B2 Wirtschaft und Arbeitsmarkt
Das Biosphärenreservat ist Lebens- und
Wirtschaftsraum für die Menschen. Neben einem lebenswerten Umfeld ist die
Verfügbarkeit attraktiver Arbeitsplätze einer der Grundvoraussetzungen, dass
die Menschen dauerhaft in der Rhön bleiben und nicht in benachbarte Zentren abwandern.
Die Rhön ist Teil des ländlichen Raums und
wie andere ländliche Räume Deutschlands mit Strukturproblemen wie Abwanderung
und Verlust qualifizierter Arbeitsplätze konfrontiert. Das Biosphärenreservat
soll hier wirtschaftliche Impulse für die Entwicklung der Region geben.
Foto: Eva-Maria Bichler-Öttl
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
zeigt im Biosphärenreservat eine rückläufige Tendenz.
Hintergrund
Das Biosphärenreservat Rhön umfasst einen ländlich strukturierten
Raum mit geringer Wirtschaftskraft und Schwächen in der Erwerbsstruktur. Dies
äußert sich u.a. in einer geringen Ausstattung mit Arbeitsplätzen, einer hohen
Quote von Berufspendlern und einer ungünstigen Branchenstruktur.
Trotz ähnlicher struktureller Gegebenheiten ist das Biosphärenreservat
nicht als ein einheitlicher Wirtschaftsraum zu betrachten. Vielmehr setzt es sich
aus drei Teilräumen zusammen, deren Abgrenzung annähernd den Landesgrenzen entspricht.
Diese drei Teilräume sind stark außenorientiert, d.h. abhängig von umliegenden
Zentren und Entwicklungsachsen. Ein hoher Anteil der Erwerbstätigen in Dienstleistung
und produzierendem Gewerbe pendelt zu den regional bedeutsamen Arbeitsmärkten
in Fulda, Meiningen, Bad Neustadt a. d. Saale und Schweinfurt, aber
auch nach Frankfurt a. Main und sogar bis Erlangen/Fürth/Nürnberg. Die Wohnfunktion
hat in der Rhön grundsätzlich ein höheres Gewicht als die Arbeitsfunktion.
Wie in anderen Regionen bringt der Trend zur Trennung von Wohn-
und Arbeitsort neben soziokulturellen auch ökologische Belastungen mit sich, u.a.
durch das damit verbundene Verkehrsaufkommen.
[i]
Rhön: ländlich strukturierter
Raum mit geringer Wirtschaftskraft und Schwächen in der Erwerbsstruktur
Entwicklung des Verkehrsaufkommens in der Rhön:
Kap. B7
Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten werden
von den Agenturen für Arbeit erhoben. Die Beschäftigtenzahlen auf Ebene der Landkreise
stehen im Internetangebot der Arbeitsagenturen seit dem Jahr 1994 bzw. für Thüringen
seit 1996 zur Verfügung
[ii]. Mit den Landkreisdaten sind allerdings keine für das Biosphärenreservat
spezifizierten Aussagen möglich. Die Statistik der Arbeitsagenturen bietet sich
aber in jedem Fall als Datenquelle für zukünftige Auswertungen an. Seit der Arbeitsmarktreform
in 2005 werden die Daten auf Gemeindeebene erfasst und veröffentlicht. Damit sind
künftig Analysen für das Gebiet des Biosphärenreservats möglich.
Für Bayern und Hessen werden durch die statistischen Landesämter
Auswertungen der Daten für die Gemeindeebene erarbeitet. Daten zu den bayerischen
Gemeinden stehen im Internetangebot des statistischen Landesamts zur Verfügung.
Die hessischen Daten sind kostenpflichtig. Für Thüringen konnte keine Datenquelle
für die Gemeindeebene ermittelt werden.
