Die Wildkatze in der Rhön

Kurzsteckbrief Wildkatze (Felis silvestris silvestris)

Größe:           etwa wie Hauskatze
Gewicht:       Kätzinnen meist 4 kg, Kuder um 5 kg
Alter:              etwa 7 – 10 Jahre, in Gefangenschaft bis 15 Jahre
Tragzeit:       63 – 69 Tage

Nachwuchs:
2 – 4 (max. 6) Junge im Wurf, kommen zwischen März und September zur Welt; die meisten Würfe im April, zweiter Wurf im Herbst – normalerweise nur bei Verlust des Ersten.

Lebensraum:
Wildkatzen fühlen sich in naturnahen, ungestörten und abwechslungsreichen Laubmischwäldern am wohlsten. Höhlen, Wurzeln und Totholz dienen als Tagesunterschlupf und als Versteck für die Jungenaufzucht. Zur Jagd nutzt die Wildkatze auch nahrungsreiche Wiesen und Heckengebiete außerhalb des Waldes.

Streifgebiet:
Die Größe variiert je nach Lebensraumqualität, Beuteangebot, Populationsdichte, Jahreszeit und dem Geschlecht. Kuder durchstreifen Gebiete von bis zu 40 Quadratkilometer, Kätzinnen von bis zu 11 Quadratkilometer.

Nahrung:
Die Wildkatze fängt vor allem Mäuse. Seltener werden Kaninchen, Junghasen, Kleinvögel, Insekten, Eidechsen, Fische oder Amphibien erbeutet. In (winterlichen) Notzeiten fressen Wildkatzen auch Aas.

Spuren:
Die Vorderpfoten haben fünf Zehen (aber nur vier erscheinen im Abdruck), die Hinterpfoten vier. Der Abdruck ist rundlich, Kralleneindrücke sind keine zu finden.

Wo kann man die Wildkatze live in der Region erleben?
Die Wildkatze ist sehr scheu, meist dämmerungs- und nachtaktiv und nur mit viel Glück in der Natur zu sehen. Zu empfehlen ist daher ein Besuch des Wildpark Klaushof bei Bad Kissingen, wo man die Wildkatze sehen kann (TIPP: vor allem zu den Fütterungszeiten!) Info: www.wildpark-klaushof.de

 

Die Rhön als Lebensraum

Der ideale Lebensraum für die Wildkatze verfügt über viele Gebüsche, Hecken, umgestürzte Bäume zum Klettern und Erd- oder Steinhöhlen, in denen sie sich verstecken kann.

Da Wildkatzen sehr scheu sind, meiden sie Dörfer und Städte, nur bei Nahrungsknappheit (z.B. frost- und schneereiche Winter) nähern sie sich Siedlungen.

Wildkatzen sind störungsempfindlich und bevorzugen Wälder mit Zugang zu geschütztem Grünland. Alle drei Waldtypen (Nadelwald, Laubwald, Mischwald) stellen sich als geeignet für die Wildkatze heraus. Es werden jedoch auch in der Rhön Wälder mit einem hohen Laubwaldanteil von der Wildkatze bevorzugt.

Die besten Wildkatzenlebensräume befinden sich in der Nähe von Grünlandflächen und weit entfernt von Siedlungen. Weiterhin meiden Wildkatzen strukturarme Offenlandgebiete. Zusätzlich konnte eine Meidung von sehr hohen Jahresniederschlägen als auch von zu hohen Jahrestemperaturen festgestellt werden – Bevorzugung der mittleren Mittelgebirgslagen.

Im Biosphärenreservat Rhön sind viele kleine, jedoch gut geeignete Lebensräume für die Wildkatze vorhanden. TOP-Lebensräume – aufgrund von Habitatgröße, Zerschneidungsgrad und Anzahl genetischer Nachweise -befinden sich im Truppenübungsplatz Wildflecken, in den Schwarzen Bergen, am Kreuzberg, im Salzforst und Neuwirtshauser Forst, an den Osthängen der Langen Rhön, im Grünen Band, in der kuppigen Rhön bei Dermbach und Diedorf sowie in den Wäldern nordöstlich Hünfelds.

Für eine weitere Verbesserung der Lebensbedingungen können unter anderem mehr Wälder naturnah bewirtschaftet und die Gefahrenstellen in ihren Lebensräumen beseitigt werden.

