C1.3 Eutrophierung und Versauerung von Böden
Hintergrund
Einträge von Säuren und Stickstoff haben Auswirkungen
auf das Bodenleben und die Stoffwechselprozesse, die in Böden ablaufen. Auf landwirtschaftlichen
Flächen spielen die luftbürtigen Einträge, insbesondere wenn die Flächen relativ
intensiv bewirtschaftet werden, eine nur untergeordnete Rolle. Auf nicht oder
nur extensiv bewirtschafteten Flächen, auf denen keine oder nur in sehr geringem
Umfang Düngemittel ausgebracht werden, kann der Eintrag über den Luftweg einen
bedeutenderen Einfluss auf die landwirtschaftlichen Böden haben.
Stoffwechselprozesse in Böden
werden von stofflichen Einträgen wesentlich bestimmt.
Für Waldböden ist bekannt, dass aufgrund der luftbürtigen
Einträge ein sukzessiver Versauerungsprozess mit Verarmung an Basen wie Kalzium,
Magnesium und Kalium bei gleichzeitiger Anreicherung von Nährstoffen (insbesondere
Nitrat) im Gange ist. Auf den von Natur aus ärmeren Waldböden führt dies zu einer
Unterversorgung mit den für Pflanzen wichtigen Nährelementen. Bei Erschöpfung
der Puffer- bzw. Aufnahmekapazitäten der Böden haben diese Prozesse Konsequenzen
für das Grundwasser.
Datenlage und Informationen
Im Rahmen der Düngeberatung werden in allen Teilen
Hessens bei den unterschiedlichen Kulturarten Bodenuntersuchungen zum pH-Wert
sowie zu den Gehalten an Phosphor, Kalium und Magnesium auf landwirtschaftlichen
Flächen durchgeführt. Auswertbar sind Ergebnisse von 13.406 Bodenproben der Jahre
1991 bis 2004 aus dem hessischen Teil des Biosphärenreservats, namentlich aus
den Gemeinden Burghaun, Dipperz, Ebersburg, Ehrenberg, Eiterfeld, Gersfeld, Hilders,
Hofbieber, Hünfeld, Nüsttal, Poppenhausen, Rasdorf, Tann, Hohenroda, Schenklengsfeld,
Friedewald und Haunetal.
Die zu Zwecken der Düngeberatung durchgeführte Bodenbeprobung dient nicht in erster
Linie der systematischen Erfassung der Nährstoffsituation im Biosphärenreservat,
sondern der produktionstechnischen Beratung von Landwirten im Rahmen der Düngeverordnung.
Die sehr unterschiedliche Probenzahl in den einzelnen Jahren spiegelt daher die
wechselnde Inanspruchnahme der landwirtschaftlichen Beratung bzw. den Erfolg besonderer
Beratungsschwerpunkte wieder und schränkt die Aussagekraft bezüglich der Entwicklung
der Nährstoffsituation des hier gewählten Zielgebiets ein. Das gilt auch für die
ungleichmäßige Verteilung der Probeflächen. Trotz dieser Unzulänglichkeiten lassen
sich die Daten jedoch, nicht zuletzt wegen der stattlichen Probenanzahl, mit der
gebotenen Vorsicht im Hinblick auf die Landnutzung und ihren Einfluss auf den
Nährstoffgehalt der Böden im Biosphärenreservat interpretieren.
Datenhalter:
HE: LLH, LHL
Datenquelle:
Bodenuntersuchungen im Rahmen der Düngeberatung
räumlich: punktuell in ganz Hessen, 13.406 Bodenproben im hessischen Teil des
Biosphärenreservats
zeitlich: 1991 - 2004
Datenlücken:
keine systematische Erfassung, von Jahr zu Jahr stark schwankende Probenanzahl
In Thüringen werden seit 1996 508 repräsentativ ausgewählte
landwirtschaftliche Flächen (davon 98 Grünlandflächen, 25 Ökoanbauflächen und
385 konventionell bewirtschaftete Ackerflächen) jährlich auf Grundnährstoffe und
in größeren zeitlichen Abständen auf Mikronährstoffe hin untersucht.
Von diesen Flächen liegen acht Ackerflächen im Thüringer Teil des Biosphärenreservats,
drei davon auf Buntsandstein, drei auf Muschelkalk und je eine auf Röt und Keuper.