Der in der Statistik erfasste Personenkreis umfasst überwiegend
Arbeitnehmer, die zur Entrichtung von Sozialversicherungsbeiträgen verpflichtet
sind. In seltenen Ausnahmefällen können darunter auch Selbständige sowie Wehr-
und Zivildienstleistende fallen. Der weitaus überwiegende Teil der Selbständigen,
mithelfende Familienangehörige und Beamte werden nicht erfasst
[iii].
Einige Branchen, z. B. die Landwirtschaft, können dadurch
im Verhältnis zu ihrer tatsächlichen Rolle für die Erwerbstätigkeit unterschätzt
werden. Auch kann die Statistik keine Aussagen über Kleinst- und Einzelunternehmen
liefern, die in der Rhön, u. a. auch im Zusammenhang mit den vorhandenen
Gründerzentren, eine Rolle spielen. Rückschlüsse auf die Situation der Erwerbstätigkeit
und das Angebot an Arbeitsplätzen sind dennoch möglich.
Die Daten zu den sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
werden in der Statistik sowohl nach dem jeweiligen Arbeitsort als auch nach dem
jeweiligen Wohnort geführt. Für die Auswertungen werden die Zahlen der Beschäftigten
am Arbeitsort verwendet, d. h. der Gemeinde, in welcher der Betrieb liegt.
Neben den gesamten Beschäftigtenzahlen ist zur Untersuchung
der Branchenstruktur die Verteilung der Beschäftigten auf die Wirtschaftsbereiche
wichtig. Aufgrund von Datenschutzbestimmungen sind die Daten auf Gemeindeebene
allerdings nicht vollständig verfügbar.
Für Bayern liegen die Daten für 1991 und als lückenlose Zeitreihe
von 1993 bis 2004 vor. Für Hessen konnten aufgrund der Kostenpflicht nur Daten
für die Jahre 1991, 2000, 2001 und 2003 beschafft und ausgewertet werden. Für
Thüringen liegen keine Daten auf Gemeindeebene vor.
Datenhalter:
Agenturen für Arbeit, Statistische Landesämter
Datenquelle:
Beschäftigtenstatistik der
a) Arbeitsagentur
räumlich: Landkreisebene
zeitlich: jährlich
b) Statistischen Landesämter (HE, BY)
räumlich: Gemeindeebene
zeitlich: jährlich
Datenlücken:
Landkreisebene: keine vergleichbaren Daten für TH von 1994 bis 1996
Gemeindeebene: unvollständige Zeitreihe für HE, keine Daten für TH
Zu den sozialver-
sicherungspflichtig Beschäftigten zählen zum größten
Teil Arbeitnehmer und Auszubildende.
Der weitaus überwiegende Teil der Selbständigen, mithelfende Familienangehörige
und Beamte gehören nicht zu dieser Gruppe.
Situation und Entwicklung
Branchenstruktur im bayerischen Teil
Die Branchenstruktur im bayerischen Teil des Biosphärenreservats
ist von zahlreichen kleinen und mittelständischen Betrieben geprägt. Einzige Ausnahme
sind ein großer Papierverarbeitungsbetrieb in Oberwildflecken, der mit seiner
Spezialisierung auf die Herstellung von Hartpapierhülsen europäischer Marktführer
ist, und ein Fertighausbauer in Oberleichtersbach, der zu den zehn größten der
Branche in Deutschland gehört.< br/>
Im produzierenden Gewerbe liegt das Schwergewicht in der Metallverarbeitung
und im Maschinenbau. Die Betriebe konzentrieren sich im Wesentlichen in Bischofsheim
und Bad Brückenau. Darunter sind auch mehrere kleinere und mittelständische Betriebe
mit Spezialprodukten auf Weltmarktniveau. Für das gesamte Arbeitsplatzangebot
spielt das produzierende Gewerbe im Biosphärenreservat noch immer eine wichtige
Rolle. Rund die Hälfte aller sozialversicherungspflichtig Beschäftigten am Arbeitsort
ist im produzierenden Gewerbe tätig.
