Das Birkhuhn in der Rhön

Kurzsteckbrief Birkhuhn (Tetrao tetrix)

Das Birkhuhn gehört, wie auch das Auerhuhn, zu den „Raufußhühnern“ (rau, weil ihre Füße befiedert sind). Die Raufußhühner gelten als nordische Arten und sind gut an die Winterkälte angepasst.

Die Urheimat des Birkhuhns sind die Waldtundren und Moore. In der Eiszeit stieß das Birkhuhn nach Mitteleuropa vor. Teile der Alpen, Moore Norddeutschlands und der Mittelgebirge wurden besiedelt. Das Birkhuhn liebt Landschaften mit nassen Stellen und niedrigen, lichten Gehölzen, denn dort gibt es die passenden Pflanzenbestände wie Beeren, Birken- und Weidenkätzchen. Das Birkhuhn ist ein Bodenbrüter. Für die Balz werden weite, offene und kurzwüchsige bis vegetationslose Flächen benötigt. Für die Brut sind halboffene Flächen mit einer höheren Krautschicht wichtig.

 

Die Rhön als Lebensraum

Die hohen Offenlagen der Rhön bieten heutzutage noch relativ gute Voraussetzungen für einen gesunden Birkhuhnbestand.

Das Birkwild war bis in die 70er Jahre eine Charakterart der Rhön. Ende der 1960er Jahre fanden noch etwa 300 Birkhähne in der gesamten Hochrhön auf ca. 8.000 bis 10.000 Hektar geeigneten Lebensraum. Die damals noch vernetzten, überlebensfähigen Teilpopulationen in den Kammlagen der Rhön sind bis auf eine Population im Naturschutzgebiet Lange Rhön (Darstellung 2009 rot) erloschen.

Im Jahr 2007 wurden hier nur mehr 9 Hähne und 5 Hennen gezählt. Diese Restpopulation ist derzeit isoliert und aus diesem Grund gegenüber einer Verschlechterung ihrer Lebensbedingungen besonders empfindlich. Sie befindet sich auf einem für ihr Weiterexistieren bedrohlichen Tiefstand.

 

Wie geht es dem Birkwild in der Rhön?

Das Birkhuhn ist die am intensivsten und längsten beobachtete Tierart im Biosphärenreservat. Das Monitoring des Birkwildes in der Rhön läuft bereits seit 1963 in der Form einer jährlichen Zählung. Begonnen wurde es durch den damaligen Birk- und Auerwildhegering Bayerische Rhön. Aufgrund der besorgniserregenden Bestandsentwicklung des Birkwilds in der Rhön wird seit Ende der 70er Jahre jährlich eine Birkhuhnzählung auf der Fläche des heutigen Naturschutzgebiets „Lange Rhön" nach standardisierter Methode durchgeführt.

Damit können verlässliche Populationsgrößen ermittelt werden. Diese stellen den Beginn einer planmäßigen Bestandserfassung dar. Die standardisierte Synchronzählung wurde 1977 von Dr. Franz Müller entwickelt und von Wolfgang Dietzen (ehemals Wildbiologische Gesellschaft München) zusammen mit der Ornithologischen Arbeitsgemeinschaft Unterfranken etabliert. Mittlerweile finden die Zählungen im Frühjahr und Herbst statt. Dadurch können Daten über den Bruterfolg bzw. die Überlebensrate über den Winter erfasst werden.

Es muss derzeit davon ausgegangen werden, dass in der Langen Rhön nur maximal ein Drittel der Hennen erfolgreich Jungvögel großzieht. Zwar konnten in den vergangenen Jahren immer Hennen mit Jungvögeln („Gesperre“) beobachtet und gezählt werden, jedoch blieb die Anzahl von flüggen Jungvögeln pro erfolgreicher Brut hinter dem Ergebnis früherer Jahre zurück. Im Durchschnitt überlebten weniger als drei Jungvögel pro Brut die ersten Lebenswochen. In den Jahren 2011 und 2012 konnte kein einziger Birkwildnachwuchs nachgewiesen werden. Zu den Ursachen dieser niedrigen Geburtenrate gibt es noch keine abschließenden Erklärungen. Erstmals konnte im Jahr 2013 wieder ein Gesperre mit 3 Jungvögeln nachgewiesen werden.

 

Birkwild-Auswilderung in der Rhön

Nach fünf Jahren Auswilderung von 68 schwedischen Birkhühnern kann die Wildland-Stiftung in Bayern eine positive Bilanz ziehen. Seit Jahren steigen zum ersten Mal die Birkwild-Zahlen in der Rhön durch natürliche Reproduktion wieder an. Mit 14 Hähnen und elf Hennen bei der Herbstzählung 2014, darunter neun Jungvögel, stimmt dies äußerst optimistisch. Das Rhöner Birkwild-Projekt soll weitergeführt werden. Neben der notwendigen Biotoppflege wird auch zukünftig auf die natürlichen Feinde des Birkhuhns Jagd gemacht. Ob weitere schwedische Hennen und Hähne in die Rhön kommen können, muss aber zunächst mit den Behörden in Skandinavien abgestimmt werden.


Dank der Genehmigung durch das Schwedische Zentralamt für Naturschutz, konnten jährlich maximal 15 Tiere gefangen und nach Deutschland exportiert werden. Für 2016 - 2020 liegt erneut eine Fanggenehmigung von 25 Tieren jährlich vor.

 

FAZIT und Ausblick

  • Die derzeitige Fläche von 1200 ha, in der Birkhühner ihren Lebensraum haben, kann dauerhaft nicht mehr als 24 Birkhühner tragen.
  • Eine langfristig lebensfähige Birkhuhn-Population kann erst ab einer Lebensraumkapazität von >100 Vögeln erreicht werden. Dazu wären >5000 ha Lebensraum nötig.
  • Durch Pflege, Rodung und Extensivierung kann das Lebensraumangebot auf maximal 5000 ha vergrößert werden, welches dann für rund 100 Birkhühnern ein zu Hause in der Rhön darstellen kann.

 

Projektinformationen:

Projekt:                   Das Birkwild in der Rhön
Projektträger:      Wildland-Stiftung Bayern
Betreuer:                Dipl.-Biol. Torsten Kirchner
gefördert durch: Europäischer Sozialfonds (ESF) und Bayerischer Naturschutzfonds
Projektpartner:   Birkwildhegering, Untere Naturschutzbehörden, Regierung von Unterfranken, Hessische Verwaltungsstelle Biosphärenreservat Rhön, Wildlandgesellschaft, Landkreis Rhön-GrabfeldBayerischer Jagdverband u. v. m.

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blauschwarz-weiße Birkhähne in der Rhön mit einer Körperlänge von 55 – 60 cm und roten Rosen über den Augen (Foto: Archiv "Rhönjäger Hillenberg")

Verbreitungskarte des Birkwilds in der Rhön (grau 1970 – 12.000 ha, gelb – 1993 – 2.800 ha, rot – 2009 – 1.400 ha)

Bestandsentwicklung des Birkwilds in der Rhön von 1977 bis 2016 - Blau – Birkhähne, Rot – Hennen, Grün - Auswilderung

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