Datenhalter:
TH: TLL
Datenquelle:
Nährstoffdynamik-
Dauertestflächen
räumlich: 8 Ackerflächen
zeitlich: 1996-2005
Datenlücken:
keine
Aus dem thüringischen Teil des Biosphärenreservats
gibt es Untersuchungen eines zusammenhängenden Grünlandgebiets in der Vorderen
Rhön (Nordostabdachung der Hohen Rhön), das vollständig nach KULAP bewirtschaftet
wird. Hauptnutzungszweige sind Färsenaufzucht und Milchproduktion. Das Untersuchungsgebiet
hat eine Größe von 757,5 ha und umfasst die Fluren mehrerer Ortschaften. Entsprechend
der kleinräumig variierenden geologischen Verhältnisse in dem Gebiet sind auch
die Bodenverhältnisse sehr unterschiedlich.
Ziel der Bodenuntersuchung war es, die Auswirkungen der bisherigen Wirtschaftsweise
auf die Bodennährstoffversorgung zu dokumentieren und zu bewerten. Um die Bodennährstoffversorgung
zu ermitteln, waren bereits im Jahr 1999 Bodenproben gezogen worden.
Datenhalter:
TH: TLL
Datenquelle:
Sonderuntersuchungen
räumlich: Grünlandgebiet in Vorderen Rhön
zeitlich: 1986, 1999
Datenlücken:
keine systematische Erfassung
In Thüringen sind zur Zeit
33 Bodendauerbeobachtungsflächen (BDF) eingerichtet. Sie werden in Kooperation
der Thüringer Landesanstalt für Umwelt und Geologie (TLUG), Thüringer Landesanstalt
für Landwirtschaft (TLL) sowie Thüringer Landesanstalt für Wald, Jagd und Fischerei
(TLWJF) betrieben. Auf den Flächen werden bodenchemische, bodenphysikalische und
bodenmikrobiologische Untersuchungen durchgeführt. Für die Auswahl der Flächen
waren die Kriterien Landschafts-, Boden-, Nutzungs- und Belastungsrepräsentanz
ausschlaggebend. Die zwei in der Rhön liegenden BDF repräsentieren im landesweiten
Netz der TLL (14 BDF) die extensiv genutzten Gründlandstandorte. Darüber hinaus
haben sie auch innerhalb des thüringischen Teils des Biosphärenreservats durchaus
eine hohe Repräsentativität für die dortigen Grünlandstandorte. Die BDF Kaltenwestheim
ist ein Rendzina-, die BDF Frankenheim ein Braunerde-Standort.
Datenhalter:
TH: TLL, TLUG, TLWJF
Datenquelle:
Bodendauerbeobach-
tungsflächen (BDF)
räumlich: Kaltenwestheim, Frankenheim
zeitlich: 1994 - 2005
Datenlücken:
keine
Für die nicht landwirtschaftlich genutzten Böden
in der Rhön gib es Daten von den bundesweit eingerichteten Bodendauerbeobachtungsflächen
(BDF). Des weiteren liegen bundesweit Daten der Bodenzustandserhebung 1 (BZE1
von 1988 bis 1993) vor. Dabei wurden Bodenprofile in einem 8 x 8 km Raster angelegt
und nach einem einheitlichen Verfahren Bodenproben analysiert. In den Jahren 2006
bis 2008 läuft die BZE 2. Diese Inventur erlaubt erste Aussagen zur zeitlichen
Dynamik von Bodenprozessen. Teilweise handelt es sich bei der BZE 2 aber auch
um eine Erstinventur (z. B. in Bayern wegen der Anlehnung des Stichprobenrasters
an die Bundeswaldinventur).