überwiegend kleine und mittelständische
Betriebe
Auch die Holzverarbeitung spielt im Biosphärenreservat
noch immer eine große Rolle. Hierzu gehören Sägewerke, Zimmereien und Fertighausbau-Betriebe
sowie Schreinereien inkl. Innenausbau, die Holzschnitzerei und der Orgelbau. Ein
erheblicher Anteil des verarbeiteten Holzes kommt aber inzwischen nicht mehr aus
dem Biosphärenreservat selbst.
Das Lebensmittel-Handwerk inkl. der Brauereien ist
im Biosphärenreservat immer noch gut vertreten, auch wenn nur in wenigen Gemeinden
wie z. B. Hausen und Ostheim einzelne Arbeitgeber den örtlichen Arbeitsmarkt wirklich
bestimmen. Umso bedeutender ist die Lebensmittelbranche als Partner des Biosphärenreservats
bei der Herstellung regionaler Produkte und als Imageträger für die gesamte Region.
Lebensmittel-Handwerk als wichtiger Partner des Biosphärenreservats
Partnerbetriebe des Biosphärenreservats:
Kap. B5.2, Tab. 26
Der Tourismus ist nach dem Gesundheitssektor die
zweite starke Säule innerhalb des Dienstleitungssektors. Die größten Betriebe
sind in Fladungen, Hausen, Ostheim, Bischofsheim, Bad Brückenau, Motten und Oberleichtersbach
angesiedelt.
Die Landwirtschaft ist noch
immer wichtiger Erwerbszweig im bayerischen Teil des Biosphärenreservats. Die
Zahl der Erwerbstätigen ist zwar leicht rückläufig, zugleich nimmt aber der Anteil
der Vollbeschäftigten in der Landwirtschaft zu.
Branchenstruktur im hessischen Teil
Der hessische Teil des Biosphärenreservats ist geprägt durch
kleinere Handwerks-, Gewerbe- und Dienstleistungsbetriebe. Die wenigen mittelständischen
Industriebetriebe werden ausschließlich als Familienunternehmen geführt. Sie nutzen
die geologischen Besonderheiten in der Rhön (z. B. Basaltabbau, Mineralwasserabfüllung)
oder das vorhandene Potenzial an gut ausgebildeten Fachkräften des Bekleidungsgewerbes
zur Herstellung von Markenartikeln.
In neuerer Zeit verzeichnet die IT- Branche Zuwächse, inspiriert
durch die Fachhochschule in Fulda und begünstigt durch niedrige Kosten für die
Miete von Gewerberäumlichkeiten.
vorwiegend kleinere Betriebe
in Handwerk, Gewerbe und Dienstleistung, wenige mittelständische Industriebetriebe
Rohstoffabbau:
Kap. B11
Das Gebiet des Biosphärenreservats ist in wirtschaftlicher
Hinsicht eng verknüpft mit dem Oberzentrum Fulda und den dortigen Randgemeinden
Petersberg, Künzell und Eichenzell. Die Gemeinden im Biosphärenreservat werden
bevorzugt als Wohnorte genutzt. D. h. der größere Teil der Beschäftigten
pendelt zur Arbeit in die Städte Fulda oder Hünfeld.
enge Verknüpfung mit dem
Oberzentrum Fulda
Im produzierenden Gewerbe stellen die holzverarbeitenden
Betriebe den größten Anteil. Ebenso wie für Handwerksbetriebe aus den Sparten
Elektrohandwerk, Heizung- und Sanitär sowie Bau- und Stahlbaubetrieben ist auch
für Zimmerer, Schreiner und Dachdecker räumliche Flexibilität von hoher Bedeutung.
Aufträge werden bis weit über die Grenzen des Biosphärenreservats hinaus angenommen
und ausgeführt.
wichtige Rolle der Holzverarbeitung
In allen Zentralgemeinden bestehen noch kleinere Bäckerei- und
Metzgereibetriebe. Eine Großbäckerei produziert für den überregionalen Markt.