Vor allem Grünbrücken und andere naturnah gestaltete Querungshilfen an Straßen vermindern die Verluste durch den Straßenverkehr.

 

Wie geht es der Wildkatze in der Rhön?

Um bei dieser Frage zu sicheren Nachweisen zu gelangen, wurde die Methode der Lockstockanalyse angewandt. Wildkatzen lieben den Duft von Baldrian. Deshalb wurden mehrere hundert mit Baldrian präparierte Lockstäbe aus rauem Holz aufgestellt - von 2008-2012 (an ausgewählten Standorten) sowie 2013-2014 (in 5 Rastern).

Vor allem in der Paarungs- oder Ranzzeit im Winter reiben sich die Katzen, vom Baldrianduft angezogen, an den Stäben. Die dabei hinterlassenen Haare wurden wöchentlich abgesammelt und anschließend von Wissenschaftlern in Speziallaboren genetisch untersucht.

Im Biosphärenreservat Rhön konnten zwischen 2008-2014 durch Genanalyse 102 Wildkatzenindividuen nachgewiesen werden. Auf der Basis von Hochrechnungen wird der Wildkatzenbestand auf rund 200 Tiere geschätzt.

Es gibt eine vitale, sich reproduzierende Wildkatzenpopulation, die mit Wildkatzen aus benachbarten Regionen (Spessart, Mitteldeutschland) im genetischen Austausch steht.

Wie genetisch klar gezeigt werden konnte, bildet die Rhön einen Ausbreitungskorridor zweier Wildkatzenlinien und damit eine wichtige Verbindungsachse zwischen nördlichen und südlichen Verbreitungsarealen der Art.

 

FAZIT und Ausblick

Die Wildkatze ist in der Rhön zu Hause. Sie ist in der Lage, trotz identifizierter Wanderbarrieren, die gesamte Rhön zu durchwandern. Eine Beseitigung dieser Hindernisse sowie eine naturnahe Forstbewirtschaftung können ihren Lebensraum noch weiter verbessern.

 

Projektinformationen:

Die Ergebnisse basieren auf dem länderübergreifenden Wildkatzenmonitoring des Biosphärenreservats (2013-2014) sowie auf Erhebungen im Rahmen des Projekts „Die Wildkatze in der Rhön – auf leisen Sohlen in eine sichere Zukunft“ des Vereins RhönNatur e.V. (2008-2012), gefördert durch Allianz Umweltstiftung und Zoologische Gesellschaft (Frankfurt). Das Forschungsinstitut Senckenberg hat die Daten wissenschaftlich ausgewertet.

Mitwirkende 2013/2014 waren: die drei Verwaltungen des BiosphärenreservatsVerein Naturpark und Biosphärenreservat Bayerische Rhön e.V. mit der Jugendgruppe „Die Wanderratten“, Bund Naturschutz in Bayern e.V. (Kreisgruppe Bad Kissingen), Bundesforst und Bayerische Staatsforsten (Forstbetrieb Bad Brückenau).

Das Monitoring förderte das Bayerische Landesamt für Umwelt.

Träger 2013/14: Die Verwaltungstellen des Biosphärenreservats Rhön in Bayern, Hessen und Thüringen unter Federführung der bayerischen Verwaltungsstelle (Projektleitung: Dr. Doris Pokorny doris.pokorny@reg-ufr.bayern.de)

 

Weitere Hintergrundinformationen finden Sie bei:

Projekt:                   Die Wildkatze in der Rhön (2008-2013)
Projektträger:      RhönNatur e. V.
gefördert durch: Allianz Umweltstiftung und Zoologische Gesellschaft Frankfurt
Projektpartner:  Verwaltungsstellen des Biosphärenreservats Rhön, BUND, Bund Naturschutz Bayern e. V., Forschungsinstitut Senckenberg, Abteilung Naturschutzgenetik, Staatsforsten Bayern, HessenThüringen  u. v. m.

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Die Wildkatze in der Rhön (Felis silvestris silvestris), Fotos: U. Schade

Ergebnisse der Lebensraummodellierung für die Wildkatze in der Rhön auch als pdf für Sie zum Download in DOKUMENTE auf dieser Seite

Wildkatze am Baldrian getränkten Lockstock - aufgenommen von einer Wildkamera

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