Neben Dauerbeobachtungsflächen im Wald werden im Rahmen der Standortserkundung
so genannte Leitprofile angelegt und analysiert. Dies erfolgt in den beteiligten
Ländern nach eigenständigen Verfahren. Da in Hessen die Daten der Profilbeschreibungen
und Bodenanalysen aus der Standortserkundung im Format der BZE abgelegt werden,
können diese gemeinsam ausgewertet werden. Zurzeit liegen im Waldteil von Hessen
27 Profilbeschreibungen und Analyseergebnisse vor.
Das Ergebnis der Standortserkundung im Wald wird in einer Standortstypenkarte
festgehalten. Im hessischen Teil der Rhön liegt für den Staats- und Kommunalwald
eine flächendeckende Standortskartierung vor. Ein großer Teil des Privatwalds
verfügt ebenfalls über eine Standortskartierung. Der Standortstypenkarte können
Informationen aus den Bereichen Klima, Geländewasserhaushalt (Wasserspeichervermögen
des Bodens) und Nährstoffausstattung des Bodens entnommen werden. Sie beschreibt
somit den Pflanzenstandort, indem Bereiche mit ähnlichen Eigenschaften von anderen
Bereichen abgegrenzt werden. Neben diesem Hauptzweck können der Standortstypenkarte
auch weitere umweltrelevante Informationen entnommen werden, wie z. B. die
flächenhafte Ausdehnung besonders versauerungsgefährdeter Bereiche. Die Standortstypenkarte
kann zur Regionalisierung von Umweltdaten herangezogen werden, die im Rahmen einer
Stichprobeninventur erhoben wurden.
Datenhalter:
HE: Hessen-Forst FENA,
NW-FVA
Datenquelle:
Bodenzustandserhebung
räumlich: bundeseinheitliche Stichprobeninventur im 8 km x 8km Raster,
zeitlich: 1988 bis 1992 sowie 2006 bis 2008
Standortserkundung
zeitlich: hessisches Verfahren von 1961
Datenlücken:
keine
Für Auswertungen weiterer umfangreich vorliegender
Bodendaten für den Umweltbericht Rhön bestanden in den drei Ländern jedoch keine
Kapazitäten. Abb. 48 gibt einen
Überblick über die Bodenbeobachtungsflächen und die Bodenuntersuchungen im Wald
im Biosphärenreservat.
Nährstoffversorgung von Grünland
Die im Biosphärenreservat bevorzugten Landbewirtschaftungsformen
lassen grundsätzlich eher eine Nährstoffverarmung als eine -anreicherung im Boden
erwarten. Dementsprechend zeigen auch die Ergebnisse der hessischen Bodenuntersuchungen,
dass seit Beginn der 1990er Jahre, dem Zeitpunkt der Ausweisung des Biosphärenreservats,
der Flächenanteil mit sehr niedriger bzw. niedriger Nährstoffversorgung zugenommen
hat. Bei deutlichen, vornehmlich witterungsbedingten Jahresschwankungen ist dieser
Trend besonders bei der Verfügbarkeit von Phosphor zu beobachten. Dort hat sich
der Anteil unzureichend versorgter Probeflächen im Beobachtungszeitraum mehr als
verdoppelt (s.
Abb. 49).
Der Phosphorgehalt der Böden ist ganz wesentlich
durch die Düngung beeinflusst. Außerdem ist der Phosphor-Kreislauf in viehhaltenden
(Grünland-) Betrieben häufig geschlossen. Dem geringen Phosphor-Export mit Milch
und Fleisch steht meist ein nennenswerter Phosphor-Import mit Zukauffuttermitteln
gegenüber. Nur die Differenz aus Phosphor-Import und -Export wird mit mineralischer
P-Düngung ausgeglichen.
Die deutliche Zunahme der mit Phosphor unterversorgten Grünlandflächen kann als
Folge reduzierter Bewirtschaftungsintensität des Grünlands im hessischen Teil
des Biosphärenreservats gewertet werden. Komponenten der reduzierten Bewirtschaftungsintensität
sind:
- die rückläufige Zahl der (mit Kraftfutter versorgten) Milchkühe,
- die steigende Anzahl von Mutterkühen (mit geringerem Kraftfuttereinsatz) und
- insgesamt sinkende Tierzahlen, womit ein geringerer Futterbedarf und ein
niedrigeres Düngungsniveau verbunden sind.
seit Anerkennung des Biosphärenreservats
deutliche Zunahme der mit Phosphor unterversorgter Grünlandflächen im hessischen
Teil ...