Ein Partnerbetrieb des Biosphärenreservats beliefert mehrere Verkaufsläden mit
Backwaren aus regionaler Produktion. Sieben Metzgereibetriebe besitzen eine Zulassung
als Schlachtbetrieb.
Metzgerei- und Bäckereibetriebe sehen sich einer steigenden
Konkurrenz vor allem durch überregionale Discounter ausgesetzt. Hingegen konnte
durch Kooperationen mit einem regionalen Handelsunternehmen die Versorgungsdichte
hochgehalten werden. Dieses Unternehmen bietet Metzgern und Bäckern an vielen
Orten Platz für eigene Verkaufsläden (shop in shop).
steigende Konkurrenz für
Metzgereien und Bäcker durch überregionale Discounter
Auch im hessischen Teil der Rhön spielt die Landwirtschaft trotz
einer rückläufigen Entwicklung von Erwerbstätigkeit und Haupterwerb nach wie vor
eine wichtige Rolle für die Erwerbstätigkeit. Dies spiegelt sich im leicht zunehmenden
Arbeitseinsatz, der in so genannten „Arbeitskräfteeinheiten“ erfasst wird.
Hinsichtlich der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
ist für den primären Sektor vor allem die Forstwirtschaft von Bedeutung. 90 %
der gemeldeten Arbeitnehmer sind Forstmitarbeiter. Aufgrund der kleinbäuerlichen
Struktur der Familienbetriebe bestehen in der Landwirtschaft nur wenige abhängige
Beschäftigungsverhältnisse.
Die Bedeutung des gastronomischen und touristischen
Bereichs ist ebenso wie die der Landwirtschaft nicht aus den Zahlen der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten abzulesen. Im Bereich des Biosphärenreservats des Landkreises Fulda
waren 2003 146 Hotels und Gastwirtschaften gemeldet. Die Mehrzahl dieser Betriebe
wird als Familienbetriebe ohne fremde Arbeitskräfte geführt. 32 dieser Betriebe
sind im Gastgeberverzeichnis mit insgesamt etwas über 2.000 Betten aufgeführt,
davon fünf mit Einzelkapazitäten von über 100 Betten. Weitere 130 Pensionen und
Ferienhäuser haben je Betrieb eine Kapazität von mehr als 8 Betten, d.h. insgesamt
von weiteren 3.500 Betten. In Gemeinschaftsunterkünften wie Jugendherbergen, Wanderhütten
und Bildungsstätten, aber auch in kleineren Privatunterkünften werden weitere
Übernachtungsmöglichkeiten geboten.
Branchenstruktur im thüringischen Teil
Wie das gesamte Biosphärenreservat ist auch der thüringische
Teil stark ländlich geprägt. Lediglich im Kalisalzrevier und im Feldatal gab es
eine frühe Industrialisierung. Bereits Ende des 19. Jahrhunderts wurde im Vachaer
Raum der Kalibergbau zum größten Arbeitgeber. Der Bau der Feldabahn sorgte für
den wirtschaftlichen Aufschwung im so genannten „Eisenacher Oberland“.
Die Wirtschaftsstruktur in der thüringischen Rhön wurde 40 Jahre
lang von Planwirtschaft und den damit verbundenen strukturellen Problemen geprägt.
Nach der Wende waren die Umstrukturierung und Überführung der Betriebe in die
Marktwirtschaft mit erheblichem Kraftaufwand verbunden. Dabei gingen auch viele
Arbeitsplätze verloren, insbesondere im Kalibergbau. Viele Betriebe konnten nicht
mehr weiter geführt werden. Die Feldabahn musste zum Jahresfahrplan 1997 / 1998
ihren regulären Betrieb einstellen.
