C4 Waldzustand
Der Gesundheitszustand des Walds ist von besonderer Bedeutung
für den Naturhaushalt und die Forstwirtschaft. Um die forstlichen Ressourcen nachhaltig
zu bewirtschaften und sicherzustellen, dass der Wald seine Wohlfahrtfunktionen
erfüllen kann, sind die Bäume gesund zu erhalten. Das bedeutet, dass Schäden auf
Grund von Schadstoffeinträgen, Klimaänderungen oder anderen Störungen weitestgehend
möglich vermieden oder wenigstens verhindert werden sollen. Die forstliche Umweltkontrolle
stellt das erforderliche Instrumentarium für Monitoring und Forschung zur Verfügung.
Foto: Arthur Bauer
Aufgrund der mangelnden
Auswertungsmöglichkeit sind keine spezifischen Bewertungen für das Biosphärenreservat
möglich.
Hintergrund
Der Kronenzustand der Bäume ist der bekannteste und
am längsten verwendete Indikator, um den Gesundheitszustand des Walds auf großer
Fläche und mit einfachen Methoden beschreiben zu können. Hauptmerkmal bei der
jährlichen und systematischen Erhebung des Kronenzustands ist der Verlust an Nadeln
und Blättern (Kronenverlichtung). Zusätzlich werden Auffälligkeiten wie Vergilbungserscheinungen,
Insekten- oder Pilzbefall sowie der Grad der Fruktifikation eingeschätzt.
Die Kronenverlichtung ist als Indikator geeignet, in einer Übersichtserhebung
Belastungen der Wälder und die Veränderungen im Zeitverlauf aufzuzeigen. Für die
Bewertung des Zustands der Wälder ist die Einbeziehung weiterer Erhebungen u.a.
zum Ernährungszustand der Nadeln und Blätter und zum Wachstum der Bäume sowie
zu den Stoffeinträgen und den Witterungsverläufen erforderlich.
Der Kronenzustand der Bäume
ist ein bewährter Weiser für den Gesundheitszustand des Walds.
Zuwachs:
Kap. B4.2
Die Ursachen für den Zustand der Kronen bzw. des
Walds sind komplex.
Die Witterung beeinflusst alle Lebensvorgänge im Wald erheblich. Sie wirkt unmittelbar
auf den Stoffwechsel, die Vitalität und das Wachstum der Waldbäume. Mit dem Niederschlag
und durch die Filterwirkung der Bäume gelangen Schadstoffe in die Wälder. Die
Bodenlebewesen werden ebenso wie Schadorganismen von Temperatur und Niederschlag
beeinflusst. Der Einfluss außergewöhnlich trockener oder auch nasser Jahre wirkt
häufig noch über mehrere Jahre nach.
Veränderungen des Waldzustandes haben i.d.R. komplexe
Ursachen.
Witterung, Schadstoff-
einträge und Schäden durch Insekten und Pilze sind wesentliche
Einflussfaktoren.
Stickstoff- und Säureeinträge beeinträchtigen die
Wälder direkt über die Nadeln und indirekt über den in Folge veränderten Stoffhaushalt
im Boden und Bodenwasser. Wälder filtern aufgrund
ihrer rauen
Kronenoberfläche deutlich mehr Schadstoffe aus als unbewaldete Flächen. Die Stoffeinträge
beeinträchtigen die Filter-, Puffer- und Speicherkapazitäten der Waldböden.
In stofflicher Hinsicht nimmt auch die Ozonkonzentration großen Einfluss auf die
Vitalität der Bäume. Insbesondere in den höheren und emittentenfernen Lagen der
Rhön sind aufgrund der charakteristischen Bildungsprozesse bodennahen Ozons die
Konzentrationen vergleichsweise hoch.
Gesamtstickstoff- und Gesamtsäureeinträge, kritische Eintragsraten:
Kap. C1.2
Ozonkonzentration:
Kap. C11.1
In Zukunft werden auch die mit Klimamodellen vorhergesagten
Klimaveränderungen Auswirkungen auf die Waldgesundheit haben.
Von den Schädlingen sind für die Fichte insbesondere
die Borkenkäfer (Buchdrucker und Kupferstecher) von Bedeutung. Schadereignisse
(Windwurf, Schneebruch) in Verbindung mit heißer und trockener Witterung in den
Sommermonaten fördern ihre Massenvermehrung. Die Bruten entwickeln sich unter
diesen Bedingungen sehr schnell und mit zwei oder sogar drei Generationen in einem
Jahr. Zusätzlich sind die Nadelbäume bei extremer Trockenheit durch verminderten
Harzfluss in ihrer Abwehrkraft geschwächt.
Die Eiche wird insbesondere durch den Eichenwickler, den Schwammspinner, den Eichenprozessionsspinner,
den Großen und Kleinen Frostspanner und die Prachtkäfer geschädigt. Als Folge
des Insektenbefalls können die Eichen vorübergehend in unterschiedlichem Maß ihr
Laub verlieren, bei mehrjährigem und/oder starkem Befall auch absterben.
