Temperaturen und Wärme in der Rhön

Die Rhön hat gegenüber ihrer Umgebung kürzere Sommer, dafür aber längere und kältere Winter aufzuweisen. Liegt die durchschnittliche Jahrestemperatur in Frankfurt noch deutlich über +9°C, so sind es in Fulda nur noch wenig über +8°C.

Die meisten Regionen der Rhön müssen sich mit +5 bis +7°C zufrieden geben, die höchsten Gipfel und auch die Hochmoore mit noch kälteren +4 bis +4,5°C. Nun ist alle Theorie grau, und insbesondere mit langjährigen Durchschnittswerten ist das so eine Sache. Doch wie wirken sich diese Werte in der Praxis aus?

Die Realität: nicht immer Durchschnitt

Selbst im Hochsommer sind sehr heiße Tage rar. Mag es im mitteleuropäischen "Durchschnittssommer" (der nie eintritt) zwischen 6 und 12 echte "Tropentage"in den Tieflandsstationen geben, so sind es in der Mittleren Rhön vielleicht noch ein bis zwei Tage, in der Hohen Rhön meist kein einziger Tag mehr. Ähnlich verhält es sich mit den Sommertagen: 30 oder 40 solchen Tagen pro Jahr im Frankfurter Raum stehen weniger als die Hälfte in der Rhön gegenüber.

Rhönwetter: gesundes Wetter

Die Sommer erscheinen so angenehmer, wenn es sich denn um beständige, warme, von häufigem Hochdruckeinfluss gekennzeichnete Sommer handelt. Das Rhöner Wetter ist dann bioklimatisch weniger belastend als dasjenige der Metropolen an Rhein und Main, wozu selbstverständlich auch die größere Luftreinheit beiträgt. Diese Einflüsse relativieren sich jedoch in unbeständigen Sommern.

Winter: in der Regel immer mit Schnee

In den Wintermonaten findet man in der Hohen Rhön vor allen Dingen das vor, was der weitaus größte Teil Hessens in den letzten Jahren leider vermissen lässt: Schneesicherheit. Aber auch hier sind manche Jahre so warm, dass gute Wintersportbedingungen nur Tage- oder bestenfalls Wochenweise gegeben sind, wie der Winter 2007/2008/2013 gezeigt hat, denn hierfür ist die Höhenlage doch nicht ausreichend. Dennoch - ein Vergleich mit Hessischen Tieflandsstationen beweist es - die Rhön kann im Winter als recht schneesicher eingestuft werden.

Während Kassel (200 m) in den Monaten Januar und Februar auf jeweils etwa 13 Tage mit einer vorhandenen Schneedecke kommt, sind es auf der Wasserkuppe 28 (Januar) bzw. 25 (Februar) Tage (Nach Caspar, 1962, und Jäger, 1977). Die Mittlere Temperatur liegt hier für 4 Monate - und zwar von Dezember bis März - unter dem Gefrierpunkt. In Melsungen (bei Kassel, Stationshöhe 190m) weist der kälteste Monat Januar eine Temperatur von exakt 0,0°C auf (Nach Müller-Westermeier, 1990).

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Warm und Kalt

Die höchsten Mitteltemperaturen auf Hessens höchstem Berg  der Wasserkuppe betragen im Juli und August etwa +13°C, wohingegen im Tal (etwa Fulda) um +17°C erreicht werden. Das Frühjahr beginnt etwa einen Monat später und der Sommer endet um etwa einen Monat früher als im Tal. Dies bedeutet auch einem um zwei Monate verkürzte Vegetationszeit (s. oben).

Gegenüber der Bergstraße oder dem Rhein-Main-Gebiet dürften aus dieser Zeitspanne mindestens zweieinhalb Monate, wahrscheinlich sogar deren drei, werden. Selbst in den weniger hoch gelegenen Teilen der Rhön bleiben immer noch etwa eine um zwei Monate verkürzte Vegetationszeit gegenüber Hessens Gunstarealen.

Nicht nur Rhöntypisch, sondern allgemein auf die Deutschen Mittelgebirge zutreffend ist die Tatsache, dass in den Frühjahrs- und Sommermonaten die Temperatur mit der Höhe stärker abnimmt als in den Herbst- und Wintermonaten.

Im Frühjahr bewirkt die längere Erhaltungsdauer der Schneedecke in den höheren Lagen eine "Bindung" der mit der zunehmenden Einstrahlung der Sonne zugeführten Wärmeenergie. Im Sommer ist hingegen das Einstrahlungsmaximum, wodurch die unteren Luftschichten der Atmosphäre am stärksten erwärmt werden, mitverantwortlich für den hohen Temperaturgradient zwischen Berg und Tal.

Deswegen ist es im Frühling und Sommer auf den Bergen der Hohe Rhön oftmals so bedeutend frischer als im Tiefland. Im Herbst und Winter führen die dann gehäuft auftretenden Wetterlagen des Typs "Zentralhoch Mitteleuropa" des Öfteren zu Absinkinversionen, so dass es - vor allem frühmorgens - in der Hochrhön auch schon einmal wärmer sein kann als in Fulda. Durchschnittlich gesehen ist der Temperaturrückgang zwischen Tal und Berg im Spätherbst und Winter in jedem Fall am geringsten.

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