Teilweise sind aus den ehemaligen Volkseigenen Betrieben auch
Neugründungen hervorgegangen (Kali+Salz AG, Vacha Kabel GmbH, BAF Fischbach, Porzellanmanufaktur
Stadtlengsfeld, Rhönbrauerei Kaltennordheim). Aus den großen Landwirtschaftlichen
Produktionsgenossenschaften (LPG), zu denen die einzelbäuerlichen Betriebe bis
1960 umgewandelt worden waren, entstanden nach 1990 überwiegend Agrargenossenschaften
bürgerlichen Rechts.
Auf Grund günstiger Förderungsbedingungen in den neuen Bundesländern
kam es auch zu einer Reihe von Gewerbeneuansiedlungen.
Wirtschaftsstruktur in der thüringischen Rhön von 40
Jahren Planwirtschaft geprägt
Heute bilden die kleinen und mittleren Unternehmen
das wirtschaftliche Rückgrat in der Thüringer Rhön. Die meisten Betriebe sind
dem Bereich des verarbeitenden Gewerbes zuzuordnen und verzeichnen inzwischen
eine positive Entwicklungstendenz. Bedeutung hat hier auch das holzverarbeitende
Gewerbe wie Holzbildhauer und Tischler.
Kleine und mittlere Unternehmen
bilden wirtschaftliches Rückgrat.
Im Vergleich zu Thüringen und zum bundesdeutschen
Durchschnitt spielen die Land- und Forstwirtschaft in der Thüringer Rhön noch
eine bedeutende Rolle als Flächennutzer, Wirtschaftsfaktor und Arbeitgeber. In
nahezu allen Gemeinden der thüringischen Rhön ist der Anteil an sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten in dieser Branche mit ca. 7 % (in 2000) höher als im Bundesdurchschnitt.
Beschäftigte im primären Sektor:
s.u.
Auf Grund der anderen landwirtschaftlichen Betriebsstrukturen
in Hessen und Bayern werden dort die in der Landwirtschaft Arbeitenden, inkl.
der mitarbeitenden Familienmitglieder, größtenteils nicht als Sozialversicherungspflichtige
in der Statistik erfasst.
Erwerbstätige in der Landwirtschaft und Betriebe:
Kap. B3.1
In Thüringen hat die Region des Biosphärenreservats in den letzten
Jahren eine große Attraktivität für Gewerbeansiedlung entwickelt. Nach Angaben
der Industrie- und Handelskammer (IHK) Bad Salzungen sind von 16 Gewerbegebieten
des Altkreises Bad Salzungen allein acht im Bereich der Rhön (mit einer Auslastung
von ca. 80 %) realisiert worden. 34 % aller geschaffenen Arbeitsplätze
in den Gewerbegebieten im Altkreis Bad Salzungen liegen in der Rhön.
21 % aller IHK-zugehörigen Unternehmen des Wartburgkreises
befinden sich in der Rhön. Mit 1.337 Unternehmen (34 %) ist die Rhön damit
ein wichtiger Wirtschaftsstandort geworden.
[iv]
seit einigen Jahren hohe
Attraktivität der Thüringer Rhön für Gewerbeansiedlung
Außerdem hat die thüringische Rhön mit der Fachhochschule
Schmalkalden sowie dem Technologie- und Gründerzentrum Schmalkalden/Dermbach gute
Voraussetzungen für die Entwicklung technologieorientierter innovativer Wirtschaftszweige.
Am Standort Dermbach ist ein Kompetenznetzwerk für Firmen mit hohem Innovationsgrad
entwickelt worden (Energieoptimierung, Umweltverbesserung und nachwachsende Rohstoffe).
Wie im bayerischen und hessischen Teil des Biosphärenreservats
spielt auch in der thüringischen Rhön der Tourismus auf Grund der hohen Erholungsqualität
und Schönheit der Landschaft eine bedeutende
wirtschaftliche Rolle.
Arbeitsplätze und Beschäftigung
In den bayerischen Landkreisen Bad Kissingen und Rhön-Grabfeld
hat sich, im Gegensatz zum Freistaat Bayern, die Anzahl der Beschäftigten zwischen
1997 und 2005 verringert. Besonders stark ist der Trend im Landkreis Bad Kissingen
ausgeprägt, wo die Beschäftigtenzahl um 8 % zurückging.