Tendenziell gilt das auch für die Versorgung mit
Kalium, jedoch in abgeschwächter Form, weil die Verfügbarkeit von Kalium im Boden
neben der Düngung auch stärker vom Ausgangsgestein abhängig ist (s. Abb. 49). Die in den Grünlandgebieten
des Biosphärenreservats vorherrschenden Basaltverwitterungsböden liefern naturgemäß
Kalium nach. Die reduzierte Bewirtschaftungsintensität des Grünlands schlägt sich
deshalb beim Kalium weniger deutlich in der Bodenversorgung nieder. Dennoch nahm
der Anteil untersuchter Flächen mit sehr niedrigem und niedrigem Kaliumgehalt
im Boden während des Beobachtungszeitraums um rund 10 % zu. Etwas stärker
wächst der Anteil von Flächen mit suboptimalem, d.h. eher saurem pH-Wert, was
hauptsächlich auf vernachlässigte Kalkung zurückzuführen sein dürfte (s. Abb.
49 ).
... vergleichbare Situation
bezüglich der Kaliumversorgung
Böden aus Magnesium-reichen magmatischen Gesteinen
wie Basalt weisen naturgemäß einen hohen Magnesiumgehalt auf. Der Anteil der Gehaltsklassen
A und B für Magnesium liegt daher
unter 5 %.
Abb. 49:
Grünland-Flächenanteil im hessischen Teil des Biosphärenreservats mit niedriger
und sehr niedriger Nährstoffversorgung und niedrigem pH-Wert (Gehaltsklassen A
und B)
Die Darstellung der Nährstoffgehalte für die Landwirtschaftliche
Praxis erfolgt üblicherweise in Form von Gehaltsklassen von
A bis D. Darin stehen die Klassen A und B für sehr niedrigen bzw. niedrigen, die
Klasse C für mittleren, die Klassen D und E für hohen bzw. sehr hohen Nährstoffgehalt.
Im Falle des pH-Werts steht die Klasse A für erforderliche
Gesundungskalkung, B für Aufkalkung, C für Erhaltungskalkung und D für nicht kalkbedürftig.
Die jeweiligen Grenze für die Klassen werden in Abhängigkeit von der Bodenart
festgelegt.
Zu ähnlichen Befunden kommen die Untersuchungen im
thüringischen Teil des Biosphärenreservats sowohl bezüglich des Stickstoff- als
auch des Phosphorgehalts.
Auf den beiden Bodendauerbeobachtungsflächen im Gründlandbereich Kaltenwestheim
und Frankenheim liegen die Stickstoffgehalte – wie wegen der Beibehaltung des
außerordentlich extensiven Nutzungsregimes nicht anders zu erwarten – auf niedrigem
Niveau (d. h. unter <1 % der Boden-Trockenmasse) und haben insbesondere
zwischen 1999 und 2004 abgenommen (s. Abb. 50).
Abb. 50:
Abnahme der Gesamt-Stickstoffgehalte auf den Bodendauerbeobachtungsflächen in
Frankenheim und Kaltenwestheim
in unterschiedlichen Bodentiefen
abnehmende Stickstoffgehalte in extensiv bewirtschafteten
Grünlandböden im thüringischen Teil
Auch die Analyse des leicht pflanzenverfügbaren Stickstoffs
(Nmin) zeigt wegen der anhaltend extensiven Nutzung eine Tendenz zur Abnahme der
Werte (s. Abb. 51).
Abb. 51: Entwicklung der Nmin-Gehalte (Frühjahr-
und Herbstmessungen in einer Bodentiefe von 0-9 dm) an den BDF Frankenheim und
Kaltenwestheim
Vergleichbar dem Stickstoff ist die Situation bei
den Gehalten an pflanzenaufnehmbarem Phosphor. Auch diese Werte spiegeln auf den
beiden Bodendauerbeobachtungsflächen die anhaltende Aushagerung des Bodens wider.
Die sehr niedrigen Gehalte liegen im Bereich der Gehaltsklasse A (s.o.), die keine
nachhaltige Grünlandnutzung mehr zulässt. Ein Entwicklungstrend ist nicht ersichtlich.
Auch Untersuchungen auf einem zusammenhängenden 757,5
ha großen Grünlandgebiet in der Vorderen Rhön, das vollständig im Rahmen des KULAP
bewirtschaftet wird, bestätigen die sukzessive Verarmung der extensiv bewirtschafteten
Böden an Nährstoffen. Auf den Flächen wurde in den letzten Jahren auf eine Grunddüngung
mit Phosphor und Kali verzichtet.
