklar. Das erste Monitoring im
Jahr 2005 mit der biologischen Qualitätskomponente der Wirbellosen ließ für die
bei der ersten Abschätzung in 2004 als unklar oder unwahrscheinlich eingestuften
Wasserkörper die Bewertung eines guten ökologischen Zustandes zu. Dies gilt für
die Wasserkörper der Gewässer Fulda, Haune, Giesel, Taft, Eitra, Solz und Herfebach.
Erstes Monitoring anhand
der Wirbellosen ergab in Hessen deutlich günstigere Bewertung als die Abschätzung
bei der Bestandsaufnahme.
In der thüringischen Rhön hat die Bestandsaufnahme
2004 gezeigt, dass an drei Oberflächenwasserkörpern der gute ökologische Zustand
gemäß der WRRL wahrscheinlich nicht erreicht wird. Hier besteht z. T. noch
umfangreicher Handlungsbedarf. Nur ein Oberflächenwasserkörper wird das Ziel der
WRRL wahrscheinlich erreichen.
Handlungsbedarf in der Thüringer
Rhön
Aktivitäten und Handlungsbedarf
Weitere Schritte zur Umsetzung der Wasserrahmenrichtlinie
Im Vergleich zur bisherigen Praxis haben sich die
Bewertungsmaßstäbe durch die WRRL geändert. Die biologische und chemische Gewässergüte
wurden bisher nach einheitlichen Maßstäben beurteilt. So galt für einen kleinen,
von turbulenter Strömung geprägten Mittelgebirgsbach die Gewässergüteklasse II
(mäßig organisch belastet) genauso wie für einen langsam fließenden Fluss. Die
WRRL fordert bei der Einstufung in eine ökologische Zustandsklasse einen Vergleich
mit einem nahezu unbeeinträchtigten Gewässer gleichen Typs.
Demzufolge werden derzeit auch im Hinblick auf die Gewässergüte die Qualitätsziele
überarbeitet. Insbesondere in den Mittelgebirgsbächen werden aufgrund der turbulenten
Strömung und dem damit einhergehenden starken Sauerstoffeintrag nun höhere Anforderungen
an die Gewässergüte gestellt.
Wasserrahmenrichtlinie formuliert
für Mittelgebirgsbäche höhere Anforderungen an die Gewässergüte.
Die nächsten Arbeitsschritte und der Zeitplan zur
Umsetzung der WRRL sind durch die Richtlinie vorgegeben. Bei Gewässern, deren
Zielerreichung zunächst als „unklar“ eingestuft wurde, waren bis 2006 die fehlenden
Daten zu erheben, um festlegen zu können, ob das Erreichen des „guten ökologischen
Zustands“ bis 2015 wahrscheinlich oder unwahrscheinlich ist.
Darüber hinaus wurden im Laufe des Jahrs 2006 auch Monitoring-Programme für die
gefährdeten Gewässer erarbeitet. Konnte für die Bestandsaufnahme 2004 noch auf
die bisherigen nationalen oder regionalen Messprogramme zurückgegriffen werden,
sind zukünftig z. T. neue Parameter zu erfassen.
Dieses Monitoring umfasst die Biokomponenten Wirbellose,
Wasserpflanzen sowie Kieselalgen und Fische und geht damit weit über die bisher
üblichen biologischen Untersuchungen zur Gewässergüte hinaus.
Auch weitere chemische Untersuchungen und Strukturkartierungen sind vorgesehen,
um die Defizite im Vergleich zum guten Zustand umfassend bewerten zu können. Parallel
zu diesen Überwachungsprogrammen werden bis zum Jahr 2009 Bewirtschaftungspläne
mit Maßnahmenprogrammen für die gefährdeten Oberflächenwasserkörper aufgestellt.
Mit diesen Programmen soll sichergestellt werden, dass die ökologischen Ziele
der WRRL innerhalb eines überschaubaren Zeitrahmens erreicht werden können. Zum
Gelingen ist, neben einer frühzeitigen und umfassenden Öffentlichkeitsbeteiligung,
die Zusammenarbeit von Behörden, Kommunen, Landwirtschaft und Gewässerbenutzern
erforderlich.
Umsetzung der WRRL erfordert
z.T. deutliche Erweiterungen des bisherigen Mess- und Beobachtungsumfangs
Im Überblick
Für viele Gewässer war nach den Ergebnissen der Bestandsaufnahme
in 2004 noch unklar, ob die Ziele der WRRL erreicht werden können oder nicht.
Grund sind vor allem Datenlücken für einzelne Parameter z. B. der Gewässergüte
und der Gewässerstruktur. Die fehlenden Daten sind bis Ende 2006 zu erheben und
der tatsächliche Zustand des Gewässers im Rahmen des Monitorings zwischen 2006
und 2008 zu bestimmen.
Einstufung des Zustands
für viele Gewässer noch unklar
Die WRRL fordert bei der Einstufung in eine ökologische
Zustandsklasse einen Vergleich mit einem nahezu unbeeinträchtigten Gewässer gleichen
Typs. Die biologische und die chemische Gewässergüte werden nicht weiter – wie
bisher üblich – nach einheitlichen Maßstäben beurteilt.
Im Rahmen des Gewässermonitorings werden zukünftig z. T. neue Parameter erfasst.
Das Monitoring beinhaltet zusätzliche Biokomponenten sowie weitere chemische Untersuchungen
und Strukturkartierungen. Damit sollen Defizite im Vergleich zum guten Zustand
umfassend bewertet werden können.
Wasserrahmenrichtlinie
bringt neue Mess- und Bewertungsan-
forderungen mit sich.
[xv] BMU
– Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (Hrsg.) 2004:
Die Wasserrahmenrichtlinie – Neues Fundament für den Gewässerschutz in Europa
– Langfassung. Umweltpolitik. Berlin.
[xvi] EP
– Europäisches Parlament & ER – Rat der Europäischen Gemeinschaften 2000:
Richtlinie 2000/60/EG des Europäischen Parlaments und des Rates vom 23. Oktober
2000 zur Schaffung eines Ordnungsrahmens für Maßnahmen der Gemeinschaft im Bereich
der Wasserpolitik – Wasserrahmenrichtlinie.
[xvii] LfU
– Bayerisches Landesamt für Umwelt 2005: Die Europäische Wasserrahmenrichtlinie
und ihre Umsetzung in Bayern – Bestandsaufnahme 2004. http://www.wasserrahmenrichtlinie.bayern.de/wrrl_live/navigation/show.php3?id=292&nodeid=292&p=
(Abruf: 10.11.2006)