Grundschule - Vom Spinnrad zum T-Shirt

Grundschüler lernen, Kleidung nicht als selbstverständliches Gut zu begreifen

Betritt man das Grundschulgebäude in Brendlorenzen, fallen sofort die kunterbunten Fußspuren auf, die sich über den Boden verteilen und an den Wänden weiterzugehen scheinen. Den ökologischen Fußabdruck soll dies anschaulich darstellen. Denn leicht ist es für Grundschüler nicht, die komplexe Thematik des nachhaltigen Konsums zu erfassen.

Das ganze Schuljahr über haben sich die Grundschüler immer wieder mit ihren Fußspuren in der Welt beschäftigt. Sie haben auf einfache Weise erkannt, dass wir alle viel mehr verbrauchen, als uns an Rohstoffen zur Verfügung steht. Dies alles zu begreifen, für Grundschüler einfach verstehbar zu machen, dass ist den betreuenden Lehrerinnen Gudrun Schuhmann und Friederike Thomas immer wieder in verschiedenen Projekten gelungen. Gerade aber die Produktion von Kleidung, typischerweise die einer Jeans und eines T-Shirts, die war immer wieder mal Thema einer Stunde Beschäftigung mit dem Nachhaltigen Konsum. Was liegt also näher, als einmal in diesem Zusammenhang zu den Ursprüngen des Wirtschaftens zurückzublicken.

Die beiden Projektleiterinnen des Biosphärenreservats, Eva Kalla und Jiska Troppenz, hatten deshalb eine für die Schülerinnen und Schüler eindrucksvolle Idee. Schließlich hat, wenn man mal genau nachfragt, beinahe jeder Schüler ein knappes Dutzend Jeans zu Hause im Schrank und so etwa die doppelte Menge an T-Shirts. Doch kein Mensch macht sich heute noch darüber Gedanken, wie schwer es noch vor wenigen hundert Jahren war, Stoffe zu gewinnen und zu verarbeiten.

Wenn jemand im Landkreis sich mit dieser historischen Arbeitsweise noch auskennt, dann Rudolf Mauder. Der Leiter des Museums im Salzhaus in Mellrichstadt kam zu einer historischen Unterrichtsstunde und brachte ein Spinnrad und einen alten Webrahmen mit. Natürlich ist heute die Stoffproduktion nicht mehr so kompliziert, natürlich nicht mehr so viel Handarbeit und natürlich können heute ganz andere Mengen produziert werden. Aber Rudolf Mauder kann dennoch den Schülern deutlich machen, dass ein T-Shirt im Schrank überhaupt nicht selbstverständlich ist, auch wenn es gar nicht viel gekostet hat. Mauder zeigt einfach, wie viel Arbeit es gemacht hat, bis jeder Schüler morgens ein T-Shirt frisch aus dem Kleiderschrank nehmen kann. Und zum Nachdenken über den eigenen Konsum sollte die etwas andere Schulstunde ja schließlich anregen.

Bad Neustadt

Text: Stefan Kritzer

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Foto: Stefan Kritzer

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