Im Thüringer Landkreis Schmalkalden-Meiningen hat die Beschäftigtenzahl
ähnlich wie im Landesdurchschnitt um ca. 15 % abgenommen. Viel positiver
entwickelt sich der Wartburgkreis, wo sich die Beschäftigungszahl in 2004 leicht
erholte.
Im hessischen Landkreis Hersfeld-Rotenburg lag die Beschäftigung in 2005 nach
einer Zunahme in den Jahren 2001 und 2002 knapp unter dem Stand von 1997. Insgesamt
ist hier die Beschäftigungsentwicklung ähnlich verlaufen wie im Landesdurchschnitt.
Nur der Landkreis Fulda kann eine positive Beschäftigungsentwicklung verzeichnen
und liegt über dem Landesdurchschnitt. (s. Abb. 6).
Abb. 6: Entwicklung der Anzahl der Beschäftigten am
Arbeitsort
Mit Ausnahme des Landkreises
Fulda nimmt die Beschäftigung in den Biosphärenreservats-
landkreisen ab.
Wie es die Entwicklung der Landkreiszahlen andeutet, sind die
Beschäftigtenzahlen im bayerischen Teil zwischen 1999 und 2005 zurückgegangen.
Die Entwicklungen waren jedoch in den einzelnen Gemeinden durchaus unterschiedlich.
Sie hängen stark von der spezifischen Entwicklung einzelner Betriebe ab.
Lediglich im Falle des Gesundheitswesens folgt eine ganze Branche
einem übergeordneten rückläufigen Trend. Dies hat insofern Einfluss auf die gesamte
wirtschaftliche Entwicklung im bayerischen Teil des Biosphärenreservats, als das
Gesundheitswesen innerhalb des Dienstleistungsbereichs eine erhebliche Rolle spielt.
Die Auswirkungen der schwachen Gesundheitsbranche spiegeln sich im starken und
insbesondere kontinuierlichen Beschäftigungsrückgang im Landkreis Bad Kissingen
wieder.
In einigen Gemeinden innerhalb des Biosphärenreservats ist das
Arbeitsplatzangebot insgesamt sehr gering. Das bedeutet, dass große Teile der
arbeitsfähigen Bevölkerung zum Pendeln gezwungen sind.
In den bayerischen Gemeinden
im Biosphärenreservat hat die Beschäftigung seit 1999 abgenommen.
Der Vergleich zur Branchenstruktur
in der Bundesrepublik zeigt, dass im Biosphärenreservat der produzierende Sektor
noch eine bedeutende Rolle spielt. Der Strukturwandel zur Dienstleistungsgesellschaft
ist noch nicht so weit fortgeschritten.
In der Landwirtschaft spielen sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse
eine untergeordnete Rolle. Ihre tatsächliche Bedeutung in der Branchenstruktur
ist daher höher
einzuschätzen.
Abb. 7: Branchenverteilung in 2003 – Beschäftigte in den Sektoren
[v]
Strukturwandel zur Dienstleistungs-
gesellschaft
in der Rhön noch nicht so weit fortgeschritten wie im Bundesdurchschnitt
Bewertung
Wirtschaftliche Entwicklung und
Beschäftigungssituation in der Rhön sind zum einen stark abhängig von der wirtschaftlichen
Verfassung der großen Arbeitgeber am Rand des Biosphärenreservats (Fulda, Eisenach,
Bad Neustadt). Eine Krise dieser Arbeitgeber hätte weitreichende Auswirkungen
zumindest für Teile des Biosphärenreservats.
Zum anderen schlagen positive und negative Entwicklungen bei
den Betrieben innerhalb des Biosphärenreservats auf Grund ihrer überwiegend niedrigen
Beschäftigtenzahlen im Wesentlichen in der Sitzgemeinde durch. Besonders, wenn
es sich um den einzigen nennenswerten Arbeitgeber (und Gewerbesteuerzahler) in
der Gemeinde handelt, kann dies für die betreffende Gemeinde problematisch sein.