Ein häufiges Phänomen der Buchenschädigung ist der Besatz mit Weißfäulepilzen,
der typischerweise als Folge eines Befalls mit Buchenstammläusen auftritt. Die
auf diese Weise vorgeschädigten Bäume werden dann von holz- und rindenbrütenden
Sekundärschädlingen wie dem Buchenprachtkäfer, dem Kleinen Buchenborkenkäfer und
dem Buchennutzholzborkenkäfer befallen.
Seit einigen Jahren wird bundesweit die Wurzelhalsfäule an der Erle beobachtet.
Sie wird durch den pilzartigen Erreger Phytophthora alni ausgelöst und
hat bisher zum Absterben von Einzelbäumen und Baumgruppen geführt. Auch in der
Rhön wurde insbesondere an jüngeren Bäumen Phytophtera-Befall festgestellt, so
z. B. an der Fulda in Gersfeld. Die Krankheit ist insofern besonders kritisch,
als die Erle das wichtigste Gehölz für die Stabilität der Gewässerufer ist.
große Schadholzmengen durch Borkenkäferbefall der Fichte:
Kap. B4.2
Borkenkäferfraß an einer Fichte
Foto: TLWJF
uferbegleitende Gehölze:
Kap. C5.2
Datenlage und Informationen
Seit 1983 bzw. 1984 wird der Kronenzustand der Waldbäume
in Deutschland jährlich visuell begutachtet. Die Aufnahme erfolgt in einem
landesweiten systematischen Stichprobennetz mit einem Raster von mindestens 16
x 16 km. In unterschiedlichen Jahren erfolgte in den Bundesländern auch eine
Verdichtung auf ein 4 x 4 km oder 8 x 8 km-Raster. Die Methode blieb seit Beginn
der Inventuren unverändert. Die Aufnahmen sind damit über die Jahre
hinweg objektiv vergleichbar. Die Daten finden nicht nur Eingang in die Berichte
der Länder und des Bundes, sondern auch der EU und der Wirtschaftskommission
der Vereinten Nationen.
Für die drei Länder Bayern, Hessen und Thüringen konnten in der nahen Vergangenheit
nur Daten aus dem Erhebungsjahr 1997 für die länderübergreifende Auswertungherangezogen
werden, da nur in diesem Jahr die drei Länder im 4 x 4 km Raster verdichtet den
Waldzustand erhoben haben. Nur bei einer länderübergreifenden Auswertung der Daten
ist die Zahl der Aufnahmepunkte ausreichend, um statistisch belastbare Aussagen
für das Gebiet des Biosphärenreservats treffen zu können.
In die Auswertung gingen Daten von 51 Aufnahmeflächen mit insgesamt 1.730 Bäumen
(716 Fichten, 135 Kiefern, 84 Lärchen, 519 Buchen, 57 Eichen) ein. Von den 51
Flächen liegen:
- 9 Flächen im bayerischen Teil,
- 24 Flächen im hessischen Teil,
- 8 Flächen im thüringischen Teil.
Aufgrund der notwendigen Beschränkung der Auswertung auf ein einzelnes Jahr sind
keine Aussagen zur Entwicklung des Waldzustands im Biosphärenreservat möglich.
Lediglich Vergleiche mit der jeweiligen landesweiten Situation können gezogen
werden.
Datenhalter:
Landesforstverwaltungen und BMELV
Datenquelle:
Waldzustandserhebung
räumlich: 51 Aufnahmepunkte
zeitlich: 1997
Datenlücken:
nur ein Auswertungsjahr möglich
Foto: TLWJF
Situation und Entwicklung, Bewertung
Im Jahr 1997, in dem in allen drei Teilen des Biosphärenreservats
gleichzeitig der Kronenzustand in ausreichender räumlicher Dichte erfasst wurde,
war die Witterung für die Bäume eher günstig. Fruktifikation, Vergilbung und Schäden
durch blattfressende Insekten waren ohne größeren Belang.
Hinsichtlich des Kronenzustands für den Zeitraum von 1995 bis 2003 war 1997 ein
normales Jahr ohne besondere Auffälligkeiten.
Tab. 68: Anteile der Schadstufen
im Jahr 1997 im Biosphärenreservat
[i]
|
Schadstufe
|
Nadel-/
Blattverlust
|
Biosphären-
reservat (%)
|
Bayern
(%)
|
Hessen
(%)
|
Thüringen
(%)
|
Deutsch-
land (%)
|
|
0
|
ohne Schaden
|
0 bis 10 %
|
33
|
42
|
24
|
24
|
37
|
|
1
|
schwach geschädigt
|
>10 bis 25 %
|
42
|
39
|
43
|
38
|
41
|
|
2
|
mittelstark geschädigt
|
>25 bis 60%
|
25
|
19
|
33
|
38
|
22
|
|
3
|
stark geschädigt
|
>60
|
|
4
|
abge-
storben
|
abge-
storben
|
Kronenzustand im Biosphärenreservat
schlechter als im bayerischen Durchschnitt, aber besser als im hessischen und
thüringischen Durchschnitt
Im Vergleich mit dem Durchschnittwert für Bayern
im Jahr 1997 fällt auf, dass im Biosphärenreservat der Anteil gesunder Bäume (Schadstufe
0) deutlich niedriger, jener stärker geschädigter Bäume (Schadstufen 2,3 und 4)
dagegen höher lag (s. Tab. 68).