Der Flächenanteil, welcher der Phosphor-Gehaltsklasse B angehört, ist von 19,9 %
im Jahr 1986 auf 60,2 % im Jahr 1999 angestiegen. Flächen mit Einstufung
in die Klasse „E“ (sehr gute Versorgung) gab es nur noch im Jahr 1986 (s. Abb.
52). Im Durchschnitt haben die Phosphor-Gehalte von 1986 zu 1999 um 3,8
mg / 100 g Boden abgenommen.
auch im thüringischen Teil
Grünlandböden mit Phosphor unterversorgt
Der Entwicklungsverlauf der K-Gehalte ist ähnlich
dem der P-Gehalte. Zwischen 1986 und 1999 nahm der Anteil der mittleren bis sehr
hohen Kalium-Gehaltsklassen (C bis E) von 97,4 % auf 42,4 % ab.
Abb. 52: Veränderung der
Flächenanteile in den Phosphor-Gehaltsklassen in einem thüringischen Grünlandgebiet
Nährstoffversorgung von Ackerland
Auf den Ackerflächen ergibt sich zumindest im hessischen
Teil des Biosphärenreservats ein anderes Bild der Versorgungssituation. Zwar ist
seit Bestehen des Biosphärenreservats bei der Versorgung der untersuchten Böden
mit Phosphor auch hier eine Zunahme der Gehaltsklassen A und B festzustellen.
Doch es handelt sich allenfalls um einen schwachen Trend. Auch am Ende des Beobachtungszeitraums
sind noch über 80 % der untersuchten Ackerflächen mittel bis sehr gut, jedenfalls
ausreichend mit Phosphor versorgt. Die Anteile der Gehaltsklassen A und B bei
Kalium- und Magnesium veränderten sich kaum. Der Probenanteil mit unzureichendem
pH-Wert war sogar leicht rückläufig.
Daraus lässt sich ableiten, dass sich, anders als bei der Grünlandbewirtschaftung,
während der Zeit des Bestehens des Biosphärenreservats die Bewirtschaftungs-
bzw. Düngeintensität im Ackerbau im hessischen Teil des Biosphärenreservats
nicht nachhaltig verändert hat.
Trend der Nährstoffverarmung auf den Ackerflächen
im Biosphärenreservat deutlich geringer als im Grünland
Abb. 53: Acker-Flächenanteil im hessischen Teil
des Biosphärenreservats mit niedriger und sehr niedriger Nährstoffversorgung
und niedrigem pH-Wert (Gehaltsklassen A und B)
Tab. 56:
Nährstoffgehaltsklassen auf
acht Ackerflächen in der Thüringer
Rhön (2005)
|
Gehaltsklasse
|
pH
|
P
|
K
|
Mg
|
|
E
|
1
|
2
|
-
|
3
|
|
D
|
3
|
4
|
4
|
3
|
|
C
|
4
|
2
|
2
|
2
|
|
B
|
-
|
-
|
2
|
-
|
|
A
|
-
|
-
|
-
|
-
|
Acht ausgewählte Testflächen auf Ackerland im Thüringer Teil des Biosphärenreservats weisen nach wie vor
eine gute Kalk-, Phosphor- und Magnesiumversorgung in den Gehaltsklassen C
bis E auf (s. Tab. 56). Die Kaliumgehalte schwanken zwischen den
Gehaltsklassen B und D. Die Stickstoffdüngung des Ackerlands erfolgt
weitgehend bedarfsgerecht.
Aufgrund der unterschiedlichen geologischen Voraussetzungen
sind die Böden im Biosphärenreservat Rhön nicht gleichermaßen von Versauerung
betroffen. Am weitesten verbreitet sind versauerungsempfindliche Böden im hessischen
Teil des Biosphärenreservats mit den Ausgangssubstraten Löss, Buntsandstein und
Bimstuff sowie im Südteil bzw. Südostteil der bayerischen Rhön. So liegt bei acht
untersuchten Bodenprofilen auf Buntsandsteinstandorten im hessischen Teil der
Rhön eine tiefgreifende Bodenversauerung, d.h. bis weit über 60 cm Bodentiefe,
vor. Auf den grundsätzlich besser Säure puffernden Basaltstandorten konnten bereits
an vier von 12 Bodenprofilen stärkere Bodenversauerungserscheinungen im Oberboden
(bis 30 cm Tiefe) festgestellt werden.