Aktivitäten und Handlungsbedarf
Die Verbesserung
der Infrastruktur durch den Bau der A71 wirkt sich besonders auf die bayerische
und thüringische Rhön aus. Durch den Autobahnanschluss ist die Rhön schneller
und einfacher aus anderen Teilen Thüringens und Bayerns zu erreichen. Dies hat
Vorteile für den Tourismus in der Rhön, aber auch für ansässige Unternehmen. Attraktionen
im Fremdenverkehr, wie beispielsweise der länderübergreifende Premiumwanderweg
„der Hochrhöner“, der Radtourismus oder der Umwelttourismus runden das touristische
Profil ab. Dennoch besteht Handlungsbedarf z. B. im Bereich Kulturtourismus.
In Zukunft
wird es zu den bereits laufenden Projekten verstärkt zu Aktivitäten in den Bereichen
erneuerbare Energien (z. B. Biogasanlagen) und regionale Produkte (z. B.
Bionade) kommen müssen.
Die Möglichkeiten
der Verwaltungsstellen, aber auch der Gemeinden, positive Entwicklungen in
Gang zu setzen bzw. negative zu verhindern oder abzuschwächen, sind insgesamt
sehr begrenzt.
Im Überblick
Der produzierende Sektor spielt im Vergleich zum
Bundesdurchschnitt in der Rhön noch eine bedeutendere Rolle. Der Strukturwandel
hin zur Dienstleistungsgesellschaft läuft im Vergleich zu den bundesweiten Entwicklungen
langsamer ab.
Strukturwandel zur Dienstleistungs-
gesellschaft
läuft in der Rhön langsamer ab als im Bundesdurchschnitt.
Die Anzahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten
am Arbeitsort zeigt eine rückläufige Tendenz. Daraus lässt sich schließen, dass
das Arbeitsplatzangebot im Biosphärenreservat abnimmt. Um weiterhin ihren Lebensunterhalt
verdienen zu können, müssen die Betroffenen zu weiter entfernten Arbeitsstätten
pendeln oder ggf. als Einzelunternehmen neue Dienstleistungen anbieten. Insbesondere
junge Menschen ziehen auf der Suche nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen aus der
Rhön weg.
Beschäftigung in der Tendenz
rückläufig
[i] Grebe R.
& Bauernschmitt G. 1995: Biosphärenreservat Rhön - Rahmenkonzept für
Schutz, Pflege und Entwicklung. Radebeul.
[ii]
http://www.pub.arbeitsamt.de/hst/services/statistik/detail_2004/q.html (Abruf:
27.10.2006)
[iii]
Statistisches Bundesamt 2005: Qualitätsbericht - Statistik /Bezeichnung
„Vierteljährliche Bestandsauszählungen der sozialversicherungspflichtig
Beschäftigten“ - Kurzbezeichnung: „Beschäftigtenstatistik“.
http://www.destatis.de/download/qualitaetsberichte/qualitaetsbericht_beschaeftigtenst.pdf
(Abruf: 14.11.2006)
[iv]
Biosphärenreservat Rhön (Hrsg.) 2006: Wir stellen uns vor – IHK als moderner
Dienstleister – Ein Partner für Existenzgründer und Unternehmen. Mitteilungen
aus dem Biosphärenreservat Rhön, Heft 11 /2006
[v] Vergleichszahlen
für Deutschland: Statistisches Bundesamt 2004: Bevölkerung und Erwerbstätigkeit
- Struktur der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten – 31. Dezember 2003.
Wiesbaden.
http://www-ec.destatis.de/csp/shop/sfg/bpm.html.cms.cBroker.cls?cmspath=struktur,vollanzeige.csp&ID=1015001
(Abruf: 14.11.2006)