Im Vergleich zu Hessen und Thüringen steht das Biosphärenreservat dagegen besser
da.
Für Thüringen gilt, dass
das Schadniveau in Thüringen Anfang bis Mitte der 1990er Jahre im bundesweiten
Vergleich sehr hoch war. Danach hat sich der Waldzustand durch den Rückbau teilweise
veralteter Großindustrie der DDR zunehmend verbessert. In Bayern dagegen war das
Schadniveau in den letzten Jahren im Vergleich zum bundesweiten Schnitt eher niedriger.
Die Fichte ist die Baumart mit den geringsten sichtbaren Schäden.
Am stärksten ist die Baumart Eiche geschädigt.
Die auch im Jahr 2006 noch sichtbaren Auswirkungen des extremen
Trockenjahrs 2003 auf den Kronenzustand dürften auch in der Rhön gegeben sein.
Geschädigte Eiche
Foto: TLWJF
Aktivitäten und Handlungsbedarf
Der gesamte Komplex der Waldschäden verlangt nach
vielfältigen Maßnahmen zu ihrer Minderung. Viele Faktoren, insbesondere diejenigen,
die mit dem Witterungsverlauf zusammenhängen, lassen sich jedoch weder lokal noch
regional beeinflussen. Hier kann das Ziel nur heißen, die negativen Auswirkungen
durch gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung der Wälder zu reduzieren. Dem beschleunigten
Umbau gebietsfremder Bestände zu naturnahen Laubwäldern oder Laubmischwäldern
kommt in diesem Zusammenhang eine besondere Bedeutung zu.
Die Ergebnisse und Informationen aus den Waldzustandsberichten
haben das umweltpolitische Handeln und die Erfolge der Luftreinehaltepolitik seit
Beginn der Waldschadensdiskussion entscheidend mit beeinflusst (z. B. Großfeuerungsanlagen-Verordnung).
Die Notwendigkeit einer jährlichen Waldzustandserhebung ist derzeit in der politischen
Diskussion. Auch die Kosten und die Messintensität der bundesweit eingerichteten
LEVEL II-Stationen (z. B. der bayerische Waldklima- / Waldmessstationen und der
thüringischen Waldmessstationen), an denen mit einem umfassenden Ansatz ergänzend
zum Kronenzustand auch andere ökosystemare Größen erfasst werden, sind momentan
auf dem Prüfstand. Die Messstation Ellenbogen im thüringischen Teil wurde bereits
aufgelassen.
Angesichts des sich abzeichnenden Klimawandels mit seinen ernstzunehmenden Konsequenzen
für die Vitalität unserer Wälder kommt den kontinuierlichen Kronenansprachen und
insbesondere den Messreihen der Waldklimastationen außerordentlich hohe Bedeutung
zu. Diese bieten eine hervorragende wissenschaftliche Basis für die Beurteilung
von Witterungsextremen und die Bewertung ihrer Auswirkungen auf den Wald.
Umweltmonitoring im Wald
ist unverzichtbar, um die anstehenden Zukunftsaufgaben (z. B. Klimawandel) zu
lösen und damit auch den ländlichen Raum zu stärken.
Klimawandel und Forstwirtschaft:
Kap. C10.2
Im Überblick
Aussagen zum Kronenzustand der Waldbäume im Biosphärenreservat
sind auf der Grundlage der verfügbaren Daten nur in Grenzen möglich. Im Erhebungsjahr
1997 lag der Anteil gesunder Bäume bei 33%, der schwach geschädigter Bäume bei
42% und der stärker geschädigter Bäume (Schadstufen 2,3 und 4) bei 25%.
Im Biosphärenreservat stellt sich die Situation weniger günstig dar als im bayerischen
Landesdurchschnitt, dagegen günstiger als im hessischen und thüringischen Landesschnitt.
in 1997 Anteil gesunder
Bäume 33%, Anteil stark geschädigter Bäume 25%
Das forstliche Umweltmonitoring mit all seinen Komponenten
muss auch weiterhin kontinuierlich und auf hohem Niveau stattfinden. Dies gilt
insbesondere, aber nicht nur, wegen des mittlerweile unübersehbaren Klimawandels
mit allen seinen einschneidenden Folgen für die Wälder.
Differenziertes forstliches
Umweltmonitoring muss fortgeführt werden.
[i] Daten
für Deutschland: Bundesministerium für Verbraucherschutz, Ernährung und Landwirtschaft
2003: Bericht über den Zustand des Waldes 2003 – Ergebnisse des forstlichen Umweltmonitorings.
Bonn
Daten für die Länder: Waldzustandsberichte der Länder.