Im Thüringer Teil der Rhön kommen versauerungsempfindliche Böden dagegen deutlich
kleinflächiger vor.
Bodenuntersuchungen an der bayerischen Waldklimastation Bad Brückenau (Kellerstein),
die auf einer Bastaltkuppe gelegen ist, zeigen trotz des an sich gut nährstoff-
und basenversorgten Bodens für den Oberboden pH-Werte von unter 4. Im Untergrund
bewegt sich der pH-Wert um 5. Mit pH-Werten von 4 liegen die Böden bereits im
kritischen Bereich, in dem Aluminium im Boden mobilisiert und in Folge auch Schwermetalle
mit dem Sickerwasser aus dem Boden ausgetragen werden können.
Entsprechende Untersuchungen an Böden aus Laacher Bimstuff oder Buntsandsteinmaterial
im hessischen Teil des Biosphärenreservats weisen noch deutlich niedrigere pH-Werte
auf. Auch liegen dort die Basensättigungswerte, ein besonders guter Indikator
zur Interpretation der vorliegenden Bodenversauerung, in einem kritischen Bereich
(unter 15 % der Austauscherbelegung).
Versauerung von Waldböden
auf versauerungs-
empfindlichen Standorten z.T. kritisch
Versauerungsprozesse lassen sich auch im Grünland
insbesondere auf versauerungsempfindlichen Böden im bayerischen und hessischen
Teil des Biosphärenreservats beobachten (s. Abb. 47
). Auf Ackerstandorten werden Säureeinträge
in der Regel durch Maßnahmen der Aufkalkung der Flächen ausgeglichen (s.
Abb.
53 ).
In der Thüringer Rhön zeichnen sich viele Ackerstandorte geogen bedingt durch
eine gute Kalkversorgung aus. Untersuchungen auf acht Acker-Testflächen im thüringischen
Teil des Biosphärenreservats haben ergeben, dass zwischen 1996 und 2005 die pH-Werte
in der Tendenz angestiegen sind. Die Notwendigkeit einer Aufkalkung der Flächen
ist daher gering. Dies bedeutet jedoch nicht, dass es auch im thüringischen Teil
des Biosphärenreservats einzelne Betriebe gibt, deren Ackerflächen kalkbedürftig
sind.
Bewertung
Die im Biosphärenreservat präferierte Form der extensiven
Landbewirtschaftung hat deutliche Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung insbesondere
von Grünland. Sowohl die Stickstoff- als auch die Phosphorgehalte der Böden sind
in den letzten Jahren zurückgegangen.
In Anbetracht des Ziels, die nährstoffarmen Standorte zu erhalten, ist diese Entwicklung
grundsätzlich positiv zu bewerten. Allerdings geraten einige landwirtschaftliche
Flächen aufgrund der fortgesetzten Aushagerung des Grünlands inzwischen bereits
an die Grenzen ihrer nachhaltigen Nutzbarkeit, da eine die Ernteentzüge ausgleichende
Grunddüngung seit Jahren unterbleibt, und die natürliche Bodenfruchtbarkeit nicht
erhalten werden kann.
Dieser Prozess kann auch aus naturschutzfachlicher Sicht nachteilig sein. So ist
vom thüringischen Teil bekannt, dass inzwischen infolge der Aushagerung im Grünland
naturschutzfachlich wertvolle Goldhaferwiesen verschwinden und sich die Flächen
zu Rotschwingelrasen, auf sauren Standorten auch zu Borstgrasrasen entwickeln.
Um die Vielfalt unterschiedlicher Vegetationstypen im Grünland zu erhalten und
eine weitergehende Verschlechterung der Qualität und Quantität der Aufwüchse zu
vermeiden, ist - zumindest auf einigen Flächen - die Wiederaufnahme einer landwirtschaftlichen
Grunddüngung erforderlich.
Im Ackerbau hat die Anerkennung des Biosphärenreservats offensichtlich die Art
der Bewirtschaftung nur wenig beeinflusst.
Erhaltung nährstoffarmer
Böden liegt im Interesse des Biosphärenreservats, dennoch muss nachhaltige landwirtschaftliche
Nutzbarkeit der Böden sichergestellt werden.
Um die Vielfalt unterschiedlicher Nutzungstypen insbesondere
von Grünland im Biosphärenreservat sicherzustellen, sollte die Strategie der konsequenten
Extensivierung in Zukunft zumindest z. T. differenziert werden. Um die nachhaltige
Bewirtschaftbarkeit des auch naturschutzfachlich wertvollen Wirtschaftsgrünlands,
und hierzu zählen in erster Linie die Goldhaferwiesen und mäßig intensiven Glatthaferwiesen,
zu gewährleisten, wäre auf einigen Flächen die Wiederaufnahme einer landwirtschaftlichen
Grunddüngung erforderlich.
In Thüringen wurde vor diesem Hintergrund für den KULAP-Programmteil C (Naturschutzkonforme
Grünland-Biotoppflege) für die derzeit laufende Förderphase (2000 bis 2006) die
Möglichkeit geschaffen, mit Ausnahmegenehmigung der zuständigen Naturschutzbehörde
Düngungsmaßnahmen durchzuführen.
Strategie der konsequenten
Extensivierung muss differenziert werden
Entwicklung der Goldhafer- und Glatthaferwiesen:
Kap. C8.2
KULAP Thüringen:
Kap. B3.2
Die aus vielfältigen anderen
Gründen im Biosphärenreservat ergriffenen Maßnahmen des Umbaus von nadelbaumdominierten
Beständen zu Wäldern mit deutlich stärkerer Beteiligung von Buche und Edellaubbäumen
dienen indirekt auch dem Ziel, die nachteiligen Folgen der Überschreitung kritischer
Eintragsraten von Stickstoff in den Waldökosystemen auf Böden und Grundwasser
zu reduzieren. Laubbäume filtern in deutlich geringerem Umfang Schadstoffe aus
der Luft aus als die immergrünen Nadelbäume.
Für Waldböden in Trinkwassereinzugsgebieten wird
generell ein pH-Wert von über 4,5 bis 5,0 bzw. eine Basensättigung am Austauscher
von über 15 % angestrebt, um Säureeinträge abzupuffern und eine Auswaschung
von Schwermetallen weitgehend zu verhindern.
Im Überblick
Die für das Biosphärenreservat präferierte Form der
extensiven Landbewirtschaftung hat deutliche Auswirkungen auf die Nährstoffversorgung
der landwirtschaftlich genutzten Flächen. Innerhalb der zurückliegenden fast 15
Jahren hat sich der Anteil von Böden mit niedriger und sehr niedriger Phosphorversorgung
annähernd verdoppelt. Die Ergebnisse aus der Berechnung der Stickstoff-Saldi,
die für den thüringischen Teil vorliegen, zeigen, dass auch im Bereich der Stickstoffversorgung
keine relevanten Nährstoffüberhänge mehr bestehen.
Deutlich weniger dramatisch verläuft die Aushagerung der Ackerstandorte.
auf Grünlandböden deutliche
Auswirkungen der extensiven Bewirtschaftung im Biosphärenreservat erkennbar
Die nachhaltige Sicherung der landwirtschaftlichen
Nutzbarkeit des Wirtschaftsgrünlands und der Äcker gehört zu den Zielen des Biosphärenreservats.
Daher ist eine Differenzierung der bisher sehr konsequent betriebenen Extensivierungsstrategie
erforderlich, letztendlich auch um den Zielen des Naturschutzes, eine große Vielfalt
unterschiedlicher Nutzungsformen zu erhalten, zu entsprechen.
Strategie der konsequenten
Extensivierung muss differenziert werden.
Das Problem einer Eutrophierung und / oder Versauerung
von Böden stellt sich mit deutlichem Schwerpunkt im Wald und für das nicht landwirtschaftlich
genutzte Offenland. Auch wenn hierzu keine Daten für den Umweltbericht ausgewertet
werden konnten, muss doch in Anbetracht von Überschreitungen der kritischen Eintragsraten
zumindest an einigen besonders sensiblen Standorten vom Risiko einer Beeinträchtigung
von Böden ausgegangen werden.
Problem einer Eutrophierung
und / oder Versauerung ist im Wesentlichen auf Böden im Wald und des nicht landwirtschaftlich
genutzten Offenlands beschränkt.